Drei Schwerpunkte im Blick  Gemeinde Hinte will mehr in den Tourismus investieren

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 05.07.2022 17:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wie kann Hinte mehr Einnahmen durch den Tourismus generieren? Dieser Frage sind Studenten der Hochschule Emden/Leer auf die Spur gegangen. Archivfoto: Hock
Wie kann Hinte mehr Einnahmen durch den Tourismus generieren? Dieser Frage sind Studenten der Hochschule Emden/Leer auf die Spur gegangen. Archivfoto: Hock
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Studenten der Emder Hochschule wollen Hinte touristisch voranbringen. Nun sollen erst einmal drei Maßnahmen in den Fokus rücken. Erste Gespräche sind erfolgt.

Hinte - Eine Paddel- und Pedalstation, Touren durch den schiefsten Kirchturm der Welt und Wohnmobilstellplätze: Das sind die vielleicht ersten drei Projekte des geplanten Tourismuskonzepts in Hinte. Insgesamt hatten Studierende der Hochschule Emden/Leer sogar Dutzende Ideen ausgearbeitet, von denen in Zukunft noch weitere aufgegriffen werden könnten. Es ist aber ein langer Prozess und alles muss der Reihe nach geklärt werden. „Das müssen und werden wir eng mit der Politik abstimmen“, schreibt Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) unserer Zeitung. Bislang seien so auch noch keine von den kleineren Maßnahmen aus der Ideensammlung umgesetzt worden. „Wir sind in der Planungsphase.“

Was und warum

Darum geht es: Obwohl Hinte geografisch günstig liegt, werden bislang die touristischen Potenziale nicht ausgeschöpft. Das soll sich in Zukunft aber ändern.

Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher der Gemeinde, die die späteren Angebote nutzen oder an ihnen verdienen könnten

Deshalb berichten wir: Vor einigen Monaten ging es im Gemeinderat um das geplante Tourismuskonzept. Wir wollten wissen, wie inzwischen der aktuelle Stand ist.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Was die Schaffung der Paddel- und Pedalstation angeht, so könnte sich Redenius aber schon jetzt einen Standort an der Mühle vorstellen. „Wenn wir so weit sind, werden wir einen Betreiber suchen. Der Fremdenverkehrsverein könnte unterstützen“, schlägt er vor. Hinte hätte dabei durchaus Potenzial, glaubt Kurt Radtke. Als Geschäftsführer der Touristik GmbH „Südliches Ostfriesland“ ist er für die Paddel- und Pedalstationen in der ganzen Region zuständig. Und an dieses Netz ließe sich seiner Meinung nach auch Hinte gut anbinden, sagt er unserer Redaktion. Es habe bereits Gespräche zwischen ihm und dem Bürgermeister gegeben, auch wenn es bislang noch keine konkreten Ergebnisse gebe.

Große Preisunterscheide bei Paddelstationen

So steht bislang auch nur fest, dass investiert werden muss, aber nicht wie viel. Die Ausstattung einer klassischen Paddel- und Pedalstation koste in der Regel 30.000 bis 40.000 Euro, wobei diese mit der Zeit eher teurer als günstiger werde, weiß Radtke. Es gebe aber auch Stationen für 230.000 Euro. Man müsse klären, wie viele Fahrräder und Kanus benötigt werden, was sonst noch zur Ausstattung dazuzählen soll und ob es einen Anleger gibt. Auch sei entscheidend, ob man noch ein Gebäude bauen müsse oder ob es bereits eine geeignete Immobilie für die Nutzung gebe und ob man diese erst kaufen muss.

Außer der Paddel- und Pedalstation könnten zudem auch Wohnmobilstellplätze an der Mühle entstehen, schlägt Redenius vor. Auch das müsste erst genau geprüft werden. Im September hieß es aus dem Rathaus, dass es mehrere Potenzialflächen in der Gemeinde gibt, die diese Möglichkeit bieten würden. Infrage kämen dafür Bereiche, an denen Wohnmobile stehen können, ohne dass sich Anwohnerinnen und Anwohner gestört fühlen. Schon seit dem Beginn seiner Amtszeit setze sich Redenius für die Stellflächen ein. „Ich finde, es ist wichtig, mit der Zeit zu gehen. Und WoMo-Stellplätze sind immer mehr gefragt. Man braucht nur in die umliegenden Gemeinden zu schauen“, so Redenius im September.

Neue Touren am schiefen Turm

Darüber hinaus könnte in Zukunft die Kirche in Suurhusen eine noch stärkere Rolle für den Tourismus spielen. Schon jetzt halten dort Reisebusse, um sich den schiefen Kirchturm anzuschauen, der es mit seinem Neigungswinkel sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat. Allerdings gibt es bislang zwar Führungen durch die Kirche, schreibt Redenius. Organisierte Kirchturmtouren hingegen noch nicht. Das soll sich ändern.

Während diese drei Projekte den Kern der ersten größeren Planungen bilden, wird darüber hinaus noch ein Flyer entwickelt. Er soll Urlaubern die Gemeinde Hinte anpreisen. Außerdem gehöre zu dem Tourismuskonzept noch ein kleiner Weihnachtsmarkt dazu, so der Bürgermeister. Angedacht ist, dass er an einem Sonnabend von dem Rathaus laufen soll, kündigt er an.

Touristiker: Auf das Marketing kommt es an

Zu den übrigen Ideen der Studierenden, die noch näher besprochen werden sollen, gehören eine Vernetzung mit den Touristikern in den Nachbargemeinen, Büchertelefonzellen, bessere Beschilderungen, ein Ausflugsschiff sowie auf Hundebesitzer zugeschnittene Angebote. Aber auch der Bustourismus soll ausgebaut werden. Von 35 Busreiseunternehmen im Umkreis von 250 Kilometern rund um Hinte würden, so das Ergebnis der Studierenden, nur drei von ihnen Ziele in den direkten Nachbargemeinden anbieten. Reiseziele in Hinte selbst würden von keinem im Programm geführt. Auch wenn es ohne Frage Reisebusse gibt, die zumindest den schiefen Kirchturm in Suurhusen ab und an ansteuern, hieß es im April in Hintes Gemeinderat.

Wiebke Leverenz, die Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH, betont nun auf Nachfrage, dass es auch kleine Orte schaffen können, ein Stück vom Tourismuskuchen abzubekommen. Selbst wenn es, wie im Falle von Hinte, Gemeinden und Städte mit Stränden, Häfen mit Krabbenfischern und mehr in der Nähe gebe. Anbindungen ans Radnetz oder die Kanäle seien schon mal eine gute Ausgangslage, damit Urlauber überhaupt in die Nähe kommen.

Was die Angebote vor Ort angeht, so könne eigentlich jedes davon gut laufen, wenn man es richtig vermarkte. Selbst wenn es das auch schon in anderen Orten gebe. Die Frage sei, wie professionell man sich aufstellen wolle, ob man sich beispielsweise eine eigene Tourismus-Gesellschaft leiste oder ob es ansonsten genügend „Kümmerer“ gebe, die sich mit den Angeboten für die Gäste befassen. Der Zeitpunkt für die Erarbeitung eines Konzeptes für den Tourismus ist jedenfalls günstig: Aktuell läuft das Dorfentwicklungsprogramm in der Gemeinde. Hierüber ist es möglich, dass neue Projekte gefördert werden, die auch unter touristischer Sicht für Hinte interessant sind.

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