Mehr als ein Ärgernis Gesperrter Stadtring bremst in Leer Rettungswagen aus
Zeitverzögerung und Staus wegen des gesperrten Stadtrings nerven viele Autofahrer. Aber was bedeutet die Situation für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst?
Leer - Der Leeraner Stadtring wurde einst unter anderem deshalb gebaut, um Fahrten von der einen Seite der Stadt zur anderen unkomplizierter und schneller zu machen. Damit ist seit einiger Zeit Schluss. Der Stadtring ist gesperrt und bleibt es voraussichtlich noch mindestens drei gute Monate.
Was und warum
Darum geht es: Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst arrangieren sich mit dem gesperrten Stadtring. Die größten Probleme haben die Rettungswagen.
Vor allem interessant für: alle, die sich über den gesperrten Stadtring ärgern
Deshalb berichten wir: Wir haben uns gefragt, wie Einsatzfahrzeuge mit der Sperrung des Stadtrings zurechtkommen. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Was für viele Autofahrer und Lieferanten ein – zugegebenermaßen großes – Ärgernis ist, kann bei bestimmten Verkehrsteilnehmer große Folgen haben. Was bedeutet die Sperrung des Stadtrings für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst im Ernstfall?
Polizei findet Alternativrouten
„Bisher gab es noch keine größeren Verzögerungen bei Einsatzfahrten“, sagt Svenia Temmen, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden. „Wir kennen unsere Stadt und damit auch die möglichen Ausweichstrecken ziemlich genau.“ Das führe dazu, dass jetzt häufiger Streifenwagen in Straßen auftauchten, wo sie sonst eher selten unterwegs gewesen seien: „Aber das muss ja kein Nachteil sein“, sagt die Polizeisprecherin.
Eine Route komme für die Polizei jedenfalls nicht in Frage, sagt Temmen mit einem Schmunzeln: „Über den Bahnübergang Bremer Straße fahren wir sicher nicht. Da sind uns die Wartezeiten zu unberechenbar.“
Feuerwehr fühlt sich kaum betroffen
Vergleichsweise locker nimmt auch die Feuerwehr die Situation. Der Stadtring spiele bei den Einsatzfahrten keine besonders große Rolle, sagt Stadtbrandmeister Jan Doosje. Die Strecke sei eher wichtig, wenn es darum gehen, anderen Wehren zur Hilfe zu eilen, oder wenn beispielsweise Spezialgeräte, die nur eine Ortswehr hat, innerhalb der Stadt mitalarmiert würden. Das sei beispielsweise bei der Cold Cut Cobra der Wehr aus Loga der Fall. Dieses Löschsystem kann durch einen besonders hohen Wasserdruck und zugesetzte Materialien die meisten Baumaterialien durchdringen.
„Wir können über den Logaer Weg ausweichen“, sagt Dominik Janßen, der Logaer Ortsbrandmeister. Selbst wenn die Schranken geschlossen seien, gehe kaum Zeit verloren: „Wir stellen uns an der Schranke vorne an und haben dann freie Bahn.“
Ein Rettungswagen auf die Nesse verlegt
Am stärksten betroffen sind die Rettungswagen. „Entscheidend ist zunächst die sogenannte Hilfsfrist – also die Zeit, in der ein erstes Rettungsmittel – Notarzt oder Rettungsdienst – am Einsatzort eintreffen muss. Diese beträgt 15 Minuten und muss in 95 Prozent aller Fälle eingehalten werden“, erklärt Philipp Koenen Pressesprecher des Landkreiseses. Um die trotz Stadtringsperrung im gesamten Kreisgebiet einhalten zu können, habe man vorgebeugt und einen Rettungswagen der Wache in Leer auf der Nesse bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale stationiert. Von dort aus könne die Gemeinde Westoverledingen bis hinunter nach Ihrhove/Großwolde versorgt werden.
Schäden an den Stadtringbrücken – Sperrung bis zum Gallimarkt
Bahnübergang Logaer Weg und Berliner Ring werden gesperrt
Zu Verzögerungen könne es allerdings beim Transport ins Krankenhaus kommen, so Koenen. „Dann müssen die Rettungsfahrzeuge wegen der Sperrung des Stadtrings in der Tat andere Routen nehmen, zum Beispiel über den Südring, die Seeschleuse oder am Leeraner Bahnhof vorbei.“ An Ampelkreuzungen hätten Rettungsfahrzeuge aber Sonderrechte. Staus könnten immer hinderlich sein, ebenso, wenn Rettungswagen einen Bahnübergang überqueren müsse und die Schranken unten seien. „In der Regel kommt es aber laut DRK-Rettungsdienst beim Rückweg kaum zu Verzögerungen.“ Konkrete Zahlen gebe es dazu aber derzeit nicht.
Der Stadtring zwischen Spierkreuzung und Augustenstraße ist seit Mitte April gesperrt. Ursprünglich sollte nur die Fahrbahn saniert werden. Bei den Arbeiten hat man aber festgestellt, dass die Substanz der Brücken über die Fabriciusstraße und die Bahngleise so stark angegriffen ist, dass sie grundlegend saniert werden müssen. Das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Aurich plant, bis zum Beginn des Gallimarkts am 12. Oktober den Stadtring wieder freizugeben. Sollte das nicht gelingen, kommen spätestens dann noch einmal spannende Verkehrszeiten auf Leer zu.