Schnell beim Einsatz?  In den letzten vier Wochen rückten die Retter 1200 Mal in Emden aus

| | 28.06.2022 19:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei einigen Einsätzen – wie hier bei einem Fußballspiel im vergangenen August in Larrelt – wird zum Rettungswagen auch der Notarzt hinzugerufen. Foto: Archiv/J. Doden
Bei einigen Einsätzen – wie hier bei einem Fußballspiel im vergangenen August in Larrelt – wird zum Rettungswagen auch der Notarzt hinzugerufen. Foto: Archiv/J. Doden
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In Emden sind immer wieder Rettungswagen aus den Landkreisen Leer und Aurich im Einsatz. Leser berichten auch von Notärzten aus den Kreisen. Was ist dran? Und wie schnell sind sie beim Einsatz?

Emden - Bei bestimmten Rettungseinsätzen wird ein notärztliches Team direkt mit alarmiert. Mit dem Rettungswagen kommt also auch noch ein Fahrzeug mit Ärztin oder Arzt an Bord zum Einsatzort. In den vergangenen Wochen ist es mehreren Leserinnen und Lesern in Emden aufgefallen, dass Notarzt-Fahrzeuge verstärkt mit Kennzeichen aus Aurich und Leer in der Seehafenstadt unterwegs waren. Auch aus Norden soll schon der Notarzt zu einem Emder Einsatz ausgerückt sein. Ist das noch normal? Und kommt der Notarzt auch schnell genug bei den Patienten an? Wir haben bei der Stadt Emden nachgefragt.

In den vergangenen vier Wochen hat es bis zu 1200 Einsatzfahrten der Emder Rettungsdienste gegeben, teilt Andree Heinks, Betriebsleiter Rettungsdienst Emden, über die Pressestelle der Stadt mit. In Emden gibt es die kuriose Konstellation, dass es sowohl einen privaten Rettungsdienst gibt, nämlich den RKSH mit Wache in Wolthusen, als auch den Rettungsdienst Deutsches Rotes Kreuz/Stadt Emden. Außerdem übernimmt der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Sanitätsdienste und Krankentransporte.

Emden hilft häufiger Nachbarn aus als umgekehrt

Bei den 1200 Einsatzfahrten der beiden erstgenannten Rettungsdienste waren mehr als 150 Mal Notarztteams mit alarmiert. „Die Einsatzfahrten bewegen sich auf einem konstanten – aber hohen – Niveau“, so Heinks. „Ausreißer“ habe es in diesem Zeitraum nicht gegeben. Die Einsätze, die nachbarschaftliche Rettungsdienste in Emden geleistet haben und umgekehrt, werden separat gezählt. In Emden halfen demnach in den vergangenen vier Wochen die Retter aus den Landkreisen Aurich und Leer zwölf Mal aus. Interessant: Die Rettungsdienste aus Emden wurden mehr als doppelt so häufig – nämlich 29 Mal – um Nachbarschaftshilfe gebeten.

„Wir haben mit den Landkreisen Aurich und Leer vereinbart, dass wir in Bereiche der Landkreise, die an Emden angrenzen, planmäßig retten“, erklärt er. Das betrifft etwa die Gemeinden Krummhörn und Hinte sowie den Bereich des Landkreises Leer bis Oldersum. Bei den genannten Einsätzen mit nachbarschaftlicher Hilfe in Emden handele es sich jedoch nicht um Hilfeleistungen mit dem Notarztteam, sondern eben nur von den Rettungsdiensten, präzisiert er. Warum dann Notarzt-Fahrzeuge mit Leeraner oder Auricher Kennzeichen bei Einsätzen in Emden gesehen wurden, beantwortete er am Dienstagnachmittag nicht mehr. Für telefonische Rückfragen ist er nicht erreichbar. Auf Nachfrage bei RKSH-Geschäftsführer Holger Rodiek hält auch dieser es für unwahrscheinlich, dass Notärzte aus den Landkreisen nach Emden kommen. „Wir haben ein stabiles Notarztsystem“, sagt er. Für die Emder Bevölkerung sei das eigentlich ausreichend. Er gibt zu bedenken, dass hinweisgebende Leser vielleicht Rettungswagen und Notarzt-Fahrzeug – häufig ein VW-Bulli – verwechselt haben.

Notarzt und Rettungswagen sollen gleich schnell eintreffen

Generell sagt Andree Heinks: Die gegenseitige Nachbarschaftshilfe sei im Rettungsdienst üblich. Es komme vor, dass alle Rettungsmittel eines Bereiches zeitgleich im Einsatz seien und sich in diesen Fällen benachbarte Rettungsdienste unterstützten. „Wie die Daten zeigen, ist das nicht die Regel“, betont er jedoch.

Ganz gleich, woher der Rettungswagen oder auch der Notarzt kommt, die Zeit bis zum Eintreffen beim Einsatzort soll immer so gering wie möglich gehalten werden. „Wir planen für das NEF [Notarzteinsatzfahrzeug, Anmerkung der Redaktion] dieselbe Eintreffzeit wie bei Rettungswagen, für die sie 15 Minuten beträgt. In Emden ist das NEF im Durchschnitt in ca. acht Minuten vor Ort“, so Andree Heinks. Rund um die Uhr sei ein Notarzteinsatzfahrzeug in Bereitschaft.

Angesprochen auf mögliche personelle Engpässe berichtet er: „Bisher konnten wir sämtliche Notarztdienste in Emden jederzeit besetzen. Wir sind zuversichtlich, dass uns dies in Zukunft auch weiterhin gelingen wird. Obwohl wir ein Team hochmotivierter Notärzte haben, ist auch hier, wie in allen Bereichen des Gesundheitswesens, die Personallage angespannt und bedarf stetiger Bemühungen.“

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