Krieg in Europa Russland stilisiert sich selbst zum Opfer
Moskau unterstellt Deutschland „russenfeindliche Hysterie“ – das ist Unfug. Und soll wohl in erster Linie davon ablenken, dass man selbst mit der Einhaltung des Völkerrechts auf Kriegsfuß steht.
Längst ist der Name Wladimir Putin zum Synonym für Russland geworden. Ursächlich dafür ist aber nicht eine „russenfeindliche Hysterie“, wie sie der Kreml nun Deutschland unterstellt hat, sondern einzig und allein die Politik des russischen Präsidenten. Jedem freiheitsliebenden Menschen muss das autoritäre Gebaren Putins zuwider sein – zumal er immer auch mit zweierlei Maß misst.
Beispiel Kaliningrad: Litauen hat den Bahntransit von Waren, die auf westlichen Sanktionslisten stehen, über sein Territorium in die Ostsee-Exklave verboten. Moskau brandmarkt das als eine „Verletzung von allem“ und droht mit Vergeltung. Das ist umso pikanter, als dass Litauen Mitglied der Nato ist – und Hardliner in Moskau bereits davon fantasieren, sich einen Landkorridor nach Kaliningrad freizuschießen.
Dass es die europäischen Sanktionen gegen Russland ohne den Überfall auf die Ukraine gar nicht gäbe, interessiert im Kreml freilich niemanden. Dort macht man einmal mehr, was man besonders gut kann: sich selbst zum Opfer stilisieren. Diese zeternde Wehleidigkeit gepaart mit unverhohlener Aggression ist nur schwer erträglich – und weckt Sorgen, dass ein in die Enge gedrängter Putin irgendwann jegliches militärische Maß verliert. Dass die Nato nunmehr ihre Ostflanke und den Ostseeraum systematisch stärkt, ist da nur folgerichtig.