Suche nach Granaten  Für Friesenbrücken-Neubau: Bilder aus dem Krieg ausgewertet

Carsten Ammermann
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Von Carsten Ammermann
| 26.06.2022 19:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Bild vom 13. Februar 1946 zeigt kanadische Soldaten, die mit Spezialfahrzeugen bei der zerstörten Friesenbrücke über die Ems setzen wollen. Foto: GA-Archiv
Das Bild vom 13. Februar 1946 zeigt kanadische Soldaten, die mit Spezialfahrzeugen bei der zerstörten Friesenbrücke über die Ems setzen wollen. Foto: GA-Archiv
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Die Deutsche Bahn plant vor dem Neubau der Friesenbrücke keine Suche nach Granaten oder Bomben. Es gebe keine konkreten Anhaltspunkte für einen Kampfmittelverdacht, heißt es.

Hilkenborg/Weener - Der Abbruch der zerstörten Eisenbahnbrücke über die Ems zwischen Hilkenborg und Weener ist abgeschlossen, die offizielle Abnahme der Arbeiten ist laut eines Sprechers der Deutschen Bahn am 14. Juni erfolgt.

Die Vorbereitungen für den Neubau der modernen Hub- und Drehbrücke laufen auf Hochtouren. An beiden Seiten der Ems sind für den Neubau der geplanten Eisenbahn-Drehbrücke Baustellen eingerichtet worden – weitere Großbaustellen werden folgen. Gebaut werden muss auch im Flussbett der Ems. Die Flachgründung für den einen Drehpfeiler, auf dem das 145 Meter lange, bewegliche Brückenteil liegen wird, wird so groß wie ein Schwimmbad sein, hatte ein Bahnsprecher während einer Infoveranstaltung für die Bürger Ende April die Dimension des Betonsockels aufgezeigt. Der wird etwa 30 Meter lang, 20 Meter breit und drei Meter dick sein. Darauf werden extreme Kräfte wirken. Allein das Drehteil mit den Überbauten werde nach Auskunft der Experten rund 1800 Tonnen wiegen.

Friesenbrücke wurde im Krieg gesprengt

Für die geplanten Arbeiten muss viel gebaggert werden. Und hier könnte es gefährlich werden, denn die Eisenbahnbrücke ist während des Zweiten Weltkrieges auch Ziel von Angriffen gewesen. Gegen Ende des Krieges wurde die alte Friesenbrücke sogar gesprengt.

Nach Auskunft des Ihrhover Heimatforschers Hermann Adams haben Wehrmachtssoldaten die Brücke gesprengt. „Ich habe mit Zeitzeugen gesprochen. Die haben bestätigt, dass Züge, die auf der Bahnlinie und somit auch auf der Brücke unterwegs waren, von Flugzeugen beschossen worden sind“, sagte Adams.

Die Bahn hat wegen der Angriffe bereits im Vorfeld des Neubaus Anträge zur Kriegsluftbildauswertung zur Auffindung möglicher Kampfmittel bei dem in Niedersachsen zuständigen Dienst beim Landesamt für Geoinformationen gestellt. „Zusätzlich wurde ein Gutachten unter Berücksichtigung weiterer Daten und Luftbilder erstellt, welches auch die aktiven Sprengungen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges berücksichtigt. Es ergeben sich daraus keine konkreten Anhaltspunkte für einen Kampfmittelverdacht aufgrund der Brückensprengung. Bei den Rückbauarbeiten der Brückenpfeiler gab es zusätzlich keine Vorkommnisse. Es erfolgt daher auch keine spezielle Untersuchung des Bereiches nach Granaten oder Bomben“, teilte ein Bahnsprecher auf Anfrage mit.

In den vergangenen Monaten sind die Überbauten, die bislang auf den Brückenpfeilern montiert waren, per Schwimmlastkran nach Papenburg transportiert worden. Auch die Brückenpfeiler sind mittlerweile entfernt worden. Foto: Ammermann/Archiv
In den vergangenen Monaten sind die Überbauten, die bislang auf den Brückenpfeilern montiert waren, per Schwimmlastkran nach Papenburg transportiert worden. Auch die Brückenpfeiler sind mittlerweile entfernt worden. Foto: Ammermann/Archiv

Fertigstellung weiter für Ende 2024 geplant

Sobald der Auftrag für den Neubau der Friesenbrücke vergeben worden ist, könnte theoretisch auch mit den notwendigen Erdarbeiten begonnen werden. Allerdings ist zurzeit noch offen, wann der Auftrag vergeben wird. Denn die Deutsche Bahn hat das Verfahren zur Auftragsvergabe für den Neubau erneut verlängert. „Wir rechnen mit einer Entscheidung bis voraussichtlich Ende Juli. Ziel ist unverändert die planmäßige Inbetriebnahme der Friesenbrücke zum Fahrplanwechsel 2024/25, also Ende 2024“, sagte ein Bahnsprecher.

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