Hamburg  Schweinepest: Fleisch von Tieren aus Sperrzone könnte in der Dose landen

Dirk Fisser
|
Von Dirk Fisser
| 06.07.2022 15:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
1800 Schweine werden in Freren gekeult. Dazu werden sie einer tödlichen Menge Strom ausgesetzt. Das Foto entstand bei der Nottötung von Schweinen auf einem Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2021. Foto: Jens Büttner/dpa
1800 Schweine werden in Freren gekeult. Dazu werden sie einer tödlichen Menge Strom ausgesetzt. Das Foto entstand bei der Nottötung von Schweinen auf einem Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2021. Foto: Jens Büttner/dpa
Artikel teilen:

Was klar ist: Im Emsland werden weitere 1800 Schweine nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest notgetötet. Was nicht klar ist: Was mit weiteren fast 200.000 Tieren in Niedersachsen passiert, die im Umfeld des Ausbruchbetriebes gehalten werden.

Mit ihrer Unterschrift hat Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) das Schicksal von 1800 weiteren Schweinen besiegelt: Die Tiere in einem Stall in Freren im Landkreis Emsland sollen noch am Mittwoch getötet werden, auch wenn bei ihnen bislang keine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) festgestellt worden ist.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht”, sagte Otte-Kinast. Der Betrieb aus Freren steht in direkter Verbindung mit dem Stall in Emsbüren, in dem die ASP ausgebrochen ist. Die Tiere in Emsbüren, 280 Sauen und 1500 Ferkel, wurden bereits am Wochenende getötet.

Nach Angaben der Ministerin bezog der Bauer aus Freren noch am vergangenen Mittwoch Ferkel aus Emsbüren. Am Donnerstag entdeckte der Landwirt in Emsbüren dann verendete Sauen in seinem Stall. Der alarmierte Tierarzt schickte Proben an das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das dann am Freitag den Ausbruch der ASP bestätigte.

Weil zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit bis zu 14 Tage liegen können, sollen nun die 1800 Mastschweine aus Freren vorsorglich notgetötet werden. Dazu werden Gehirn und Herz der Tiere einer tödlichen Menge Strom ausgesetzt. Die Kadaver werden verbrannt. Bislang konnte in dem Bestand noch keine ASP-Infektion nachgewiesen werden.

Zudem haben die Behörden derzeit noch einen weiteren Betrieb genau im Blick: Der Tierarzt war auf beiden Höfen unterwegs. Michael Kühne, Leiter der Tierschutz-Abteilung im Ministerium, sagte, hier müssen man sich aber „keine akuten Sorgen” machen. Entsprechende Hygienevorschriften seien wohl eingehalten worden.

Zum größeren Problem könnten indes die fast 200.000 Schweine werden, die innerhalb der Sperrzone gehalten werden. Diese gilt seit Dienstag in einem Zehn-Kilometer-Radius rund um den Ausbruchbetrieb in Emsbüren und erstreckt sich über Teile der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim. Noch bis zum 11. Juli gilt hier ein sogenannter „Stand Still”. Bis dahin darf also keines der bislang gesunden Tiere transportiert worden.

Für die Zeit danach muss ein Schlachthof gefunden werden, der schlachtreife Tiere tötet. Ansonsten könnte es nach und nach eng werden in den Ställen - ähnlich der Situation während des sogenannten Schweinestaus, als einzelne Schlachthöfe wegen Corona-Ausbrüchen geschlossen wurden.

Die Landesregierung führt dazu am Mittwochnachmittag Gespräche mit Vertretern der Fleischwirtschaft. Klar dürfte sein: Weder Landwirte noch Unternehmen werden mit dem Fleisch Geld verdienen können. Es wird wohl in keiner Kühltheke im Supermarkt, sondern in Dosen landen.

Das geht aus der Ordnungsverfügung des Landkreises Emsland hervor, in der zahlreiche Auflagen und Vorschriften gemacht werden. Eine davon: Das Fleisch aus der Sperrzone muss bei 80 Grad Celsius wämebehandelt und dann in einem „hermetisch verschlossenen Behälter” verpackt und für mindestens vier Stunden bei 60 Grad behandelt werden.

So soll wohl mit letzter Gewissheit ausgeschlossen werden, dass der Erreger sich doch weiter verbreitet. Das Virus gilt als sehr widerstandsfähig und kann sich noch über Wochen auch bei niedrigen Temperaturen in Fleisch halten. Eine Infektion endet für Schweine fast immer tödlich. Eine Impfung gibt es noch nicht. Für Menschen ist der Erreger indes ungefährlich.

Ähnliche Artikel