Keitum auf Sylt  Kirchliche Trauung, ohne in der Kirche zu sein – ist das in Ordnung?

Benjamin Lassiwe
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Von Benjamin Lassiwe
| 09.07.2022 14:31 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am Sonnabend ist die kirchliche Trauung von Franca Lehfeldt und Christian Lindner auf Sylt. Foto: Marcus Dewanger
Am Sonnabend ist die kirchliche Trauung von Franca Lehfeldt und Christian Lindner auf Sylt. Foto: Marcus Dewanger
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Finanzminister Christian Lindner heiratet in einer evangelischen Kirche auf Sylt, obwohl nach allem, was öffentlich bekannt ist, weder er selbst noch seine Gattin Franca Lehfeldt der Kirche angehören. Das hinterlässt einen faden Nachgeschmack.

Am Sonnabend werden sie gemeinsam aus der Kirche von Keitum auf Sylt kommen: Bundesfinanzminister Christian Lindner und seine Gattin, die Journalistin Franca Lehfeldt. Die Hochzeit ist ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Und dem glücklichen Paar kann man eigentlich nur gratulieren.

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Doch es gibt da einen kleinen Schönheitsfehler: Lindner heiratet in in einer evangelischen Kirche, obwohl nach allem, was öffentlich bekannt ist, weder er selbst noch seine Gattin der Kirche angehören. Der Regelfall ist solch eine Trauung nicht. Normalerweise sollte auch in der evangelischen Nordkirche wenigstens einer der Partner der evangelischen Kirche angehören.

Und das ist auch richtig so – schließlich tragen die Kirchenmitglieder mit ihrer Kirchensteuer überhaupt erst dazu bei, dass es auch auf der Insel Sylt Pastoren und Gotteshäuser gibt. Dazu kommt, dass eine kirchliche Trauung keine Showveranstaltung ist. Sie ist eine Amtshandlung der evangelischen Kirche, in der dem Brautpaar der Segen Gottes zugesprochen wird.

Keitum ist nicht Las Vegas, wo jeder mal schnell vor irgendeinen Altar treten kann. Und Keitum ist hoffentlich auch nicht Hollywood, wo die große Feier mit zahllosen Prominenten im Mittelpunkt steht, und die Kirche nur irgendwie gebraucht wird, um das Bild der Märchenhochzeit aus der heilen Welt zu komplettieren.

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Sicher, in manchen seelsorgerlich begründeten Fällen kann es Ausnahmen geben. Es kann Fälle geben, in die Kirche einem Brautpaar, das nicht in der Kirche ist, den Segen Gottes zuspricht. Genau, wie es Fälle geben kann, in denen aus der Kirche Ausgetretene trotzdem evangelisch bestattet werden.

Das hat die Nordkirche sogar noch einmal explizit festgehalten, als ihre Synode 2020 beschloss, dass Gottesdienste aus Anlass einer wichtigen Station im Leben eines Menschen auch gefeiert werden können, wenn diese Menschen nicht mehr in der Kirche sind. Denn für die Kirche sind solche Feiern immer auch eine Chance, Menschen zu erreichen, die geistlich auf der Suche sind, und vielleicht den letzten Schritt hin zu einer Kirchenmitgliedschaft noch nicht gegangen sind. Und in der Tat hat Christian Lindner – anders als viele andere Minister – bei der Übernahme seines Amtes auch die religiöse Eidesformel mit dem Gottesbezug geschworen.

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Aber eignet sich die mediale Hochzeit des Jahres wirklich für so einen Ausnahmefall? Gehört der seelsorgerlich begründete Einzelfall nicht eigentlich in den ganz kleinen Kreis? Setzt die Kirche hier nicht genau das falsche Signal in die Öffentlichkeit? Signalisiert sie nicht gerade am Beispiel von Christian Lindner, dass im Grunde egal ist, ob man Kirchenmitglied ist, oder nicht?

Eleganter wäre es jedenfalls gewesen, wären Christian Lindner und Franca Lehfeldt aus Anlass ihrer Hochzeit in die Kirche eingetreten. Denn so hinterlässt das Sylter Medienereignis des Jahres bei vielen Kirchenmitgliedern einen schalen Nachgeschmack.

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