Elmau  Warum der G7-Gipfel der wichtigste seit Jahrzehnten ist

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 26.06.2022 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Familienfoto während des G7-Gipfels auf Schloss Elmau. Foto: dpa/Michael Kappler
Familienfoto während des G7-Gipfels auf Schloss Elmau. Foto: dpa/Michael Kappler
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Die Gipfel der führenden Industriestaaten sind mit den Jahren zu immer pompöseren Showveranstaltungen geworden. In der „Zeitenwende“ darf das nicht so bleiben. Olaf Scholz‘ G7 in Elmau muss liefern. Sonst droht der Zerfall der Welt, wie wir sie kennen.

Bei dem dreitägigen Treffen am Fuß der Alpen muss es um Antworten gehen auf den Angriff von Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Modell einer regelbasierten Zusammenarbeit von Demokratien.

Das gilt zunächst für Europa: Wird jetzt jedes Land für sich nach Ersatz für russisches Gas und Öl jagen, wird der bröckelnde Zusammenhalt in der EU weiter schwinden. Die Versuchung - wie die Not - sind gerade in Deutschland groß. In Elmau sollte der Energie-Nationalismus daher eingehegt und der gemeinsame Weg zu erneuerbaren Energien ausgebaut werden!

Das gilt natürlich auch für die Ukraine. Aus dem bizarren Wettbewerb um den Titel des größten Waffenlieferanten und Wohltäters für das attackierte Land muss eine auf Dauer angelegte militärische und wirtschaftliche Unterstützung werden, in der jeder aus der Anti-Putin-Allianz seinen Beitrag leistet. Olaf Scholz hat schon von einem neuen Marshall-Plan gesprochen. Je eher der kommt, je breiter die Beteiligung, je klarer das Signal, man werde die Ukraine nicht vor die Hunde gehen lassen.

Das gilt aber über die G7 und die Ukraine hinaus. Allein kann der Westen die Attacke aus Moskau kaum abwehren, dazu ist er schon zu schwach geworden. Es scheint ohnehin, als sei die Globalisierung mit ihrem „höher, schneller, weiter“ an ihre Grenzen gestoßen. Die Zeit der Hochnäsigkeit und Ausbeutung gehen zu Ende. 

Der Zerfall der Ordnung ist nur zu verhindern, wenn es gelingt, die führenden Demokratien der Welt zu bewegen, ihr Heil nicht im Paktieren mit Putin zu suchen. Konkret kann das nur klappen, wenn die heraufziehenden Hungerkrisen fern von Europa abgewendet werden. Die G7 müssen sich, auch im Kampf gegen den Klimawandel, ehrlich gegenüber dem globalen Süden machen. Olaf Scholz tat gut daran, einige der Länder ins Schlosshotel zu laden, auf die es jetzt wirklich ankommt.

Ein Gipfel allein kann keine Krisen lösen. Aber Elmau kann die Richtung weisen: Geht es gemeinsam weiter, mit neuen Allianzen? Oder geht es rückwärts, hin zu „jeder gegen jeden“? Schon lange war kein G7-Gipfel so wichtig wie dieser. 

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