Sylt Wie das 9-Euro-Ticket die Busse auf Sylt an ihre Grenzen bringt
Überfüllte Busse und genervte Fahrgäste: Das 9-Euro-Ticket sorgt auch in den Bussen der Sylter Verkehrsgesellschaft für Fahrgastmassen. Das Unternehmen will nun seinen Fahrplan ausweiten - und braucht dafür Unterstützung.
Es ist 12:30 Uhr am Dienstagmittag. Am Westerländer ZOB hat sich bereits eine Menschentraube gebildet. Ein Bus fährt an die Haltestelle. Abfahrt 12:45 Uhr in Richtung List. Die Sitzplätze füllen sich schnell, kurz vor Fahrtbeginn steigt noch eine Schulklasse hinzu. Wenige Minuten später, am ersten Stopp an der Alten Post, sind nur noch vereinzelte Stehplätze frei und die Fahrgäste stehen bis an die Tür gedrängt.
Ein typisches Bild derzeit auf Sylt – Das 9-Euro-Ticket und die Sommersaison 2022 machen sich nicht nur in den Zügen, sondern auch in den Bussen der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) bemerkbar: Sven Paulsen, Geschäftsführer der SVG, teilt auf Nachfrage von shz.de mit, dass seit Beginn des 9-Euro-Tickets etwa 20 bis 30 Prozent mehr Fahrgäste mit den Bussen fahren.
Dies sorgte bereits für allerlei Ärger: Einige Strecken sind so überfüllt, dass Fahrgäste an den Haltestellen abgewiesen werden müssten. Das Resultat sind verärgerte Urlauber sowie Schüler und Arbeitnehmende, die zu spät zum Unterricht oder Dienst kommen.
Die SVG will und muss nun handeln. Sven Paulsen, Geschäftsführer der SVG teilt gegenüber shz.de mit: „Eine Angebotsverdichtung während der Hauptsaison ist dringend erforderlich. Dazu stehen wir seit längerem mit den Kommunen, dem Kreis Nordfriesland sowie dem Land im Austausch, bisher zeichnet sich jedoch noch keine Lösung für die Zusatzkosten ab.“
Deswegen hat sich die SVG nun auch Landschaftszweckverband (LZV) um finanzielle Unterstützung gebeten, damit zusätzliche Fahrten angeboten werden können. Der LZV wird über das Thema in seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 22. Juni, beraten. Aktuell fahren die Busse bereits Richtung List im Schnitt alle halbe Stunde und gen Süden nach Hörnum durchschnittlich alle 15 bis 20 Minuten über Tag. Im Detail soll das Angebot nun um jeweils eine Fahrt pro Stunde und Richtung ergänzt werden.
Das sorgt für hohe Extrakosten: Nach Angaben der SVG würden dem Unternehmen dadurch 3.100 Euro Mehrkosten entstehen – täglich. Bis Ende August kämen so (mit Zuschlag von sieben Prozent Mehrwertsteuer) 305.164 Euro zusammen, ohne dass das Unternehmen zusätzliche Tickets verkaufen kann wegen des 9-Euro-Tickets. Auch der Bund zahle diese Zusatzkosten nicht, da die Gelder unter Mehrleistungen fallen.
Deswegen ist nun der LZV gefragt. „Die entsprechenden Haushaltsmittel sind vorbehaltlich der aktuellen Haushaltslage im Haushalt bereitzustellen“, heißt es in der Beschlussvorlage des LZV, über die nun am Mittwoch beraten und abgestimmt wird.