Moskau Oscar-Preisträger erfindet Nazi-Vorfahren von Olaf Scholz
Regisseur Nikita Michalkow hat einen Oscar und die Goldene Palme von Cannes gewonnen. Statt neuer Drehbücher denkt er sich mittlerweile jedoch Lügen für Putin aus. Unter anderem auch über die Familie von Olaf Scholz.
Scholz ist ein häufiger Name. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es neben einem Bundeskanzler (Olaf) auch einen Feldhockeyspieler (ebenfalls Olaf), eine Schauspielerin (Hanna) und eben auch einen SS-Generalleutnant (Fritz) mit diesem Namen gibt. Regisseur und Hobby-Historiker Nikita Michalkow, behauptete jüngst im russischen Staatsfernsehen eine Verbindung zwischen Fritz und Kanzler Olaf ausgemacht zu haben.
Der SS-Mann Scholz sei der Großvater von Kanzler Scholz, verkündete Michalkow laut „Stern“ in seiner Fernsehsendung „Bessogon TV“. Da hätte er eine Entdeckung gemacht, denn der SS-Mann Scholz fiel während dem deutschen Rückzug nach der gescheiterten Operation Barbarossa in Estland. Doch Michalkow hat sich die Wahrheit wohl ein wenig zu Recht gebogen. Wie er in seiner Sendung nicht erwähnt, heißt der SS-Mann nämlich nicht Fritz Scholz, sondern Fritz von Scholz. Zudem heißt der Vater von Olaf Scholz Gerhard und war, als die SS 1945 aufgelöst wurde, zehn Jahre alt.
Es wäre nicht die erste Falschbehauptung über die Familiengeschichte von deutschen und europäischen Politikern, die Michalkow versucht, in die Welt zu setzen. Auch Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, hat er einen Nazi-Vater angedichtet. Eugen Schwab sei ein Nazi und Hitler-Vertrauter gewesen, dessen Firma unter besonderer Schirmherrschaft der NSDAP gestanden habe.
Ob Schwabs Vater ein Nazi gewesen ist, lässt sich nicht belegen. Dass er ein Vertrauter von Hitler, oder ein ranghohes Parteimitglied war, lässt sich hingegen widerlegen. Zumindest ein Foto von Eugen Schwab konnte Michalkow nicht auftreiben. Stattdessen zeigte er ein Foto des Wehrmacht-Generalmajors Walter Dybilasz. Dass das Foto gar nicht Eugen Schwab zeigt, behält er für sich.
Auch polnische Politiker sind nicht vor Michalkows lebhafter Fantasie sicher. Auch der polnische Präsident Andrzej Duda hat sein Fett wegbekommen. Der „enge Freund Selenskijs“ (O-Ton Michalkow) sei ein Enkel des ukrainischen Nationalisten und Nazi-Kollaborateurs Michail Duda. Auch hier gilt: Das einzige, was die beiden gemein haben, ist der Nachname.
Menschen als Nazis oder ihre Nachfahren zu diffamieren, ist eine beliebte Propagandatechnik in Russland. Nazi-Deutschland gilt dort seit dem Angriff auf die Sowjetunion als das personifizierte Böse, gegen das jedes Mittel Recht ist. Bei dieser Betrachtung spielt die nationalsozialistische Ideologie eine untergeordnete Rolle. Auch Putin hat die Regierung Selenskij vor seinem Angriff als „eine Bande drogensüchtiger Nazis“ bezeichnet.
Michalkow ist eigentlich als Filmregisseur bekannt. 1995 wurde sein Werk „Die Sonne, die uns täuscht“ sogar mit einem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet. Zuvor hatte er bei den Filmfestspielen in Cannes den großen Jury-Preis gewonnen. Im Film geht es darum, wie das Regime von Josef Stalin durch Lügen im großen Stil das Leben seiner Bürger ruiniert. Wladimir Putin ist scheinbar ein Fan Michalkows. Der russische Präsident hat ihm kurz vor seiner Sendung einen Orden als „Held der Arbeit“ verliehen.