Prozess in Aurich  Falsches Gold gegen echtes Geld getauscht

Bettina Keller
|
Von Bettina Keller
| 11.07.2022 16:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Verhandelt wurde vor dem Auricher Amtsgericht. Foto: Ortgies/Archiv
Verhandelt wurde vor dem Auricher Amtsgericht. Foto: Ortgies/Archiv
Artikel teilen:

Ein 60-jähriger Auricher soll sich von einem Bekannten 18.500 Euro geliehen und als Sicherheit gefälschte Goldbarren übergeben haben. Nun steht er vor Gericht.

Aurich - Die Geschichte klingt unglaublich. Ein 60-jähriger Auricher soll im Mai 2020 von einem gleichaltrigen Bekannten 18.500 Euro geliehen und ihm als Sicherheit gefälschte Goldbarren übergeben haben. Der Fall wurde am Montag zum zweiten Mal vor dem Auricher Amtsgericht verhandelt. Wie im Februar konnte der Betrugsprozess nicht beendet werden, weil ein Zeuge nicht erschienen ist.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. Ein Cousin von ihm habe mit dem Geschädigten Goldgeschäfte abgeschlossen, ließ er sich zu dem Vorwurf ein. Er habe nur vermittelt und dafür eine Provision erhalten. „Die Barren waren eingeschweißt, das habe ich selbst gesehen“, so der Angeklagte. Ob er gewusst habe, dass sie gefälscht waren, wollte Richter Nils Drosten wissen. „Für mich waren sie echt“, erklärte der Angeklagte. Die Staatsanwältin ließ sich die Übergabemodalitäten genau schildern. „Das Treffen war auf dem Grundstück des Geschädigten gewesen, unterm Carport“, sagte der Angeklagte. Mit dem Geschädigten habe er nun keinen Kontakt mehr. Man habe nur einmal telefonisch über die Sache gesprochen.

Falsches Gold in blauer Brotdose

Der betroffene Auricher setzte sich an den Zeugentisch und nahm eine blaue Vesperdose aus Plastik aus einer mitgebrachten Tasche, ebenso zerknülltes Papier. Als er mehrere Ordner bereitlegen wollte, bat ihn der Richter, das Material erstmal wieder wegzustecken. Der Zeuge schilderte eine andere Version der Geschehnisse. „Er kam mit einem Schreiben von der Steuerfahndung auf mich zu, ob ich ihm Geld leihen kann – 18.500 Euro in Etappen“, berichtete er. Als Sicherheit habe ihm der Angeklagte das Falschgold gegeben. Bei dem Geld habe es sich um seine Altersvorsorge gehandelt, die er bei sich zu Hause „unterm Kopfkissen“ aufbewahrt habe.

Die Geldübergaben seien in einem Wohnwagen auf seinem Grundstück erfolgt sowie auf einem Feldweg. „Ich wollte ihm helfen. Bei uns zu Hause wird Nächstenliebe großgeschrieben“, sagte er zu seiner Motivation. Schriftliches habe man nicht fixiert. Als er zu ihm hingefahren sei, weil er sein Geld wiederhaben wollte, habe ihn der Angeklagte mit einer Waffe bedroht. Anschließend habe er das Gold bei einem Goldankauf auf seine Echtheit prüfen lassen. Er habe sich daraufhin in der Psychiatrie behandeln lassen müssen.

Weiterer Betrug mit Uhren

Der Geschädigte trat mit der blauen Dose vor den Richter, in der sich mehrere Packen eingeschweißter und gebündelter Goldbarren befanden. „In dieser Dose habe ich sie bekommen. Die Blöcke sind mit Kürzeln beschriftet, für wen seiner Kinder sie ursprünglich gedacht gewesen waren. Er hat mir gesagt, ich dürfte die Einschweißung keinesfalls öffnen“, erklärte er. Der Angeklagte trat nach vorne und bestritt, dass dies seine Schrift sei.

Ein zweiter Zeuge aus Uplengen belastete den Angeklagten ebenfalls schwer. Er sei von ihm um rund 36.000 Euro gebracht worden, sagte der 69-Jährige aus. Er habe ihm im Jahr 2018 nach einem Kennenlernen wertvolle Uhren zum Verkauf gegeben, für die er im Gegenzug das Falschgold bekommen hätte, schilderte er sehr aufgebracht. Der Zeuge hatte einen ganzen Ordner an Dokumenten als Beweismittel mitgebracht. Die Goldbarren schüttete er auf der Brüstung vor dem Richter aus. „Das ist alles Schrottgold!“, rief er. Er habe letztlich in Aurich ein paar Leute kontaktiert, darunter den 60-jährigen Geschädigten, um sich zu erkundigen wie er „die Kohle“ wiederkriege.

Der Prozess wird am 26. Juli um 14 Uhr in Saal 107 fortgesetzt.

Ähnliche Artikel