Radverkehrskonzept Radfahrer in Wiesmoor sollen sich Straßen mit Autos teilen
Im Verkehrsausschuss wurde ein Zwischenbericht des Radverkehrskonzeptes für Wiesmoor vorgestellt. Was die Planer vorhaben und was sie vorgefunden haben.
Wiesmoor - Radfahrer sollen in Wiesmoor künftig häufiger die Straße benutzen. Das ist eine der Kernaussagen des geplanten Radverkehrskonzeptes, wie es im Ausschuss für Verkehr und Feuerschutz in einem Zwischenbericht vorgestellt wurde. „Der Radverkehr in Wiesmoor kann und sollte überwiegend auf der Fahrbahn stattfinden“, sagte Fabian Roelcke vom mit der Ausarbeitung des Konzeptes beauftragten Ingenieurbüro Roelcke und Schwerdhelm (Varel). Dabei war sich der Planer durchaus bewusst, dass das objektiv von Fachleuten als sehr sicher bewertete Fahren auf der Fahrbahn subjektiv von Radfahrern und Autofahrern anders wahrgenommen wird.
Was und warum
Darum geht es: Die Stadt Wiesmoor erstellt ein Radverkehrskonzept, um die Sicherheit zu erhöhen und mehr Menschen zum Umstieg auf die umweltfreundliche Fortbewegungsart zu bewegen.
Vor allem interessant für: Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer
Deshalb berichten wir: Ein Zwischenbericht wurde im Ausschuss für Verkehr und Feuerschutz vorgestellt. Den Autor erreichen Sie unter: o.baer@zgo.de
Nach Ansicht der Fachplaner sollten die Stellen, an denen Radfahrer und Fußgänger gemeinsam einen Bereich nutzen, kritisch hinterfragt werden. An mehreren Stellen des vorhandenen Radwegenetzes empfehlen sie, die Radweg-Benutzungspflicht aufzuheben, da diese an strenge gesetzliche Vorgaben geknüpft sei – etwa eine vorhandene besondere Gefahrenlage. Zudem müssten Mindeststandards etwa bei Breite oder Oberfläche gegeben sein und die Fläche müsse auch den Fußgängern ausreichend Raum geben. „Grundsätzlich ist das Radfahren auf der Fahrbahn allein schon wegen des Sichtkontaktes objektiv sicherer als neben der Fahrbahn“, betonte Roelcke. Piktogramme auf der Fahrbahn seien eine Möglichkeit das Regelverständnis und damit die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen. Den Ansatz des geteilten Straßenraums gibt es unter anderem an verschiedenen Stellen in der Stadt Leer. Unumstritten ist dieses Konzept nicht.
Empfehlung: Fahrradstraßen
Wegen des fehlenden Sichtkontaktes sollte den Planern zufolge auch das Fahren auf der falschen, der linken, Fahrbahnseite innerorts die absolute Ausnahme sein. Zur Begründung zog Roelcke einen Blick auf die Unfallzahlen der Jahre 2018 bis 2020 heran. Auffallend häufig waren Radfahrer auf der falschen Fahrbahnseite in Unfälle verwickelt. Sollte eine linksseitige Führung des Radverkehrs in Ausnahmefällen doch einmal sinnvoll sein, sei es notwendig, Kreuzungen und Einmündungen besonders zu sichern. Auch bei Stellen, an denen die Straße überquert wird, empfehlen die Planer eine deutliche Kennzeichnung und Gestaltung.
Als weiteres probates Mittel den Radverkehr sicherer zu gestalten, führen die Planer Fahrradstraßen an. Geeignet seien dafür Erschließungsstraßen und Straßen mit geringer Verkehrslast mit Bedeutung für das Radwegenetz. Dort dürften Autos nur fahren, wenn sie durch entsprechende Beschilderung gesondert dafür frei gegeben würden, die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit von 30 einhielten und ihr Tempo der jeweiligen Verkehrssituation anpassten. Als sinnvoll erachten die Planer etwa die Schulstraße oder den Bereich Wolfsweg/Grenzweg als Fahrradstraßen auszuweisen.
Licht und Schatten in Wiesmoor
Bei seiner Analyse des Bestandes an Radwegen in Wiesmoor hat das beauftragte Ingenieurbüro Licht und Schatten vorgefunden. An vielen Stellen im Stadtgebiet sei bereits heute sichtbar, dass der Fuß- und Radverkehr bei der Planung mitgedacht wurden, sagte Roelcke. Das Potenzial für eine kontinuierliche und stimmige Führung des Radverkehrs innerhalb der Stadt sei ebenso vorhanden wie an vielen Orten der Platz, der dafür benötigt werde. Die größte Herausforderung und Aufgabe sei für alle Beteiligten die Verkehrsführung entlang der B 436 mit dem Problembereich rund um das Kaufhaus Behrends. „Hier liegt einiges im Argen und das nicht nur bei den Fahrradstellplätzen“, sagte Roelcke. Eine Auflistung der Mängel mit genauen Ortsangaben werde derzeit erstellt. Bis zum Monatsende soll die Liste der Stadtverwaltung vorliegen. Für den September sei eine Fahrradtour geplant, bei der kritische Stellen begutachtet werden sollen.
Von dem Radverkehrskonzept erhofft sich die Stadt Wiesmoor kurze, direkte und sichere Verkehrswege für Radfahrer. Das angedachte Radverkehrsnetz soll nicht nur zentrale Orte des Stadtkerns miteinander verbinden, sondern auch die Anbindung der Stadtteile deutlich verbessern. Die Planung des Radverkehrsnetzes ziele auf Potenziale ab: Mit einem guten Netz lasse sich die Nutzung des Fahrrads als Verkehrsmittel steigern, erläuterte Verkehrsplaner Roelcke. Zielgruppe der Planung seien geübte und weniger geübte Radfahrer im Alltagsradverkehr. Für diesen sei eine gute Erschließung der Ziele mit bestenfalls nur minimalen Umwegen, ein vorhandener Pflege- und Winterdienst und auch die soziale Sicherheit, für die auch eine ausreichende Beleuchtung nötig sei, von Bedeutung.