„Ein Herz für Ostfriesland“ Waldschule für ukrainische Kinder mit Hilfe aus Ostfriesland

Von Clarissa Scherzer
 | 06.07.2022 18:05 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der Wald-Schule ist der Krieg weit weg. Fotos: PEER-LEADER VERCHOVYNA
In der Wald-Schule ist der Krieg weit weg. Fotos: PEER-LEADER VERCHOVYNA
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Die Peer Leader aus Ostrhauderfehn organisieren „Bildung statt Bomben“ in der Ukraine. In einer Waldschule sollen Kinder sich vom Krieg erholen. Unterstützung kommt von „Ein Herz für Ostfriesland“

Ostrhauderfehn - Unter dem Leitsatz „Bildung statt Bomben“ startete Ende Juni 2022 das Hilfsprojekt „Wald-Schule repowered by nature“ für durch den Krieg in der Ukraine aus ihrer Heimat vertriebene Kinder und Jugendliche. Initiator des Projektes ist der Verein Peer-Leader-International. Die Peer-Leader-Teams aus Ostrhauderfehn und Verkhovyna (Ukraine) haben bereits gemeinsam das Projekt Shelter in der Ukraine ins Leben gerufen und festgestellt, dass der Bedarf und das Interesse an Freizeit- und Bildungsangeboten vor Ort hoch ist.

Per Kutsche geht es zur Wald-Schule.
Per Kutsche geht es zur Wald-Schule.

Daraus entstand die Idee der Wald-Schule. Ende Juni wurde sie eröffnet. Es ist ein Camp mitten im Wald, mitfinanziert durch eine 10.000 Euro Spende von „Ein Herz für Ostfriesland“ (EHFO), dem gemeinnützigen Hilfswerk von Ostfriesen-Zeitung, Ostfriesischen Nachrichten und General Anzeiger. Eingeladen wurden insgesamt 30 Kinder, die für zehn Tage die Wald-Schule besuchen können. Vasily Juzkov begleitet sie und ist Leiter der Schule.

Ort für Krieg strategisch uninteressant

Sie liegt mitten in den Bergen nahe den Karpaten, weit ab von dröhnenden Panzern, heulenden Sirenen und Bombeneinschlägen. Von einer Hauptstraße führt ein schmaler Pfad durch den Wald zum Camp. Dorthin werden die Kinder per Kutsche gebracht. Übernachtet wird in Holzhäusern und Tipis. Der Ort, in dem das Camp der Wald-Schule aufgebaut ist, sei für den Krieg strategisch uninteressant, so die Initiatoren. „Die Kinder kommen aus Iwano-Frankiwsk, Lwiw und Verkhovyna“, berichtet Mariia Makyvnychok, Leiterin der Partnerorganisation in der Ukraine. „Alle diese Kinder sind durch den Krieg aus ihrer Heimat vertrieben worden. Es sind Kinder, deren Heimat derzeit unter Beschuss steht. Sie haben keinen Ort, an den sie zurück können.“ Auch ihre Mütter können das Camp nutzen.

Kurz vor Eröffnung der Wald-Schule tauscht sich Makyvnychok via Zoom mit Chuck Niessit und Malte Frederichs, beide vom Team Ostrhauderfehn, aus. Während des Gesprächs ertönen bei Mariia Makyvnychok im Hintergrund Sirenen.

Sirenen ertönen über Lautsprecher

Über den PC-Lautsprecher sind sie auch in Ostrhauderfehn zu hören. Der Krieg ist nicht vorbei. In der Wald-Schule kommen die Kinder zur Ruhe, können abschalten und den Krieg für kurze Zeit vergessen, hoffen die Initiatoren. „Wenn man die schlimmen Erlebnisse ausblenden kann, ist es ein Geschenk für die Kinder. Man kann sich das selber gar nicht ausmalen, was der Krieg mit einem macht“, sagt Niessit. „Wir wollen aber auch sensibilisieren für die Natur. Natur kann heilen.“ An den zehn Schultagen steht viel auf dem Programm. So gibt es zum Beispiel Waldexkursionen, Musik- und Theaterworkshops, Sport-, Bastel- und Malangebote sowie Museumsbesuche. Bei Bedarf bekommen die Kinder psychosoziale Unterstützung. „Es ist gut für die Kinder, sich ein paar Tage in Sicherheit zu fühlen“, so Malte Frederichs. „Wir möchten den Menschen die Hoffnung geben, man kann in der Heimat bleiben. Die meisten wollen das auch. Oder wollen so schnell es geht zurück.“

Das Camp steht mitten im Wald.
Das Camp steht mitten im Wald.

Geplant sind weitere Durchgänge. Dafür braucht es finanzielle Unterstützung. Niessit: „Geld ist genug da im System, da sind wir sehr zuversichtlich.“ Mit dem Projekt ist auch die Hoffnung verbunden, dass die Wald-Schule als Modell von anderen Initiativen und Vereinen übernommen wird.

Um weiteren Projekten helfen zu können, ist die Ukraine-Spenden-Aktion von „Ein Herz für Ostfriesland“ ins Leben gerufen worden. Wer helfen möchte, kann das mit einer Überweisung an die IBAN DE94 2856 2297 0414 5372 02 (Raiffeisen-Volksbank, Aurich) tun. Bitte geben Sie das Stichwort „Ukraine“ an. Wer nicht möchte, dass sein Name veröffentlicht wird, vermerke das bitte.

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