Sommer in Ostfriesland  Kind und Tier bei Hitze im Auto: Darum immer die Polizei rufen

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 26.06.2022 12:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hunde sollten im Sommer nicht im Auto gelassen werden. Symbolfoto: Pixabay
Hunde sollten im Sommer nicht im Auto gelassen werden. Symbolfoto: Pixabay
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Wer ein Kind oder Tier im heißen Auto sieht, sollte helfen. Dabei gibt es aber einiges zu beachten, besonders bei Elektroautos.

Leer - Am vergangenen Donnerstag war in Ostfriesland herrliches Wetter. Sonnenschein und Temperaturen von nahezu 30 Grad. Da kann die Lust auf ein Eis schnell übermächtig werden. Autofahrer, die bei der schnellen Einkaufstour allerdings Kind oder Tier im Auto lassen, setzen sie einer großen Gefahr aus.

Was und warum

Darum geht es: Autos können bei hoher Temperatur zur Hitzefalle für Kind und Tier werden

Vor allem interessant für: Eltern und Tierbesitzer sowie Passanten

Deshalb berichten wir: Die ersten Tage mit sehr hohen Temperaturen hatten wir schon und es werden noch mehr kommen

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Schon nach fünf Minuten erhöht sich die Temperatur im Auto um vier Grad. Nach zehn Minuten sind es 37 Grad im Auto. Nach einer halben Stunde 46 Grad und ab da kann es gefährlich werden.

Hitze entweicht nicht

Für Personen in geparkten Fahrzeugen kann das schnell zu lebensgefährlichen Situationen führen, so die Feuerwehr. Das Auflassen eines Fensters sei in vielen Fällen trügerisch. Selbst leicht geöffnete Fenster machen keinen Unterschied, so der ADAC. Bei einer Untersuchung baugleicher Fahrzeuge mit unterschiedlichen Fensteröffnungen bei 28 Grad Celsius Außentemperatur ergab sich nahezu dasselbe Bild: Binnen kürzester Zeit erreichte die Temperatur im Wageninneren bedrohliche Werte. Blieben die Fenster geschlossen, wurden nach zehn Minuten 38 Grad und nach 20 Minuten sogar 45 Grad gemessen. Waren zwei Fenster leicht geöffnet, erreichten die Werte auch immerhin noch 36 beziehungsweise 42 Grad Celsius (nach zehn beziehungsweise 20 Minuten).

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Für Kinder und Tiere wird es gefährlich. Ein Hitzschlag mit Sauerstoffmangel, Übelkeit und Bewusstlosigkeit kann die Folge sein. Gerade Hunde können sogar sterben. „Bei uns passiert das zum Glück relativ selten. Ich kann mich an einen Fall im vergangenen Jahr mit einem Hund erinnern. Da ging aber alles gut“, sagt Svenia Temmen, Polizeihauptkommissarin bei der Polizeiinspektion Leer/Emden.

Rat der Polizei

Sollten Passanten sehen, dass ein Kind oder ein Tier in einem überhitzten Auto ist und schon Anzeichen von Hitzschlag zeigt, sollte gehandelt werden. „Am besten ruft man uns dann an. Wir kommen und schicken gleich einen Rettungswagen mit. So sichert man sich selbst auch ab“, sagt Temmen. Im Ernstfall würden dann die Beamten eine Scheibe einschlagen.

Doch was ist, wenn ein Kind schon bewusstlos ist? Dann ist es auch für Passanten okay, eine Scheibe einzuschlagen. „Es wird dann von unserer Seite ermittelt, ob eine Sachbeschädigung vorliegt. Man hat dann aber einen Nothilfegrund. Das wird nicht verfolgt“, so die Polizistin. „Sollte ein PKW bei den gegenwertig herrschenden Temperaturen entdeckt werden, in dem sich Kinder, Tiere oder hilfebedürftige Menschen befinden, sollte gehandelt werden. Der Notruf 112 steht für diesen Fall zur Verfügung“, sagt auch der Feuerwehrverband Ostfriesland.

Sonderfall Elektroauto

Vorsichtig sollten Menschen vorgehen, wenn sie ein Kind mit möglicher Überhitzung in einem Elektroauto sehen. „Es gibt E-Autos, da läuft dann die Klimaanlage. Das hört man allerdings und kann es auch spüren“, betont Temmen. Hier sei dann keine Gefahr. Auch hier rät sie aber: „Die Polizei rufen. Dann ist man auf der sicheren Seite.“

Eltern, die ihr Kind bei zu hohen Temperaturen im Auto lassen, begehen juristisch gesehen eine Straftat durch Körperverletzung und Kindesmisshandlung. Der Missbrauch von Schutzbefohlenen (Körperverletzung) sowie die Misshandlung von Schutzbefohlenen (Kindesmisshandlung) wird nach Paragraf 225 Strafgesetzbuch (StGB) mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Unter bestimmten Umständen wird nur eine Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro angesetzt. „Das ist natürlich einzelfallabhängig je nach Schwere des Falles. Die einfache Körperverletzung besteht nach 223 StGB. 225 StGB umfasst das Quälen oder rohe Misshandlung, sowie die böswillige Vernachlässigung, das wäre dann schon der Härtefall“, sagt Temmen.

So hilft man Kind und Tier

Sollte der Fall eintreten und man sieht sich gezwungen, ein Kind oder Tier aus einem Auto zu befreien, muss danach weiter Hilfe geleistet werden. Das Deutsche Rote Kreuz rät Ersthelfern dazu Menschen, die unter einem Hitzschlag leiden, umgehend in den Schatten bringen und den Oberkörper hochzulegen. Sollte kein Schatten zu finden sein, kann auch eine Rettungsdecke als Schutz vor der Sonneneinstrahlung genutzt werden. Auch etwas zu trinken sollte den Betroffenen angeboten werden, wenn sie bei Bewusstsein sind. Gleichzeitig sollte der Körper mit Wasser und kühlen Tüchern heruntergekühlt werden, insbesondere im Bereich von Kopf und Nacken. Aber eins gilt: Kein Eis direkt auf den Körper geben.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen hat Tipps für Hilfe bei einem überhitzten Tier zusammengestellt: Auch das Tier sollte in den Schatten gebracht und mit Wasser gekühlt werden. Dabei gilt: erst die Pfoten, dann die Beine, Unterbauch, Lenden und als letztes den Nacken. Dabei sollte kein eiskaltes Wasser genutzt werden. Die Abkühlung müsse dabei langsam erfolgen, um den Kreislauf stabil zu halten. Wichtig: Wer dem Hund ein nasses Handtuch auflegt, muss darauf achten, dass kein Hitzestau entsteht. Auch Wasser sollte angeboten, aber nie eingeflößt werden. Ist der Hund ohne Bewusstsein, sollte er in die Seitenlage gebracht und der Kopf nach vorn und oben überstreckt und die Zunge herausgezogen werden.

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