Vortrag für Ältere  Falscher Polizist warnt vor falschen Polizisten

Franz-Josef Höffmann
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Von Franz-Josef Höffmann
| 08.07.2022 16:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der 23-Jährige muss sich vor dem Oldenburger Landgericht bereits wegen mehrfachen Betrugs verantworten. Archivfoto: Kruse
Der 23-Jährige muss sich vor dem Oldenburger Landgericht bereits wegen mehrfachen Betrugs verantworten. Archivfoto: Kruse
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Der 23-Jährige soll Senioren um mehrere Hunderttausend Euro erleichtert haben. Seinen Fehler wollte er wieder gut machen. Deswegen hat er einen Vortrag vor älteren Menschen gehalten.

Oldenburg - Ein falscher Polizist aus Nordenham hat vor Senioren in Oldenburg einen Vortrag über die Gefahren gehalten, die von falschen Polzisten ausgehen. Der 23-Jährige muss sich zurzeit bereits vor dem Oldenburger Landgericht wegen bandenmäßigen Betruges in 53 Fällen verantworten. Das bestätigte am Freitag der Nordenhamer Rechtsanwalt Bernd Bierfischer. Er vertritt im Oldenburger Prozess den 23-Jährigen anwaltlich.

Im Vorfeld des Verfahrens habe sein Mandant ihn gefragt, ob er bezüglich der dreisten Abzocke-Taten etwas wieder gutmachen könne. So habe man Kontakt zum Oldenburger Präventionsrat (Seniorenbeirat) aufgenommen. Dort sei man mit einem Vortrag des Mandanten einverstanden gewesen. Alle seien darüber informiert gewesen, dass sein Mandant selbst ein falscher Polizist gewesen sei, so Bierfischer. Der 23-Jährige hatte den Senioren dann wertvolle Tipps gegeben, wie man sich am Telefon verhält, wenn falsche Polizisten anrufen.

Angeklagter holte Wertsachen ab

Der 23-Jährige musste es ja wissen, denn er hatte selber in Nordenham, Varel, Meppen, Wilhelmshaven und Oldenburg insgesamt 53 Senioren abgezockt. Der Nordenhamer war derjenige, der im Auftrag einer international agierenden Verbrecherbande bei den jeweils Geschädigten Geld, Schmuck und EC-Karten nebst PIN-Nummer abgeholt hatte. Die Drahtzieher sitzen in einem Callcenter in der Türkei. Sie rufen pausenlos bei Senioren in Deutschland an, berichten von Verbrecherbanden, die es auf das Geld der Senioren abgesehen hätten.

Das gesamte Vermögen müsse vor die Tür gelegt werden, damit es von der Polizei in Sicherheit gebracht werden könne. Die Senioren verloren zum Teil ihr gesamtes Vermögen. Der Schaden wird im Prozess mit mehreren Hunderttausend Euro beziffert. Der 23-Jährige holte das Geld ab und überwies es in die Türkei.

Mit den EC-Karten wurden die Konten der Senioren geplündert. Er habe anfangs aus Unwissenheit mitgemacht, sei dann zum Weitermachen erpresst worden, sagte der 23-Jährige im Verfahren. Er riet den Senioren, sofort wieder aufzulegen, wenn am Telefon Horrorgeschichten erzählt würden. Der Prozess gegen den Angeklagten wird fortgesetzt.

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