Nachteile der Raumordnung Warum kleinere Orte oft das Nachsehen haben
Die Gemeinde Krummhörn hat jetzt in Visquard erklärt, warum man in kleinen Orten nicht auf große Baugebiete zu hoffen braucht. Es gibt aber auch dort Alternativen.
Visquard - In der Gemeinde Krummhörn sind Bauplätze heiß begehrt. Dabei gibt es eigentlich mehr als genug freies Land, auf dem Häuser stehen könnten. Ein Beispiel dafür ist das kleine Warfendorf Visquard, wo man sich ebenfalls über den Mangel an ausgewiesenen Bauflächen wundert. Darum fand dort jetzt auf Initiative des SPD-Ortsvereins eine Versammlung statt, die Licht ins Dunkel bringen sollten – und am Ende trotz rechtlicher Hürden Hoffnung weckte.
Was und warum
Darum geht es: Am Beispiel des Ortes Visquard wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten kleine Orte haben, um trotz baurechtlicher Beschränkungen zu wachsen.
Vor allem interessant für: Bewohner von Dörfern
Deshalb berichten wir: Die SPD hatte uns zu der Dorfversammlung in Visquard eingeladen. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Focko Smit ist stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins und moderierte die Versammlung im Gemeindehaus. Wie er unserer Zeitung auf Nachfrage sagt, kamen rund 40 Besucher sowie Vertreter der Gemeinde vorbei, die zunächst über die Rahmenbedingungen informierten. Im Kern ging es dabei laut Smit um das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP). Es soll dabei helfen, die Folgen des demografischen Wandelns abzumildern und gerade die etwas größeren Orte zu stärken, in denen es die meisten Geschäfte gibt und wo die Infrastruktur besser ist. Im Falle der Krummhörn sind das die Orte Pewsum und Greetsiel, in denen auch neugebaut werden darf, solange der Platz reicht.
Alter Hof weicht für Bauplätze
Die kleineren Orte hingegen haben das Nachsehen und so ist es dort beispielsweise nur erlaubt, vier Bauplätze pro 1000 Einwohner und Jahr neu auszuweisen. „Im Falle von Visquard wäre so alle zehn Jahre ein Baugebiet mit 27 Grundstücken möglich“, gibt Smit ein Beispiel. Es gibt jedoch auch Alternativen, mit denen sich zusätzlicher Wohnraum schaffen lässt. Das Stichwort lautet Innenverdichtung.
So habe zum Ende der Sitzung Alwin de Vries darauf hingewiesen, dass sein seit einigen Jahren ungenutzter Bauernhof im Norden des Ortes abgerissen werden soll. Ein Investor plane dort, elf Bauflächen mit Grundstücksgrößen zwischen jeweils 350 bis 400 Quadratmetern auszuweisen. Das ist laut Smit zwar nicht viel, aber immerhin eine Möglichkeit. Der Ratsherr schlägt daher auch vor, generell an den „Denkmalschutz ranzugehen“ und vielleicht auch weitere alte Gebäude zugunsten von neuen Unterkünften einzureißen.
Pläne am Grünen Weg
Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos), Bauamtsleiterin Ina Droll-Dannemann und ihre Mitarbeiterin Hella Peters hätten bei der Versammlung darüber hinaus noch auf den Grünen Weg verwiesen. Während auf der linken Seite dieser Straße alles bebaut ist, gibt es nämlich rechts noch einen freien Streifen. Er gehöre der Gemeinde, die dort einst von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht habe, erklärt Smit. Eine kurzfristige Lösung für das Bauplatzproblem sei dies jedoch nicht. So habe es geheißen, dass die Mitarbeiter des Bauamts gerade mit anderen Baugebieten und den Feuerwehr-Gebäuden zu ausgelastet seien. Die besagte Fläche wolle man aber zu einem späteren Zeitpunkt näher betrachten. So gebe es dort auch noch keinen Bebauungsplan und ein Entwässerungsgraben sei im Weg, für den man eine Lösung finden müsse.
Ein generelles Problem bei der Ausweisung neuer Bauflächen sei der Mangel an gemeindeeigenen landwirtschaftlichen Flächen. Diese seien nötig, um an zusammenhängende und für die Bebauung günstig gelegene Stücke Land zu kommen. Der Hintergrund: Bauern seien in der Regel nicht dazu bereit, eigene Flächen zu verkaufen und würden diese wenn dann nur tauschen.
Hoffen auf Seniorenzentrum
Eine dritte Möglichkeit, um Platz für junge Familien zu schaffen, wäre in Visquard ein neues Seniorenzentrum. Dadurch fiele es vermutlich älteren Bewohnern einfacher, ihre Häuser zu verkaufen und in diese barrierefreien Immobilien umzuziehen, vermutet Smit. Pläne für ein derartiges Projekt gibt es auch bereits: die Visquarder Senioren-WGs. Mit ihnen ist das jedoch so eine Sache.
Vor drei Jahren hieß es noch, dass am Oreertsweg vier nebeneinanderliegende Häuser mit zehn Erdgeschosswohnungen, Gemeinschaftsraum und mehr entstehen sollen. Außerdem war ein Gebäude für eine Tagespflege samt Grünflächen, Teich oder Anlagen zur Haltung von Kleintieren vorgesehen. Dann gab es jedoch Probleme mit der Finanzierung und die Diakonie sprang als mögliche Betreiberin ab. Dazu kamen die immer weiter steigenden Baukosten, die die Lage für die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde (Bauherrin) nicht einfacher machte. Vor ein paar Wochen ist nach 22-jähriger Tätigkeit dann auch noch Pastorin Heike Schmid in den Ruhestand gegangen und zu Sohn und Schwiegertochter nach Flensburg gezogen. Sie galt im Ort als „Macherin“, die sich für die Dorfentwicklung einsetzte.
Laut Smit liegt das Projekt Seniorenzentrum damit weiter auf Eis. Bernhard Wiards, der neue für Visquard zuständige Kirchenratsvorsitzende, macht aber auf Nachfrage etwas Hoffnung. Der Kirchenrat habe zuletzt noch zweimal in der Sache getagt, berichtet er. Vermutlich werde es darauf hinauslaufen, dann man nicht mehr nur einen neuen Betreiber, sondern auch einen Investoren suche. Bislang wollten nämlich die Kirchengemeinde und die Landeskirche das Projekt alleine stemmen, erklärt Wiards. Das Grundstück stehe schon bereit, man brauche nur noch eine Baugenehmigung.