Schulen in Ostfriesland Was, wenn das Kind auf Klassenfahrt Corona kriegt?
Zwei Schüler der IGS Moormerland sind bei einem Berlin-Besuch an Corona erkrankt. Die Schulen wappnen sich für die Risiken. Doch im Ernstfall müssen die Eltern ran.
Landkreis Leer -Die Infektionszahlen sind hoch und doch kehrt die Normalität an die Schulen zurück. Die Testpflicht ist aufgehoben, Masken muss auch niemand mehr tragen und inzwischen wagen sich immer mehr Schulen, Klassenfahrten anzubieten. So ging es in der vergangenen Woche auch für drei Schulklassen der IGS-Moormerland mit dem Bus nach Berlin. Dort erwarteten die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe nicht nur Sehenswürdigkeiten und historische Bildung, auch dichtes Gedränge ließ sich in einer Weltstadt wie dieser nicht vermeiden. Das Infektionsrisiko stieg.
Was und warum
Darum geht es: Ostfriesische Schulen führen trotz Corona wieder Klassenfahrten durch.
Vor allem interessant für: Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler
Deshalb berichten wir: Auf einer Klassenfahrt nach Berlin sind Schüler aus dem Landkreis Leer an Corona erkrankt und mussten die Fahrt abbrechen. Wir wollten wissen, wie die Schulen und Eltern mit diesem Risiko umgehen. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Im Falle der IGS-Moormerland hat es vermutlich gleich doppelt zugeschlagen. Zwei Schüler mussten wegen Corona-Verdachts die Klassenfahrt abbrechen, bestätigt Schulleiterin Carmen Boomgaarden. „Die Kinder wurden sofort vom Rest der Gruppe isoliert“, sagt sie. Auch wenn der Verdacht nur einen Tag vor Ende der Klassenfahrt aufkam, musste eine Mutter die betroffenen Kinder aus Berlin abholen. „Wir können keine Lehrkraft als Aufsichtsperson dafür einsetzen“, stellt die Schulleiterin klar. Und eine gemeinsame Rückfahrt im Bus sei für die vermutlich infektiösen Kinder selbstverständlich undenkbar.
Manche Eltern wollen noch keine Klassenfahrten
Das Risiko, dass die Kinder im Falle einer Erkrankung von den Eltern abgeholt werden müssten, habe die Schule im Vorfeld aber klar kommuniziert. „Das ist aber nicht nur bei Corona so“, erklärt Boomgaarden. „Manche Eltern haben deswegen auch abgewunken.“ Nicht nur wegen der Möglichkeit, im Zweifel eine hastige Fahrt nach Berlin antreten zu müssen, sondern auch weil einigen das gesundheitliche Risiko schlicht zu groß ist. Trotzdem freut sich die Schulleiterin, dass die IGS in diesem Jahr wieder Klassenfahrten nach München und Berlin anbieten konnte. „Die Kinder haben ja drei Jahre nichts gehabt“, sagt sie. Eine Fahrt in die Bundeshauptstadt sei ein großen Erlebnis für die jungen Menschen. Den Schülerinnen und Schülern stelle man für die Fahrt Corona-Schnelltests zur Verfügung.
Der Kreisverwaltung als Trägerin der weiterführenden Schulen im Kreisgebiet sind bislang keine größeren Corona-Ausbrüche bei Klassenfahrten bekannt, erklärt Kreissprecher Philipp Koenen auf Anfrage der Redaktion. „Sollten sich Schülerinnen oder Schüler bei solchen Fahrten infizieren, gelten die Quarantäneregeln im jeweiligen Bundesland“, so Koenen. „Entschieden wird im Einzelfall. Gegebenenfalls kann dies bedeuten, dass Eltern ihr Kind abholen müssten.“
Schulen entscheiden selbst
Grundsätzlich sei es den Schulen überlassen, ob und wohin sie Klassenfahrten in der derzeitigen Situation anbieten möchten. „Sie sollen dabei abwägen zwischen dem pädagogischen Nutzen und dem Infektionsrisiko“, so der Kreissprecher. Das Niedersächsische Kultusministerium gebe dies so vor. Das Ministerium erlaubt seit April grundsätzlich wieder sämtliche Formen von Schulfahrten, verpflichtet die Schulen bei der Planung aber, eine kurzfristige kostenlose Stornierung zu ermöglichen. „Sollten im Einzelfall dennoch Stornierungskosten entstehen, so werden diese nicht durch das Land Niedersachsen übernommen, sondern müssten durch die Erziehungsberechtigten übernommen werden“, so das Kultusministerium.
Der Leeraner Lehrer Stefan Störmer, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW, sieht zu diesen Regelungen derzeit keine Alternative. „In der momentanen Lage bleibt uns kaum etwas anderes übrig“, sagt er. Grundsätzlich müsse jede Schule für sich entscheiden. Klassenfahrten seien freiwillige Angebote der Lehrkräfte. Problematisch könne es jedoch werden, wenn wegen Klassenfahrten Personal an den Schulen fehle. Schon jetzt fehlten viele Lehrerinnen und Lehrer aufgrund von Corona-Erkrankungen, so Störmer.