Per Rennrad zur Tour de France  Ostfriesen radelten zur Tour: Gegenwind bis Kopenhagen

| | 04.07.2022 16:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rainer Reimers (vorne) und Heinz Mouson legten auf der Hintour 500 Kilometer bei Hitze und ordentlichem Gegenwind zurück. Fotos: Privat
Rainer Reimers (vorne) und Heinz Mouson legten auf der Hintour 500 Kilometer bei Hitze und ordentlichem Gegenwind zurück. Fotos: Privat
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An zwei Tagen radelten zwei Moormerländer mehr als 500 Kilometer weit. Ihre erste Etappe war besonders lang. Dabei mussten sie mit drei Handicaps fertig werden.

Leer/Kopenhagen - Mit einem nur 13 Kilometer langen Zeitfahren begann am Freitag in Kopenhagen die Tour de France. Um bei diesem Weltereignis live dabei zu sein, legte ein Ostfriesen-Duo an nur zwei Tagen mehr als 500 Kilometer auf dem Rennrad zurück. Heinz Mouson und Rainer Reimers radelten von Moormerland bis Kopenhagen, um Stars wie Primoz Roglic, Tadej Pogacar, Chris Froome oder Maximilian Schachmann einmal live zu erleben. Die Mammut-Tour fand unter erschwerten Bedingungen statt. „Wir hatten permanent Gegenwind“, erzählt Mouson.

Weil eine Corona-Infektion das Tour-Aus bedeutet, tragen die Fahrer selbst beim Treffen mit der Familie Maske.
Weil eine Corona-Infektion das Tour-Aus bedeutet, tragen die Fahrer selbst beim Treffen mit der Familie Maske.

Doch die eineinhalb Tage in der dänischen Hauptstadt entschädigten für alles. „Es war ein überragendes Erlebnis“, schwärmt Mouson. „Die Begeisterung der Menschen war unglaublich. Hunderttausende standen dort an der Tour-Strecke.“

Jede Stunde eine Flasche Wasser

Eine gemütliche Autoreise zum Radsportspektakel kam für die abenteuerlustigen Sportler von vorneherein nicht infrage. „Die Tour zur Tour war unser Motto“, sagt Rainer Reimers. So nahmen sich die beiden zwei Tage Urlaub und stiegen am Mittwoch um 5 Uhr aufs Rennrad. Sie hatten nicht nur den Wind aus Nordosten erwischt, sondern auch die heißesten Tage der Woche. „Essen und Trinken ist das A und O“, erklärt Reimers. „Jede Stunde habe ich eine 0,7-Liter-Flasche-Wasser geleert.“

Heinz Mouson schwitzte bei der Ostfriesen-Tour noch ein bisschen heftiger als sein Kompagnon. Denn er verzichtete auf Radtaschen und trug die rund sechs Kilo Gepäck auf dem Rücken. „Das war heftig.“ Die tapferen Radsportler trotzten aber der Hitze, dem Gegenwind und auch der Gepäcklast. „Wir waren mit einem Stundenschnitt von 28 Kilometern unterwegs“, sagt der 62-jährige Mouson.

311 Kilometer am ersten Tag

Dieses stolze Tempo ohne E-Antrieb war nur dank offenbar prächtiger Sportler-Lungen und permanent wechselnder Führungsarbeit möglich. So machte ein Akteur Tempo, während der andere im Windschatten ein bisschen Energie sparte, ehe er wieder als Motor des Duetts fungierte.

So ging es zügig Richtung Varel, dann per Fähre von Blexen über die Weser und später noch einmal über die Elbe nach Schleswig-Holstein bis hin nach Gremersdorf kurz vor Fehmarn. Dort fielen die beiden am Abend nach 311 Kilometern erschöpft ins Hotelbett.

Ostfriesen auf Tour-de-France-Kurs

Der zweite Tag glich mit 190 Kilometern dann fast einem lockeren Ausflug, zumal schon nach 30 Kilometern die Fähre von Puttgarden auf Fehmarn zum dänischen Rödby wartete. „Bis auf den Wind war es eine perfekte Tour“, sagt Mouson. „Wir hatten keinen Sturz und keinen einzigen Defekt.“

In Kopenhagen genossen Heinz Mouson und Rainer Reimers den Flair der Tour de France.
In Kopenhagen genossen Heinz Mouson und Rainer Reimers den Flair der Tour de France.

Am Freitagvormittag radelten die Moormerländer dann vom Hotel zum Tour-Start. Reimers hatte schon drei Auftaktzeitfahren der Tour de France erlebt und bemerkte schnell die Lockerheit der Dänen. „Die Zeitfahrstrecke war noch nicht einmal abgesperrt.“ So ließen sich die Ostfriesen nicht zweimal bitten, bogen auf die Wettkampfstrecke ein und gönnten sich ein paar Kilometer und ein paar Tour-Momente auf dem Originalkurs.

Pech: Auch zurück Gegenwind

Später schauten sie den Profis bei Aufwärmfahrten zu, ehe die Stars ab 15 Uhr von der Startrampe rollten. „Da aber regnete es wie aus Eimern“, sagt Reimers. Da half auch ein flugs erworbener Regenschirm wenig. So sahen die Radler aus Ostfriesland nur eine Stunde lang die Stars vorbeihuschen, dann verzogen sie sich aufs Hotel und schauten sich gemütlich vor dem Fernseher die Entscheidung an.

Die Vorfreude auf Schiebewind bei der Rücktour am Sonnabenmorgen aber war vergeblich. Denn der Wind hatte komplett gedreht. So bliesen die Böen den tapferen Nordlichtern erneut ins Gesicht. Wie gut, dass sie die zweitägige Rücktour von vorneherin nur bis Hamburg geplant hatten. Dort trank das Moormerländer Tour-de-France-Duo einen Kaffee bei Freunden und setzte sich dann gemütlich in den Zug. Das bequeme Finale hatten sich die Dauerradler nach 870 Kilometern Gegenwind auch redlich verdient.

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