Osnabrück  Wenn einem die Welt zu viel wird: Sapperlot!

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 20.06.2022 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Dreharbeiten "Mord mit Aussicht" Foto: dpa
Dreharbeiten "Mord mit Aussicht" Foto: dpa
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Alte Wörter: In der Sprachkolumne „Wortklauber“ geht es um Sprachschätze, die in Gefahr sind, verloren zu gehen uns aber noch viel zu sagen haben. Das Wort heute: Sapperlot!

Mann! Mann! Mann! Wenn ihm alles zuviel wird, dann stößt er es hervor, dieses Mann! Mann! Mann! Dorfpolizist Dietmar ist schnell alles zuviel, obwohl die Welt in Hengasch doch eigentlich ganz übersichtlich ist. Schauspieler Bjarne Mädel macht den Ausruf zum Markenzeichen des Polizisten, den er in "Mord mit Aussicht" bis 2014 verkörpert. Erstaunen, gepaart mit Entrüstung: Das sagt dieses Mann! Mann! Mann! Dabei hätte es Dorfsheriff Dietmar kürzer und knackiger haben können. Warum nicht Mannomann, Teufel auch, mein lieber Schwan oder einfach: Sapperlot! So viele Wörter für das blanke Erstaunen - und jedes bringt in dieses Erstaunen eine etwas andere Färbung hinein.

Jedes dieser Wörter besitzt übrigens mehr Flair und Farbe als jener Ausruf, mit dem heute meist signalisiert wird, dass man überrascht ist: Krass! Krass eigentlich, wie wenig dieses Wort sagt und wie ruppig es klingt. Sapperlot: Dieses Wort hingegen klingt wie das, was es meint - das blanke Erstaunen, ja Entsetzen. Dabei geht Sapperlot auf Sackerlot zurück, eine entstellende Übernahme aus dem Französischen. Au sacre nom de dieu, im heiligen Namen Gottes: So lautet die Formel, aus der zuerst Sackerlot und dann sapperlot im 17. Jahrhundert geformt werden. In Sapperlot steckt also eine alte Formel der Beschwörung. Man ruft den Namen des Heiligen an, um den Schrecken zu bannen. Wissenswert, diese Wortherkunft.

Und der Schrecken kann groß sein. Dann zum Beispiel, wenn Räuber Hotzenplotz seine Pfefferpistole abfeuert oder die Kaffeemühle der Großmutter klaut. Wachtmeister Dimpfelmoser, sozusagen Dietmar Schäffers Berufskollege, bleibt dann meist nicht mehr, als ein lautes: Sapperlot! In den Ausdruck der Machtlosigkeit mischt sich immerhin noch ein Gran Protest und Auflehnung gegen so viel Unordnung des Daseins. Mann! Mann! Mann! Das lässt sich nur mit abnehmender Intensität in fallender Resignationskurve sprechen. Sapperlot! Das hingegen klingt forsch. Wenn Dimpfelmoser das sagt, denkt sich sogar ein Hotzenplotz im Stillen: Holla, die Waldfee!

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