Nicht zuständig Leeraner Tafel bittet Stadt um Geld – und bekommt eine Absage
Die Leeraner Tafel hat arge finanzielle Sorgen und hat unter anderem bei der Stadt um eine regelmäßige Förderung gebeten. Die könne es gar nicht geben, sagt der Bürgermeister.
Leer - „Die Lage ist richtig ernst“, sagt Pastor Andreas Bartels. Er ist beim Evangelischen Diakonieverband in Ostfriesland unter anderem zuständig für die Leeraner Tafel. Die sammelt bei Geschäften in der Region in Kürze ablaufende oder beschädigte Lebensmittel ein, um sie gegen einen minimalen Obolus an Bedürftige zu geben.
Was und warum
Darum geht es: Die Tafel kommt an ihre finanziellen Grenzen und hat unter anderem die Stadt um Hilfe gebeten. Von dort sei aber kein Geld zu erwarten, sagt der Bürgermeister.
Vor allem interessant für: Personen, die auf Unterstützung von der Tafel hoffen, und diejenigen, die gerne helfen wollen
Deshalb berichten wir: Bürgermeister Claus-Peter Horst hatte den nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss über die Anfrage der Tafel informiert. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Die gestiegenen Energie- und Spritpreise bringen die Einrichtung mit ihren ehrenamtlichen Helfern gleich doppelt an ihre Grenzen. Zum einen steigt die Zahl der potenziellen Kunden, während das Angebot aus den Supermärkten sinkt. Zum anderen müssen auch bei der Tafel Benzin, Heizung und Miete bezahlt werden. „Unser Bulli fährt im Monat 1000 Kilometer“, sagt Bartels. „Und unser Vermieter hat gewechselt, da müssen wir mit einer Mieterhöhung rechnen.“
Mehrere potentielle Spender angeschrieben
Angesichts dieser Situation und weil die Leeraner Tafel über keinerlei gesicherte und regelmäßige Einnahmen verfüge, habe man sich entschieden, per Brief verschiedene potentielle Geber um einen regelmäßigen Betrag über eine gewisse Zeit zu bitten.
Einen entsprechenden Brief habe auch die Stadt bekommen, bestätigt Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos). In dem Schreiben sei von 10.000 Euro die Rede gewesen, von denen die Stadt doch bitte einen Teil übernehmen solle.
Freiwillige Leistung
„Die Arbeit der Tafel ist ganz wichtig und anerkennenswert“, betont Horst im Gespräch mit der Redaktion. Eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt könne es aber trotzdem nicht geben. Sie falle nicht in ihre Zuständigkeit, was eine Förderung automatisch zu einer so genannten freiwilligen Leistung mache. Solchen Ausgaben wiederum seien einer Stadt mit so großen finanziellen Problemen, wie Leer sie habe, enge Grenzen gesetzt. Sonst riskiere man Probleme mit der Aufsichtsbehörde, also mit dem Landkreis. Für diese Absage hat sich die Stadtverwaltung ohne Rücksprache mit der Politik entschieden. Sie sei Teil der laufenden Verwaltung, sagt der Bürgermeister.
Die Argumentation, die dieser Absage vorausging, kann Bartels nachvollziehen. Den Versuch wollte er trotzdem gestartet haben: „Die Politik betont ja immer, wie wertvoll unsere Arbeit ist.“ Die Tafel finanziere sich ausschließlich durch Spenden, „und wir haben ganz tolle und ganz treue Spender“. Serviceclubs wie der Lions-Club oder die Rotarier gehörten dazu und hätten ebenso wie die zahlreichen anderen Unterstützer geholfen, dass es die Tafel trotz Corona und der jetzigen Schwierigkeiten immer noch gebe. Aber man habe halt keinerlei Planungssicherheit, könne immer nur kurzfristig agieren.
Die Existenz der Leeraner Tafel will Bartels noch nicht in Frage stellen. „Wir wollen auf keinen Fall ein Untergangsszenario entstehen lassen.“ Aber die Situation sei schwierig und werde immer schwieriger. „Ich bin davon überzeugt, dass die große Welle von Neukunden erst noch kommen wird.“ Das seien vor allem diejenigen, die bisher noch knapp über die Runden kommen, sich wegen der immer weiter steigenden Kosten aber nicht länger zu helfen wüssten. Die Arbeit der Tafel sei wichtig und werde immer wichtiger. Deshalb wollten er und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter nichts unversucht lassen, dass es weitergehe. „Wenn wir als Diözese nicht optimistisch sind, wer soll es dann sein“, sagt Bartels.