Regionale Identität  Moormerländer fordert Ostfriesland-Flagge vor dem Rathaus

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 29.06.2022 18:19 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
An vielen Orten in der Region weht die Ostfriesland-Flagge. Foto: Rümmele
An vielen Orten in der Region weht die Ostfriesland-Flagge. Foto: Rümmele
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In vielen Vorgärten weht schon jetzt Schwarz-Rot-Blau. Geht es nach dem Willen eines Ratsherrn, sollen auch öffentliche Gebäude künftig so beflaggt werden. Doch die Idee stößt auf Widerspruch.

Moormerland - In unzähligen Vorgärten Ostfrieslands kann man sie wehen sehen: schwarz-rot-blaue Ostfriesland-Flaggen. In kaum einer Region Deutschlands ist die Verbundenheit mit der eigenen Heimat so groß, wie im äußersten Nordwesten der Republik. Viele Ostfriesen zeigen gerne Flagge. Geht es nach dem Willen des Moormerländer Ratsherren Torsten Bruns, soll künftig auch vor öffentlichen Gebäuden der Gemeinde Schwarz-Rot-Blau gehisst werden. „Die gemeinsame Flagge fördert das Identitätsgefühl unter uns Friesen und drückt den gemeinsam empfunden Stolz auf die eigene Herkunft und die eigene Heimat aus“, begründet er seinen Antrag im Gemeinderat. Mit einer Beflaggung solle die Gemeinde die Verbundenheit mit der eigenen Kultur und der eigenen Historie zur Schau stellen.

Was und warum

Darum geht es: Die Ostfriesland-Flagge weht vor vielen Privathäusern. Ein Politiker fordert sie auch vor öffentlichen Gebäuden.

Vor allem interessant für: Lokalpatrioten

Deshalb berichten wir: Der Kulturausschuss der Gemeinde Moormerland befasste sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Vorschlag.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Bruns legt sich nicht darauf fest, ob die Flagge dauerhaft oder nur zu besonderen Anlässen gehisst werden soll. Einen Tag hat der Ratsherr aber speziell im Blick – den Dienstag nach Pfingsten. „Dieser gilt unter historisch Kundigen als Tag der friesischen Freiheit als höchster gesamtfriesischer Feiertag. Man könnte diesen besonders würdigen und in das Bewusstsein der Bevölkerung rücken“, so Bruns. An diesem Datum hätten sich einst die Gesandten der sieben friesischen Seelande am Upstalsboom in Aurich versammelt, um dort Recht zu sprechen, erklärt Bruns und spannt den Bogen zur Gegenwart: Die Treffen am Upstalsboom seien eine Form der Demokratie gewesen, um die man an anderen Orten auf der Erde aktuell noch immer kämpfen müsse.

Zwei Wappen – zwei Herrschaftsansprüche

Zumindest mit der demokratischen Tradition der von Bruns vorgeschlagenen Ostfriesland-Flagge ist es aber nicht so einfach, wie Dr. Matthias Stenger, Direktor der Ostfriesischen Landschaft, erklärt. Bruns brachte explizit die Flagge ins Spiel, in deren Zentrum das Wappen der Grafenfamilie Cirksena prangt. Es gebe aber auch die Version mit dem Landschaftswappen, in deren Zentrum der Upstalsboom abgebildet ist, erklärt Stenger. Es repräsentiert die ehemaligen Landesstände, in der Zeit, in der Ostfriesland eine Grafschaft war. „Das Grafenhaus war vergleichsweise ausgesprochen schwach“, erklärt Stenger. Stattdessen habe die Standesversammlung eine mächtige Position gegenüber dem Grafen gehabt. „Man spricht nicht ganz zu Unrecht von einem Ständestaat“, so Stenger.

Welches Wappen man nutze sei also auch mit zwei völlig unterschiedlichen Herrschaftsansprüchen verbunden. Das Wappen einer längst ausgestorbenen Adelsfamilie sei nicht unbedingt mit demokratischer Herrschaft verbunden. „Andererseits hat es sich in der Bevölkerung über die Jahre durchgesetzt“, so Stenger. Festlegen, ob eine gehisste Ostfriesland-Flagge vor dem Rathaus eine gute Idee wäre, möchte sich der Landschaftsdirektor nicht. Falls doch, hat er aber eine klare Präferenz: „Dann auf jeden Fall die Landschaftsflagge.“

Geht es nach dem Votum des Kulturausschusses hat Bruns’ Vorhaben jedoch nur wenig Aussicht auf Erfolg. Ratsherr Jens-Rainer Bohlsen (CDU) sagte in der jüngsten Sitzung: „Eine Beflaggung geht mir in die falsche Richtung. Wir können unsere ostfriesische Kultur leben, ohne auf eine Flagge zu schauen.“ Auch Bohlsen gab zu Bedenken, dass das Cirksena-Wappen keinen offiziellen Status habe. Die Idee sei ihm aber ohnehin zu naiv gedacht. Auch bei den anderen Ausschussmitgliedern regte sich keine Begeisterung für eine Beflaggung in schwarz-rot-blau. Der Antrag wurde abgelehnt.

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