Berlin Die vier provokantesten Aussagen von Andrij Melnyk
Selten hat ein Botschafter so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie Andrij Melnyk. Kein Wunder, denn der Ukrainer nimmt kein Blatt vor den Mund. Zum Abschied noch einmal seine provokantesten Aussagen.
Botschafter agieren meist hinter den Kulissen und versuchen Streit zu vermeiden. Es sei denn man heißt Andrij Melnyk. Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges hat Melnyk mit dramatischen Appellen und scharfer Kritik an der Bundesregierung immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das hat nun wohl ein Ende. Wie „Bild“ und „Süddeutsche Zeitung“ übereinstimmend berichten, will das ukrainische Außenministerium Melnyk nun wohl abziehen.
Mit Beginn des Ukraine-Krieges kamen zahlreiche ukrainische Flüchtlinge nach Deutschland, denen eine Menge Solidarität zu Teil wurde. Anders als etwa syrischen Flüchtlingen wurde ihnen unter anderem der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. Viele Deutsche haben Ukrainer in ihrer Wohnung aufgenommen. Umso angefasster waren manche, als Melnyk sich folgendermaßen bei „BildTV“ äußerte:
„Die meisten Ukrainer kehren zurück, schon längst. Es sind mehr Menschen, die abreisen aus diesem Land, als zu Ihnen kommen“, so der Botschafter. Man solle sich Gedanken machen, „warum viele Ukrainer keine Lust haben hier zu bleiben“. Aus Sicht seiner Landsleute trügen Deutsche, mangels Waffenlieferungen, die Schuld für tausende Tote in der Ukraine.
Eigentlich war es gut gemeint. Kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs ließ die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig das Schweriner Schloss in Blau und Gelb anstrahlen um ihre Solidarität mit der Ukraine auszudrücken.
Dieselbe Manuela Schwesig, der der Versuch vorgeworfen wird mit einer „Klima-Stiftung“ die Pipeline Nordstream 2 trotz Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verwirklichen. Melnyk konnte Schwesigs Geste nichts abgewinnen :„Diese Heuchelei ist zum Kotzen“, so der Diplomat.
Nachdem das ukrainische Außenministerium einen Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abgesagt hatte, sagte auch Olaf Scholz einen geplanten Besuch in Kiew ab. Für Melnyk unverständlich. „Eine beleidigte Leberwurst zu spielen klingt nicht sehr staatsmännisch“, sagte er der dpa. „Es geht um den brutalsten Vernichtungskrieg seit dem Nazi-Überfall auf die Ukraine, es ist kein Kindergarten“, so der Botschafter. Folglich sei es umso dringender, mehr Waffen zu liefern. Wenig später folgte dieser Tweet.
Das Geschrei war groß, als zahlreiche deutsche Politiker, darunter Wolfgang Kubicki und Marie Agnes Strack-Zimmermann verkündeten, Scholz sei keine „Leberwurst“. Die Metzgerei Adam aus dem pfälzischen Landau nahm die Episode zum Anlass Melnyk einen Präsentkorb mit pfälzischer Leberwurst zu schicken. Nachdem der Botschafter sich lange geweigert hatte, sich zu entschuldigen, hat er kurz vor seiner Abberufung angekündigt, das nachzuholen.
Kurz vor seiner Abberufung hatte Melnyk in dem Podcast „Jung und Naiv“ kontroverse Aussagen über den ukrainischen Nationalhelden Stepan Bandera gemacht. Dieser hatte im zweiten Weltkrieg mit seiner „Organisation ukrainischer Nationalisten“ für eine unabhängige Ukraine gegen die Sowjetunion gekämpft. Die Partisanentruppe war lange auf Seiten der deutschen Angreifer. Dabei sollen sie auch an Massakern gegen polnische und jüdische Zivilisten beteiligt gewesen sein.
Für Melnyk kein Grund, sich von Bandera zu distanzieren. Banderas persönliche Beteiligung an den Massakern stritt er ab und weigerte sich, sich von Bandera zu distanzieren. „Es gab auch die gleichen Massaker von Polen gegenüber der Ukraine“, so der Botschafter. „Bandera war kein Massenmörder“. An seinen Gesprächspartner Tilo Jung gerichtet meint Melnyk: „Ich werde dir heute nicht sagen, dass ich mich davon distanziere – und das war‘s.“