Arbeiten in der Fußgängerzone  Kaufleute geschockt wegen Pflasterarbeiten im Hochsommer

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 28.06.2022 12:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Diese Waschbetonoptik wird in der Auricher Fußgängerzone bald Geschichte sein. Foto: Ortgies
Diese Waschbetonoptik wird in der Auricher Fußgängerzone bald Geschichte sein. Foto: Ortgies
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Ursprünglich hatte die Stadt Aurich die Arbeiten zur Sanierung der Fußgängerzone für die Sommermonate ausgesetzt. Das war der Wunsch der Kaufleute. Jetzt wird die Stadt wortbrüchig.

Aurich - Der Hochsommer ist Touristenzeit. Gäste lieben es, in der Burgstraße zu flanieren, sich von den Auslagen der Geschäfte inspirieren zu lassen. In diesem Sommer werden sie dabei einen kleinen Hindernislauf um die ein oder andere Baustelle in Kauf nehmen müssen: Entgegen der ursprünglichen Absprache wird die Stadt die 2019 begonnene Sanierung der Fußgängerzone in den Sommermonaten fortsetzen. Laut Stadtsprecher Johann Stromann sind die Leistungen dafür bereits vergeben worden, und zwar an das Unternehmen Strabag: „Es wird am 18. Juli damit beginnen, die Baustelle einzurichten. Start ist an der Ecke von Juwelier Gerlach am Marktplatz.“

Von dort bewege sich der Arbeitstross in Richtung Große Mühlenwallstraße. Diese Strecke sei der erste Bauabschnitt. Der offizielle Spatenstich dafür sei für Freitag, 22. Juli, geplant. Die Firma Strabag soll die Oberfläche der Oster- und Burgstraße neu gestalten. Dazu zählt nicht nur das Verlegen eines Betonsteinpflasters mit Natursteinen, sondern auch das Aufstellen von Bänken, Fahrradständern und Mülleimern.

Anwohner werden informiert

Wenn der erste Bauabschnitt abgeschlossen ist, kommt das Teilstück von Juwelier Gerlach bis zur Kirchstraße an die Reihe. Der dritte Bauabschnitt führt von dort bis zum Ende der Fußgängerzone. Auf die Frage, wie lange die Stadt für die jeweiligen Phasen veranschlage, sagte Johann Stromann: „Das kann ich nicht sagen. Die Dauer der Arbeiten ist von Faktoren abhängig, die die Stadt nicht beeinflussen kann.“ Die Anwohner werde man in den nächsten Tagen über die anstehenden Bauarbeiten informieren.

Das war am Dienstagnachmittag offenbar noch nicht oder nicht überall passiert. Almuth Maaß, Inhaberin der gleichnamigen Drogerie an der Osterstraße, war schockiert, als sie von der Redaktion über die Planungen informiert wurde. „Dann bricht uns ja der ganze Sommer weg“, sagte sie. Mit der Ferienzeit und dem guten Wetter kämen auch Touristen. Wenn jetzt die Fußgängerzone saniert werde, finde niemand mehr ihr Geschäft, das fast am Ende der Osterstraße liegt. Bereits jetzt müsse sie Nachteile in Kauf nehmen, weil die Fassade der Ostfriesischen Brandkasse erneuert werde. Sie kann das Vorgehen der Stadt nicht nachvollziehen und befürchtet das Schlimmste: „Wollen die uns jetzt ganz kaputt machen?“ Sie könne sich noch sehr gut daran erinnern, dass laut Stadt im Sommer die Arbeiten ruhen sollten, um das Geschäftsleben nicht zu beeinträchtigen.

Kein gutes Signal für die Innenstadt

Diese Nachricht hat auch Alexandra Schneemilch noch im Gedächtnis. Als die Geschäftsführerin des Taschen- und Bürobedarfsfachgeschäfts Abegg durch die Redaktion von dem Vorhaben erfuhr, sagte sie spontan nur. „Das ist ja furchtbar.“ Lärm und Dreck würden wahrscheinlich die nächsten Monate die Szenerie in der Osterstraße bestimmen: „Die Bauarbeiten sind kein gutes Signal für die Innenstadt.“ Sie vermute mal, dass eng gefasste Abrechnungszeiträume für Fördergelder der Grund für den Zeitplan seien.

Udo Hippen hält eine Baustelle im Hochsommer aus touristischer Sicht ebenfalls nicht für glücklich. Der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins (KV) sprach davon, dass es deshalb die Absprache gegeben habe, bestimmte Arbeitszeiten in der Fußgängerzone auszusparen. Über die „Terminplanänderung sei er von der Stadt im Vorfeld nicht informiert worden“. Die Stadt habe ihm allerdings in einem Telefonat am Dienstagnachmittag versichert, dass die Bautätigkeit sozialverträglich organisiert werden solle, sprich die Beeinträchtigungen für die Geschäftsleute und Anwohner so gering wie möglich gehalten werden sollen.

Auf der Homepage www.neue-Fussgaengerzone.de kann sich jeder über den Stand der Bauarbeiten informieren. Außerdem wird im Netz ein allgemeiner Zeitplan veröffentlicht. Derzeit steht dort noch das alte Ablaufschema. Demnach hätten die Pflasterarbeiten bereits im Frühjahr beginnen sollen. Bis Ende 2021 wurde die Auricher Fußgängerzone mit einem intakten Regen- und Abwasserkanalnetz versorgt. Parallel und bis in diesen Sommer hinein haben verschiedene Versorgungsfirmen wie der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), die EWE oder der Telekom-Konzern ihr Kanal- oder auch Kabelnetz in der Fußgängerzone erneuert.

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