Hamburg  Wissenschaftlich erwiesen: Wer sich schlau fühlt, ist in Wahrheit inkompetent

Julia Wadle
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Von Julia Wadle
| 17.06.2022 10:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Was ist wichtig für den Erfolg: Intelligent sein oder sich intelligent führen? Das Bild zeigt Ex-US-Präsident Donald Trump. Foto: Imago images/ZUMA Wire
Was ist wichtig für den Erfolg: Intelligent sein oder sich intelligent führen? Das Bild zeigt Ex-US-Präsident Donald Trump. Foto: Imago images/ZUMA Wire
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Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung klaffen teilweise erheblich auseinander. Warum schlaue Menschen an sich zweifeln – und andere zu selbstbewusst sind.

In diesem Artikel erfährst Du:

„Große Klappe, nichts dahinter“ – an wen denkst Du, wenn Du diese Redewendung hörst? Ist es der Kollege, der sich für den absolut Besten hält, dessen Arbeit Du aber nachts um 3 Uhr betrunken besser machen könntest? Oder der Kumpel, der denkt, er sei Ronaldo, beim Kreisligaspiel aber nicht mal das Tor aus einem Meter Entfernung trifft? Warum können sich manche Menschen einfach wahnsinnig schlecht selbst einschätzen?

1999 veröffentlichten die Psychologen David Dunning und Justin Kruger eine Studie mit dem Titel: „Unskilled and unaware of it: How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments“. Zu Deutsch: „Unwissend, ohne es zu wissen: Wie Schwierigkeiten in der Wahrnehmung der eigenen Inkompetenz zu einem aufgeblasenen Selbstbewusstsein führen können.“

Das sind die zentralen Erkenntnisse der Studie:

Die Sozialwissenschaftler führten mit 334 Studierenden der Cornell University vier verschiedene Tests durch, die deren Humor, logisches Denken und Grammatik bewerten sollten. Dunning und Kruger beobachteten, dass die Hälfte derjenigen, die schlecht abschnitten, ihre Fähigkeiten deutlich überschätzten.

Als diesen die Ergebnisse der kompetenteren Mitstudierenden gezeigt wurde, waren jene nicht in der Lage, ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen: Sie glaubten weiterhin, gute Leistungen erbracht zu haben, und konnten die tatsächlich guten Ergebnisse anderer Studienteilnehmer nicht einschätzen.

Erst als die Studierenden mehr Fachwissen erwarben und Fähigkeiten ausbauten, wurde ihnen die eigene Inkompetenz bewusst. Sie wussten, was sie nicht wussten und konnten ihre Leistungen in dem Bereich besser einschätzen.

Wir würden gerne von Euch wissen: Wie findet Ihr eigentlich #neo? Die Umfrage ist ganz, ganz kurz, versprochen! Wenn Ihr mitmacht, helft Ihr uns aber sehr.

Doch auch diejenigen, die besonders gut in den Tests abschnitten, schätzten sich falsch ein: Sie erkannten nicht, dass ihre Leistungen jene der anderen übertrafen. Erst nachdem sie gewusst hatten, dass die anderen schlechter abgeschnitten hatten, konnten sie sich selbst realistischer einschätzen.

In die gleiche Richtung geht auch das Imposter-Phänomen, bei dem kompetente Menschen glauben, nichts zu können und befürchten, jederzeit als Betrüger auffliegen zu können.

Etwas nicht zu wissen oder zu können, ist keine Schande. Und manchmal kann uns der (übertriebene) Glaube an uns selbst dabei helfen, uns zu motivieren und eine Herausforderung zu wagen. Etwa uns auf einen Job zu bewerben, für den wir eigentlich unterqualifiziert sind: Sei es auf eine Beförderung innerhalb der Firma oder die Kandidatur als US-Präsident ohne politische Erfahrung. Kann klappen, siehe Donald Trump.

Doch die Risiken überwiegen deutlich, wie Wirtschaftspsychologie Prof. Dr. Uwe P. Kanning in einer Kolumne erläutert. Er kritisiert, dass Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft zunehmend nach Management- statt nach Fachkompetenz besetzt würden.

Erlebst Du das auch in Deinem Joballtag?

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