Urlauber in der Krummhörn Ferienwohnungen machen Straßen immer enger
Anwohner und sogar die Feuerwehr kritisieren die steigende Zahl an Ferienwohnungen in der Krummhörn. Eine Familie wehrt sich nun dagegen.
Greetsiel - Die Boomstroat zählt zu den engsten Straßen in Greetsiel und es wird immer enger. Schuld daran soll die zunehmende Zahl an Ferienunterkünften sein, berichten Anwohner und sogar die Feuerwehr. Laut Gemeindebrandmeister Jan-Jürgen Lüpkes ist die Straße nämlich nicht für die Mehrparteienhäuser ausgelegt und es fehlt dort an Parkplätzen. Weil die Urlauber einer Ferienunterkunft öfter auch mal mit mehreren Autos anreisen, führt das dazu, dass immer wieder Fahrzeuge auf der Straße parken und diese blockieren, so Lüpkes.
Was und warum
Darum geht es: um die Probleme, die die zunehmende Zahl an Ferienwohnungen gerade in Greetsiel verursacht und um eine Familie, die sich vor ihrer eigenen Haustür gegen ein Mehrparteienhaus zur Wehr setzt.
Vor allem interessant für: Bewohner von Feriengebieten
Deshalb berichten wir: Familie Looden hatte bei unserer Redaktion Hilfe gesucht. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
„In der Boomstroat würde es bei einem Brand schwierig werden. Da muss man vorher genau planen, welche unserer Fahrzeuge überhaupt in die Straße passen.“ Probleme wie diese gebe es auch in anderen Krummhörner Orten, wo es relativ viele Ferienhäuser gebe. Neben Greetsiel gerade auch im Ortskern von Pilsum. „Irgendwer genehmigt die Bauten und wir müssen dann schauen, wie wir die Kuh vom Eis kriegen“, schimpft er. Es werde immer schwieriger und enger, wodurch man im Notfall kostbare Minuten verliere.
Das Prinzip Wegebaulast
Im März hatte sich bereits Boomstroat-Bewohner Hans Ruhr bei unserer Zeitung gemeldet, der sich über die Situation vor seiner Haustür beschwerte. Davon unabhängig wandten sich nun von dort auch noch Elke und Ubbo Looden an uns, die versuchen, sich gegen die Behörden und gegen den Investor auf ihrem Nachbargrundstück zu wehren. Es handelt sich nur um einen von vermutlich vielen ähnlichen Fällen dieser Art.
Die Familie wohnt seit etwa 30 Jahren an einem Ende der Boomstroat. Direkt davor befindet sich ein weiteres Baugrundstück, auf dem einst die Cousine von Ubbo Looden wohnte. Weil die Zuwegung dorthin ebenfalls den Loodens gehört, wurde damals von Ubbo Loodens Mutter eine Wegebaulast für deren Nichte eingetragen, um eine Baugenehmigung zu bekommen. Im März wurde der Bungalow jedoch abgerissen, die zuletzt dort lebende Familie zog weg und nun soll ein Vier-Parteien-Haus entstehen. Sehr wahrscheinlich für Ferienwohnungen.
Familie befürchtet Probleme
Den Loodens passt das aus mehreren Gründen gar nicht: Sie befürchten, durch die erwartete höhere Zahl an Autos zugeparkt zu werden. Schon schaffe es die Müllabfuhr teilweise nicht mehr, zu den Mülltonnen der Familie durchzukommen, die etwas abseits des Grundstücks in einer Ausbuchtung stehen. Außerdem halten die Loodens draußen Tiere, die die Urlauber immer wieder auf ihr Grundstück ziehen könnten – oder die auf der anderen Seite auch für Beschwerden der Urlauber sorgen könnten, so die Befürchtung.
Die beiden jeweils 56 Jahre alten Boomstroat-Bewohner versuchen deshalb, sich gegen das Bauvorhaben zu wenden und die Baulast löschen zu lassen. Das habe ihnen der Landkreis Aurich aber bislang verwehrt mit dem Hinweis darauf, dass die Baulast auch im Falle der Rechtsnachfolger von Ubbo Loodens Cousine gilt. Die Loodens wiederum pochen darauf, dass es eine Nutzungsänderung ist. Immerhin handelt es sich bald vermutlich nicht mehr um Dauerwohnraum und auch das Verkehrsaufkommen wird höher werden. Während die Vorarbeiten nebenan weiter vorangehen und auch schon gerammt wurde, fühlen sich der gelernte Fischer und seine Frau immer mehr im Stich gelassen.
Anwalt sieht Familie im Recht
Nun könnte es für die beiden aber neue Hoffnung geben, wie eine Anfrage bei dem in Norden ansässigen Anwalt und Notar Folkert Poppinga zeigt. Die Familie hätte ihm zufolge auf dem rechtlichen Weg „durchaus Chancen“. Auch er sieht nämlich den Fall auf Nachfrage unserer Zeitung als Nutzungsänderung und einen Grund dafür an, die Baulast löschen zu lassen. Zum Vorteil für Familie Looden könnte zudem die Tatsache sein, dass der bisherige Bungalow abgerissen wurde, was die ganze Sache rechtlich einfacher mache.
Das Baurecht schreibe nämlich vor, dass es zu „keinen widrigen Zuständen“ kommen dürfe. Wenn also beispielsweise in zweiter Reihe gebaut wird, muss der Eigentümer des vorderen Grundstücks zwingend und dauerhaft einer Baulast zustimmen, damit der Eigentümer des hinteren Bereichs zu seinem eigenen Grundstück kommt. Durch den Abriss jetzt kann aber alles neu festgelegt werden. Ähnlich sehe das bei Abstandsbaulasten aus. Diese ermöglichen es beispielsweise Eigentümer A, besonders nahe an der Grundstücksgrenze zu bauen. Eigentümer B auf dem Nachbargrundstück muss sich dafür verpflichten, ein umso größeres Stück vor seiner eigenen Grundstücksgrenze frei zu lassen, erklärt Poppinga.
Landkreis verweist auf Datenschutz
Die Loodens sagen, dass sie eigentlich auf einen langen Rechtsstreit verzichten wollen, aber die Zeit immer mehr dränge. Man habe nun noch einmal Widerspruch gegen das Bauvorhaben und die Baulast eingelegt, aber bislang sei alles vom Landkreis Aurich abgeschmettert worden. Dessen Sprecher Rainer Müller-Gummels teilt unserer Redaktion am Freitag auf Nachfrage mit, dass er aus datenschutzrechtlichen Gründen nichts zu einem „noch im Verfahren befindlichen Einzelfall“ sagen könne. „Generell ist es so, dass die untere Bauaufsichtsbehörde auf Antrag des Eigentümers eines begünstigten oder des belasteten Grundstücks die Baulast zu löschen hat, sofern ein öffentliches oder privates Interesse an der Baulast nicht mehr besteht. Dieses ist im Einzelfall zu prüfen.“
Der Ausbau von Ferienunterkünften in Greetsiel war zuletzt vor allem im Bereich Edzard-Cirksena-Straße/Klaus-Störtebeker-Weg Thema gewesen. Kürzlich stimmte schließlich die Politik dafür, den dortigen Bebauungsplan zulasten der Investoren zu ändern und bis dahin eine Veränderungssperre zu verhängen. Für die Boomstroat gibt es hingegen keinen Bebauungsplan, wie kürzlich das Krummhörner Bauamt auf Nachfrage bestätigt hatte.