Palma de Mallorca Ärger um Puffmama „Layla“ – wir dichten den Hit um
Mit dem Ballermann-Hit von der Puffmama „Layla“ landet das Duo DJ Robin und Schürze auf Platz 1 der deutschen Charts. Wieso ist der Sauf-Sexismus auf einmal wieder salonfähig?
50 Jahre nach Eric Claptons „Layla“ stürmt wieder ein Song mit diesem Titel die Charts. Bei DJ Robin und Schürze ist der Tonfall allerdings etwas anders.
Wussten Sie, dass Claptons „Layla“ auf eine persische Liebesgeschichte zurückgeht? „Leila und Madschnun“. Sie handelt von einer unmöglichen Liebe. Der Mann verfällt dem Wahnsinn und klagt sein Leid in vollendeter Poesie.
Seit dem siebten Jahrhundert hat der Stoff immer neue Meisterwerke inspiriert. Gerade ist ein neues dazugekommen: Auf Platz 1 der deutschen Charts steht wieder „Layla“, diesmal vom Ballermann-Duo DJ Robin und Schürze. Die Stadt Würzburg hat diese Version gerade als sexistisch verurteilt und verbietet das Abspielen beim örtlichen Volksfest.
Der Kernsatz aus „Layla“ klingt so: „Er hat nen Puff. Und seine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler. La, la, la, la, la, la, la, Layla!“ Anders als in bei der Ur-Fassung ist das Liebesglück hier erreichbar. Es spielt ja alles im Puff, wo „die geile Layla“ natürlich zur Verfügung steht.
Von den raffinierten Ambivalenzen des Stoffs ist nichts mehr zu spüren; dafür kann man jetzt auch mit vier Promille noch mitgrölen. Das muss auch so sein. Die Leute, die für den Song Geld ausgeben, sind schließlich dieselben, die gerade auch Julian Sommers „Dicht im Flieger“ in die Charts gebracht haben. Und hier heißt es ganz ausdrücklich: „Der Chef ruft wieder an, die Alte stresst daheim. / Ist mir scheißegal, ich will besoffen sein, / mit vier Promille durch die Straßen zieh‘n / und Tag für Tag immer nur die gleichen Lieder singen.“ Ein trostloser Traum, den die Party-Hits der Saison gerade Wirklichkeit werden lassen.
DJ Robin, Schürze und Julian Sommer sind die neue Generation der Ballermann-Stars. Und sie graben aus, was die Altstars gerade erst beerdigt hatten. Mickie Krause zum Beispiel: In seinem allerersten Hit träumte er noch von „10 nackten Friseusen mit richtig feuchten ... Haaren“. Kicher, kicher. Aber als Mickie Krause später das „Donaulied“ aufnahm, entschärfte er den Text. Das Original aus dem 19. Jahrhundert handelt noch von einer Frau, die im Schlaf vergewaltigt wird. Krause ändert das zu einvernehmlichem Sex. Zum Vergleich: Früher hieß es „Ich machte mich über die Schlafende her.“ Bei Krause: „Da wachte sie auf und sie sagte ‚Komm her!‘“. Nach Jahren am Ballermann muss Mickie Krause gemerkt haben: Bei manchen Gags lachen Frauen einfach nicht mit. DJ Robin und Schürze steht diese Einsicht noch bevor. Erstmal besingen wieder „das Luder“ und „die geile Layla“.
Und warum auch immer – jetzt ist der Song an der Spitze der Charts. Wer ihn einmal gehört hat, wird ihn nicht mehr los. Schwer wie eine All-you-can-eat-Paella liegen einem die Reime im Hirn. Vielleicht hilft es ja, wenn man es wie Mickie Krause macht? Wenn man den Text ein kleines bisschen umschreiben – bis er nicht mehr das Frauenbild von Volltrunkenen beschreibt, sondern die echte und ungeschminkte Wirklichkeit eines Ballermann-Touristen. So zum Beispiel:
Neulich auf Mallotze, da lief ein Hit.
Wer noch nicht kotzte, sang ihn mit.
„Luder“ und „geil“ – hab ich nur gehört.
Sexismus, was soll’s, hat mich nie gestört.
Mein Lebensglück ist ein Pauschalurlaub.
Acht Tage Bierkönig, jetzt bin ich taub.
Doch selbst auf der Insel, wo niemand mich kennt.
Ist keine zu finden, die mit mir pennt.
Ich brauch den Suff! Denn ohne Vollsuff mag mich keiner!
Ich bin hässlich wie ein Eimer. La, la, la, la, la, wie ein Eimer,
la, la, la, la, wie ein Sangria-Eimer.
Ich bin strammer als ein Keiler,
La, la, la, la, deshalb tanz ich zu „Layla“!
Schlagt mich mit einem Eisenpfeiler.
Dummheit ist leider nicht heilbar!
Mein Hirn ist nicht mal mehr zum Teil da.
La, la, la, la, la, es reicht nur noch für „Layla“!