Osnabrück Feigheit vor dem Feind - Putins Kriegsemissär Lawrow brüskiert G20
Russlands Interesse besteht allein in der Verbreitung von Kriegspropaganda. Das hat Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Treffen unter Beweis gestellt. Mit integrer Diplomatie hat das nichts zu tun.
Die vorzeitige Abreise des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom Treffen mit den G20-Amtskollegen führt anschaulich vor Augen, wie verhärtet die Fronten zwischen Russland und dem Westen infolge des Ukraine-Krieges sind. Beide Seiten sind gefangen in einer Endlosschleife aus Vorwürfen und Drohungen. Man hört einander nicht mehr zu, sondern bekräftigt mantramäßig nur eigene Positionen. Wie soll das weitergehen? Vor allem: Wo soll es enden?
Russlands Präsident Wladimir Putin wird fraglos auf Zeit spielen. Die Sanktionen der EU wirken nicht so schnell, wie man es gehofft hat, fallen stattdessen spürbar auf die heimischen Ökonomien zurück. Am Erfolg des Grundsatzes, die Strafmaßnahmen müssten „Russland mehr schaden als uns“, melden immer mehr Skeptiker Zweifel an. Überdies ist Moskau international nicht so isoliert, wie es USA und EU gern hätten.
Deshalb kann Wladimir Putin den Feldzug in der Ukraine nach Ansicht von Experten militärisch wohl über Jahre durchhalten. Sollte Putin demnächst das Gas gen Europa ganz abdrehen, wird der Winter zeigen, was alle Solidaritätsversprechen mit der Ukraine wert sind, wenn es den westlichen Gesellschaften wirklich ans Eingemachte geht. So weit sollte es die Politik nicht kommen lassen.
Es wird Zeit, die Spirale der Sprachlosigkeit zu durchbrechen. Der Hinweis Lawrows, wenn der Westen glaube, den Krieg in der Ukraine auf dem Schlachtfeld entscheiden zu können, liege er falsch, ist Teil einer bitteren Wahrheit.
Wäre Moskau aber an einem echten diplomatischen Dialog interessiert, hätte sich Lawrow auf Bali der Debatte seiner Kritiker gestellt. Sich bei multilateralen Treffen zu ignorieren oder ganz aus dem Weg zu gehen, führt zu nichts. Wer solche Gepflogenheiten an den Tag legt, kann sich gleich ganz aus dem Kreis der G20 verabschieden. Ob Putin im November zum Treffen der G20-Staats- und Regierungschefs reist? Man darf gespannt sein.