Baumschützer schlagen Alarm  In Aurich droht erneut Ärger um eine Baumfällung

| | 22.06.2022 13:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Goldulme im Carolinengang soll gefällt werden. Foto: Ortgies
Die Goldulme im Carolinengang soll gefällt werden. Foto: Ortgies
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Vor einem Jahr erregte eine Baumfällung in Aurich Aufsehen: Eine 140 Jahre alte Blutbuche wurde nach langem Protest beseitigt. In derselben Straße soll es nun einem weiteren Baum an den Kragen gehen.

Aurich - In Aurich droht erneut Ungemach wegen einer geplanten Baumfällung im Carolinengang. Diesmal geht es um eine Goldulme. Der Carolinengang war im vergangenen Jahr Schauplatz eines Baum-Dramas, das Schlagzeilen machte. Eine rund 140 Jahre alte Blutbuche, die vom Brandkrustenpilz befallen war, wurde nach langem Hin und Her am 29. Mai dann doch gefällt. Ein Gutachter war zu dem Schluss gekommen, dass der Baum nicht mehr zu retten sei und umzustürzen drohe. Jahrelang hatte die Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba) für den Erhalt der Blutbuche gekämpft. Der kranke Baum wurde zwischenzeitlich mit Stahlseilen gesichert. Unterm Strich hat das Ganze den Steuerzahler rund 20.000 Euro gekostet.

In derselben Lohne steht eine Goldulme, die nun ebenfalls gefällt werden soll. Der Baum sei aufgrund der schlechten Standortbedingungen stark geschwächt und geschädigt, teilte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß am Montagabend dem Umweltausschuss des Rates mit. Der Bauausschuss berät an diesem Donnerstag über die Neugestaltung des Carolinengangs (Beginn um 17 Uhr im Ratssaal). Die zentrale Verbindungsachse zwischen der Fußgängerzone und dem Carolinenhof gleicht momentan einer Schotterpiste und soll neu gepflastert werden. Ein Gutachter habe die Fällung der Goldulme und eine Ersatzpflanzung vorgeschlagen, heißt es in der Beschlussvorlage.

Biba schlägt Baumpaten vor

Das missfällt der Biba. In Aurich werde viel zu schnell zur Axt oder Kettensäge gegriffen, und das trotz Baumschutzsatzung, sagt Biba-Sprecherin Cornelia Beukenberg. „Uns ist es wichtig, dass versucht wird, die Goldulme zu erhalten.“ Es gebe keinen Grund, den Baum zu fällen. Er sei weder ersichtlich krank, noch fehle es an Standsicherheit. Ohne den Baum werde der Carolinengang sicher nicht schöner, meint Beukenberg. Es fehle dann ein Schattenspender, der zusätzlich auch noch Sauerstoff produziere. Von einer Ersatzpflanzung hält die Sprecherin nicht viel. „Wo soll der denn hingesetzt werden?“, fragt sie sich. Zudem dauere es viel zu lange, bis erneut ein Baum solcher Größe herangewachsen sei, der das Stadtbild prägt. Die Biba schlägt daher vor, einen Baumschutzpaten für die Goldulme einzusetzen. Einen interessierten Kandidaten gebe es schon.

Auch die Grünen haken kritisch nach. „Wir möchten gern wissen, auf welcher Grundlage die nicht mehr gegebene ,Erhaltungswürdigkeit′ festgestellt wurde“, schreibt Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann in einem Antrag an die Stadtverwaltung, „ob der Baum krank und die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist oder er eventuell anderen Plänen im Weg steht. Gegebenenfalls werden wir dazu Akteneinsicht beantragen.“

Die gefällte Blutbuche kommt im Entwurf zur Neugestaltung des Carolinengangs ebenfalls vor. Für sie werde „ein markanter Ersatzbaum gepflanzt, der zukünftig den zentralen Mittelpunkt der Grünfläche bildet“, heißt es in der Vorlage. Um den Baum herum sollen Spielgeräte gruppiert werden. Geplant sei ein familienfreundlicher Platz als Begegnungsstätte.

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