Osnabrück Russland stilisiert sich selbst zum Opfer - unerträglich
Zum Jahrestag des Nazi-Überfalls auf die Sowjetunion unterstellt Moskau Deutschland „russenfeindliche Hysterie“ - das ist natürlich Unfug. Und soll wohl in erster Linie davon ablenken, dass man selbst mit der Einhaltung des Völkerrechts auf Kriegsfuß steht.
Längst ist der Name Wladimir Putin zum Synomym für Russland geworden. Das ist natürlich schade und unangemessen. Ursächlich dafür ist aber nicht eine „russenfeindliche Hysterie“, wie sie der Kreml nun Deutschland anlässlich des Jahrestages des Überfalls der Nationalsozialisten am 22. Juni 1941 auf die Sowjetunion unterstellt hat, sondern einzig und allein die Politik des russischen Präsidenten. Jedem freiheitsliebenden Menschen muss das autoritäre Gebaren Putins zuwider sein - zumal er immer auch mit zweierlei Maß misst.
Beispiel Kaliningrad: Litauen hat den Bahntransit von Waren über sein Territorium in die Ostsee-Exklave verboten, die auf westlichen Sanktionslisten stehen. Moskau brandmarkt das als eine „Verletzung von allem“ und droht mit Vergeltung. Das ist umso pikanter, als dass Litauen Mitglied der Nato ist - und Hardliner in Moskau bereits davon fantasieren, sich einen Landkorridor nach Kaliningrad freizuschießen.
Das es die europäischen Sanktionen gegen Russland, die Litauen mit seinem Vorgehen ohne Wenn und Aber umsetzt, ohne den russischen Überfall auf die Ukraine gar nicht gäbe, interessiert im Kreml freilich niemanden. Dort macht man einmal mehr, was man besonders gut kann: sich selbst zum Opfer stilisieren.
Diese zeternde Wehleidigkeit gepaart mit unverhohlener Aggression ist nur schwer erträglich - und weckt Sorgen, dass ein in die Enge gedrängter Putin irgendwann jegliches militärische Maß verliert. Dass die Nato nunmehr ihre Ostflanke und den Ostseeraum systematisch stärkt - hoffentlich bald auch mit den beiden Neumitgliedern Schweden und Finnland - ,ist da nur folgerichtig.