Bildung in der Krummhörn SPD will notfalls 18.000-Euro-Schulanalyse ignorieren
Die Krummhörner SPD hat im Rat versucht, den anderen Parteien eine Entscheidung zu den Grundschulen abzuringen. Dafür gab es Kritik und viele Gegenargumente.
Pewsum - Wie geht es mit den Krummhörner Grundschulen und Kitas weiter? Mögliche Antworten auf diese Frage soll eine vieldiskutierte Bedarfsanalyse geben, um die es am Dienstag auch wieder im Rat der Gemeinde ging. Dort forderte Marion Niebergall (SPD) die anderen Parteien dazu auf, diese mindestens 18.000 Euro teure Untersuchung notfalls zu ignorieren. Und das, obwohl die Politik erst vor kurzer Zeit für diese Investition gestimmt hatte. Die Folge: Kritik und Populismus-Vorwürfe aus den anderen Fraktionen.
Was und warum
Darum geht es: um die Zukunft der Krummhörner Grundschulen
Vor allem interessant für: Leser mit Kindern, die in der Gemeinde zur Schule gehen
Deshalb berichten wir: Über das Thema wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gesprochen. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Niebergall und ihre Fraktionskollegen fordern, dass die vier Grundschul-Standorte in Loquard, Jennelt, Greetsiel und Pewsum auf jeden Fall erhalten bleiben. Egal, wie teuer das wird und wie wenige Schüler dort in den kommenden Jahren unterrichtet werden sollten. Schon vor einem Monat war davon in einem Antrag die Rede, die Ratsmitglied Niklas Baumann im Anschluss an die jüngste Sitzung des Bildungs-, Sport- und Kulturausschusses des Rates verschickt hatte. „Wir haben uns alle in unseren Wahlprogrammen für den Erhalt der vier Grundschulen ausgesprochen“, sagte Niebergall in Richtung der anderen Parteien. Nun wolle sie wissen, wie diese dazu stehen, sagte sie.
Auch Schließungen sollten besprochen werden
CDU-Fraktionsvorsitzender Roelf Odens sprach sich dafür aus, erst einmal das Gutachten abzuwarten. Dem stimmt auch Reiner Willms (SWK-Vorsitzender) bei, der an Kosten für das Gutachten erinnerte. Außerdem habe sich die Politik einstimmig dafür ausgesprochen. „Das heißt, du würdest Grundschulen schließen lassen?“, fragte Niebergall ihn und erinnerte an ein zurückliegendes Gutachten aus dem Jahr 2014. Dieses war – wie auch das geplante jetzige – von der Projektgruppe Bildung und Region (Biregio) aus Bonn erstellt worden, die damals die Schließung der Grundschulen Loquard und Greetsiel empfahl. Zumindest da stimmte die Ratsmehrheit noch dagegen.
Johann Wienbeuker sprach von einem populistischen Antrag und empfahl, so oder so über die Ergebnisse des Gutachtens zu reden. Selbst wenn es um einzelne Schließungen gehen sollte. Das sei aber nur seine persönliche Meinung, machte er deutlich. Odens erinnerte zudem vor dem Hintergrund der zu erwartenden Kosten für die Erhaltung der Grundschulen daran, dass in diesem und im kommenden Haushaltsjahr schon ungewöhnlich hohe Investitionen von etwa zwölf Millionen Euro geplant sind. Auch Grüne und FBL baten darum, das Gutachten abzuwarten.
Hoffnung: Gutachten zeigt neue Lösungen auf
Die SPD hatte zuletzt noch Druck gemacht, in Sachen Schullandschaft zu handeln und Entscheidungen zu treffen, auch um Lehren und Eltern schon einmal „eine der Hauptängste“ zu nehmen. Immerhin gibt es gerade in Jennelt, aber auch an den anderen Standorten seit Jahren Sanierungsbedarf. Willms entgegnete darauf jedoch, dass dann jetzt ein halbes Jahr Wartezeit auf das Gutachten auch keine große Rolle mehr spiele.
Auch die Gemeindeverwaltung warb erst noch vor wenigen Tagen in einem Pressegespräch für die Analyse und betonte, dass dessen Ergebnisse nicht bindend seien. „Uns ist klar, dass sich die Situation unserer Grundschulen in den letzten Jahren verändert hat“, betonte anlässlich des Termins Hilke Looden, die parteilose Bürgermeisterin. Schulen, und damit auch die Träger der Einrichtungen, stünden vor großen Herausforderungen: Digitalisierung, demografischer Wandel, Integration, Inklusion, neue Bildungskonzepte. Deswegen sei es der Verwaltung wichtig, mit dem neuen Gutachten einen aktuellen Stand darzustellen und mögliche Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Vielleicht fänden sich zudem bei der Untersuchung auch Optionen, die bislang noch nicht erörtert wurden, so Looden. Schließlich wurde so jetzt der Antrag der SPD an die anderen Ratsmitglieder, sich mehrheitlich für den Erhalt aller Grundschulstandorte auszusprechen, abgelehnt.
Anfang April 2013 schrieb unsere Zeitung, dass es kaum eine andere Gemeinde im Landkreis Aurich gab, die zu diesem Zeitpunkt so stark vom allgemeinen Bevölkerungsrückgang betroffen war. Als sich dann im Folgejahr die Diskussionen um die Zukunft der Grundschulen in der Krummhörn zuspitzte, wurde vom Rat ein eigener Arbeitskreis ins Leben gerufen, der sich aus Ratsmitgliedern, Schulleitung, Elternvertretung und Verwaltung zusammensetzte.
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