Arbeiten in der Osterstraße Volle Wucht der Sanierung ist in Aurich erst ab August spürbar
Die Stadt hat ihren Bauzeitenplan für die Neugestaltung der Fußgängerzone korrigiert. Das Geschäft im Sommer wird weniger angetastet. Doch die Wut der Kaufleute ist noch nicht verraucht.
Aurich - Die Stadt Aurich hat am Mittwoch ihre Aussagen zur geplanten Sanierung der Osterstraße korrigiert: Demnach werden die Hauptarbeiten nicht, wie am Dienstag angekündigt, bereits am 25. Juli beginnen, sondern erst einen Monat später, nämlich am 22. August. Die volle Wucht der Sanierung mit Dreck, Lärm und weiteren Beeinträchtigungen wird die Innenstadt also nicht im Hochsommer treffen, wenn die meisten Touristen in der Stadt sind. Davor hatten viele Kaufleute Angst.
Als sie am Dienstag aus der Presse erfuhren, dass der offizielle Spatenstich bereits für den 22. Juli terminiert ist, waren etliche schockiert. Sie fürchteten eine beträchtliche Einbuße ihrer Umsätze, weil die Kunden vor Staub und Presslufthammergeknatter in andere Städte fliehen könnten. Oder den Einkauf einfach ins Internet verlagern, weil dabei nervenzermürbende Begleitumstände ausgeklammert sind. Für die Geschäftsfrau Almuth Maaß von der gleichnamigen Drogerie bedeutet die Planänderung von Juli auf August jedoch keine Entwarnung. Sie fühle sich von der Stadt verschaukelt, nicht zuletzt wegen der fehlenden Kommunikation über das Projekt, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Um sich zu beschweren, habe sie bereits am Dienstag in der Verwaltung angerufen, sei aber nicht bis zu dem zuständigen Mitarbeiter durchgedrungen.
Ratsfrau kann verzweifelte Geschäftsleute verstehen
Die Grünen-Ratsfrau Gila Altmann kann die Enttäuschung von Almuth Maaß nachvollziehen: „Ich verstehe, dass sie verzweifelt ist. Mit ihrem Sortiment ist sie einfach auf das Geschäft mit den Touristen angewiesen.“ Wenn ihr das kaputtgemacht werde, sei die Situation schwierig. Gila Altmann ärgert sich zudem über die Kommunikation der Stadt, die Sanierung der Fußgängerzone betreffend. Es dürfe nicht sein, dass die Politik aus der Zeitung erfahre, wie das Projekt fortgesetzt wird: „Die Stadt muss ihre Kommunikationsstrukturen untersuchen.“
Bodo Bargmann (CDU) sieht in der Informationsübermittlung bei der Fußgängerzonensanierung ebenfalls deutliche Defizite. Er sei über den Bauzeitenplan durch das Online-Portal der Ostfriesen-Zeitung informiert worden. Kurz danach habe er deswegen verschiedene Anrufe bekommen. Er sei lange Zeit Vorsitzender des Sanierungsausschusses gewesen und wisse deshalb, dass man in einer solchen Situation unter Druck gerate. Für ihn sei dieses Kommunikationsversagen auch deshalb ärgerlich, weil die Fußgängerzonensanierung in Sachen Transparenz bisher ein „Vorzeigeprojekt der Stadt“ gewesen sei. Über die Homepage habe man immer gewusst, wie weit die Arbeiten vorangeschritten seien. Es habe vor Ort Banner und Hinweisschilder für Passanten gegeben, dass zwar gearbeitet werde, die Geschäfte aber weiterhin erreichbar seien.
Flüssigboden kommt zum Einsatz
Etwas Ähnliches fordert Udo Hippen auch für die kommenden Bauarbeiten. Der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins (KV) sagt, es müsse baubegleitende Maßnahmen geben, mit denen die Stadt die Geschäfte in der Osterstraße unterstütze. Er werde sich zeitnah mit Stadtsprecher Johann Stromann deswegen verständigen. Ihn stimme es zuversichtlich, dass die Arbeiten am Pflaster laut Stadt in den ersten drei Wochen im August ruhen würden. Zudem gebe es die Zusicherung, dass der Lieferverkehr mit Einschränkungen gewährleistet sei.
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Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß sprach davon, dass die vorbereitenden Arbeiten im Juli vor allen Dingen der Beprobung von Bodenschichten dienen sollten. Dies sei in einem 50 Zentimeter breiten Korridor erforderlich, der sich direkt an die Hausfassaden anschließt. Dort wolle die Baufirma Strabag Flüssigboden ausbringen. Dafür wird der ausgehobene Boden mit Zusatzstoffen vorübergehend fließfähig gemacht und dann wieder eingebaut. Der Vorteil: Die Hohlräume werden selbstständig ausgefüllt. Es kommt kein Rüttler mehr zum Einsatz, der den Boden mechanisch verdichten müsste. Zudem absorbiert der Flüssigboden die Schwingungsenergie sehr gut, die auf den Straßenbelag wirkt und Risse verursachen könnte.
Es sei ein modernes Verfahren, das immer häufiger eingesetzt werde, versicherte Alexandra Busch-Maaß. Es bringe etliche Vorteile. Vor allen Dingen entfalle der Einsatz des lärmenden Rüttlers. Auf die Frage, wann die Arbeiten im ersten Bauabschnitt abgeschlossen seien, wollte sie nicht antworten. Das falle einem immer auf die Füße, wenn es zu Verzögerungen komme.