Kiel Baltops-Manöver geht zu Ende: Im Osten nichts Neues
Noch nie waren an dem jährlichen Nato-Manöver unter Führung der US Navy derart viele große Kriegsschiffe beteiligt. Ein Signal an Russland – das seinerseits jetzt den Ernstfall trainiert.
Das Manöver sei sehr erfolgreich gewesen und man danke wärmstens der Deutschen Marine – so in etwa lässt sich zusammenfassen, was am Freitagvormittag der Operationschef der US-Navy Admiral Michael Gilday und Vizeadmiral Gene Black auf der Pressekonferenz zum Abschluss des diesjährigen Baltops-Manövers in Kiel sagten. Der Rest – auch Teile der Rede des deutschen Stellvertretenden Marineinspekteurs Vizeadmiral Frank Lenski, – ging unter in Gedröhn: Das bringt es eben mit sich, wenn man das kleine Rednerpult mit dem Flaggenständer direkt vor dem Generator eines riesigen US-amerikanischen Kriegsschiffes platziert.
Dort, vor der „USS Mount Whitney“, dem fast 200 Meter langen Flaggschiff des Kommandeurs der 6. US-Flotte, zuständig für amphibische Kriegsführung, hatten sich noch einmal Deutsche und Amerikaner versammelt, um die wesentlichen Fakten und Ergebnisse des Baltops-Manövers mitzuteilen: In Bezug auf Russland etwa sagte Black, es gebe „nichts zu berichten“, man habe „sicher operiert“.
NATO-Mitglieds- und Partnerstaaten üben seit 1971 in der Ostsee jährlich den Ernstfall. Noch nie indes waren so viele große Schiffe dabei wie in diesem Jahr: Die Teilnahme etwa der rund 260 Meter langen „USS Kearsarge“ wurde als klares Signal an Russland aufgefasst. Das Schiff sollte im Anschluss an das Manöver zunächst auch Kiel anlaufen, erhielt dann aber andere Befehle – denn Russland hat ein eigentlich traditionell im September durchgeführtes Manöver der Baltischen Flotte mit mehr als 20 Kriegsschiffen und -booten diesmal vorverlegt und trainiert nun direkt im Anschluss an das Baltops der NATO.
In den vergangenen zwei Wochen hatten mehr als 45 Schiffe und 75 Flugzeuge mit insgesamt rund 7000 Soldaten am NATO-Manöver teilgenommen. Schwerpunkt der Übungen waren die Räumung von Seeminen, amphibische Operationen, Schießübungen, U-Boot- und Flug-Abwehr.
Als diesjähriges Gastland fungierte NATO-Partnerland Schweden, das wie Finnland seit Kurzem eine Aufnahme in das Bündnis anstrebt. Geübt wurde auch vor Gotland: Die schwedische Insel gilt aufgrund seiner zentralen Lage als das Tor zur Ostsee und spielt deshalb auch in der russischen Militärstrategie eine entscheidende Rolle – erst Anfang März drangen vier russische Kampfjets in den Luftraum über der Insel ein.
Während des zweiwöchigen Baltops-Manövers seien einige russsische Schiffe auf See gewesen, sagte Vizeadmiral Gene Black – allerdings in internationalen Gewässern und ohne weitere Vorfälle. „Die Ostsee gewinnt weiter an Bedeutung für die Landes- und Bündnisverteidigung“, sagte Vizeadmiral Lenski. Die geostrategische Lage in der Ostsee werde sich mit der Aufnahme von Schweden und Finnland in die Nato grundlegend zugunsten des westlichen Verteidigungsbündnisses wenden.
Nach dem Manöver kommt nun das Feiern, jedenfalls ein bisschen: Nicht alle der ursprünglich vorgesehenen Marineschiffe werden zum Auftakt der Kieler Woche am Samstag vor Ort sein. Zuletzt waren wie die „USS Kearsarge“ noch einige weitere Schiffe abgezogen und umgeroutet worden. Die verbleibenden Schiffe der Deutschen Marine und der anderer Nationen öffnen an insgesamt drei Tagen auf dem Marinestützpunkt ihre Gangways für Besucher zum „Open Ship“.