Aurich sucht nach Sparmöglichkeiten 40 Euro Zuschuss für jeden Besucher des Museums
Wie viel Geld gibt die Stadt Aurich für kulturelle Einrichtungen aus? Die Auricher Wählergemeinschaft wollte es ganz genau wissen. Die Ergebnisse sind teilweise verblüffend.
Aurich - Kulturförderung ist der Stadt Aurich lieb und teuer, aber wie teuer genau? Das wollte die Auricher Wählergemeinschaft (AWG) wissen. Auf deren Antrag hat die Stadtverwaltung nun die Defizite von sechs städtischen Einrichtungen veröffentlicht. Da kommt schon ein stattliches Sümmchen zusammen.
Beispiel Historisches Museum: Dort stehen durchschnittlichen Einnahmen von gut 17.000 Euro pro Jahr Ausgaben von 310.000 Euro gegenüber. Macht ein jährliches Defizit von 293.000 Euro. In ähnlichen Größenordnungen bewegen sich die Defizite des Mach-mit-Museums (287.000 Euro) und der Stadtbibliothek (351.000 Euro).
Zentrum schneidet extrem schlecht ab
Vergleichsweise gering fällt der jährliche Verlust der Kunstschule aus (90.100 Euro). Hoch defizitär ist dagegen das Zentrum Natur und Technik, das Bestandteil des Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrums (EEZ) in Sandhorst ist. Es muss Jahr für Jahr mit 376.000 Euro bezuschusst werden. Auf der Liste steht auch das mittlerweile aufgelöste Zentrum nachhaltige Ernährung. Dafür fielen zwischen 2016 und 2019 im Durchschnitt knapp 50.000 Euro Verlust pro Jahr an.
Die Stadt hat eine weitere interessante Berechnung angestellt: Sie hat die Verluste zur jeweiligen Besucherzahl ins Verhältnis gesetzt (siehe Grafik). Dabei schneidet das Zentrum Natur und Technik extrem schlecht ab: Es hat nur knapp 4300 Besucher pro Jahr. Jeder einzelne Besucher wird somit rechnerisch mit 88 Euro bezuschusst. Interessant ist auch der Vergleich zwischen Bibliothek und Historischem Museum: Absolut gesehen ist der Verlust der Bibliothek deutlich höher. Sie hat aber rund sechsmal so viele Nutzer (42.400) wie das Museum Besucher (7200). Daher ist der Verlust pro Besucher deutlich niedriger. Jeder Museumsbesuch wird rechnerisch mit 40 Euro bezuschusst, ein Bibliotheksbesuch nur mit acht Euro.
„Unterstellt, dass wir Banausen sind“
Über die Defizite wird an diesem Donnerstag in der Sitzung des Finanzausschusses gesprochen (Beginn um 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses). Als die AWG im April den Antrag auf Veröffentlichung der Verluste stellte, gab es Protest. Man wolle niemanden an den Pranger stellen, hieß es von anderen Ratsmitgliedern. Doch AWG-Chef Richard Rokicki weist das zurück. Anlass des Antrags sei seinerzeit die Diskussion über den Neubau für die Kunstschule und das Mach-mit-Museum gewesen. „Man hat uns unterstellt, dass wir Kunstbanausen sind.“ Daher sei es ihm ein Anliegen gewesen, einmal der Öffentlichkeit zu zeigen, wie viel Geld die Stadt für kulturelle Einrichtungen ausgibt.
Der Rat hatte im April in einer Sondersitzung mit knapper Mehrheit und gegen den ausdrücklichen Rat von Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) für den Umzug der Kunstschule und des Mach-mit-Museums in ein denkmalgeschütztes städtisches Gebäude an der Osterstraße gestimmt. Wegen einer drohenden Kostenexplosion hatte Feddermann davon abgeraten. AWG, GFA, CDU und FDP hatten ebenfalls dafür gestimmt, das Projekt zu stoppen. Daraus könne man aber nicht schließen, dass sie etwas gegen Kultur hätten, betont Rokicki.
Gleichwohl plädiert der AWG-Chef nun dafür, alle Ausgaben für die kulturellen Einrichtungen auf den Prüfstand zu stellen. „Das sind alles freiwillige Leistungen.“ Es müsse erlaubt sein, beispielsweise im Historischen Museum nach Einsparmöglichkeiten zu suchen. „Das sind erkleckliche Kosten für den Steuerzahler.“
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