Gemeinde Ihlow stellt Pläne vor  Wohnpark ruft Bürgerinitiative auf den Plan

| | 11.07.2022 17:44 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Status: Es ist kompliziert. Ob es in Ihlowerfehn bald neue Bauplätze geben wird, darüber diskutiert am Mittwoch der Bauausschuss. Symbolfoto: Dittrich/dpa
Status: Es ist kompliziert. Ob es in Ihlowerfehn bald neue Bauplätze geben wird, darüber diskutiert am Mittwoch der Bauausschuss. Symbolfoto: Dittrich/dpa
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Was als Infoveranstaltung geplant war, führte zu hitzigen Diskussionen. Sogar eine Bürgerinitiative wurde gegründet, um die Baupläne des Investors zu verhindern.

Ihlowerfehn - Kaum ein Thema hat in der letzten Zeit in der Gemeinde Ihlow so schnell Menschen auf den Plan gerufen wie der Punkt 5 auf der Tagesordnung des Ortsrates in Ihlowerfehn. Vorgestellt wurde ein Baugebiet, das zwischen den Straßen Wieke und Alte Wieke entstehen könnte. Ein Vorhaben, das mehr als 60 Interessierte und teils sehr aufgebrachte Zuschauer ins Awo- und Boßel-Heim führte. Hintergrund: Ein Emder Investor möchte auf einer 4,6 Hektar großen Fläche den „Wohnpark am Ihlower Forst“ erschließen. Seine Vision: Kleine Grundstücke mit im ersten Bauabschnitt 35 Einfamilienhäusern, 16 Doppelhaushälften, vier Reihenhäusern mit bis zu fünf Parteien und vier Mehrfamilienhäusern. „Auch ein Seniorenheim wäre möglich“, hieß es auf Anfrage.

Was und warum

Darum geht es: In der Sitzung des Ortsrates Ihlowerfehn gab es Mittwoch viel Gegenwind für die Pläne eines Investors, einen Wohnpark in Ihlow zu erschließen. Dabei sind Bauplätze und Wohnraum knapp.

Vor allem interessant für: Menschen, die Bauplätze und Wohnraum suchen, Anwohner, Politik und die Verwaltung

Deshalb berichten wir: Mitglieder der Bürgerinitiative hatten auf den Konflikt hingewiesen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Eine Planung, die bei der Sitzung in Ihlowerfehn nicht für Jubel sorgte, sondern zur Gründung einer Bürgerinitiative führte. Darin versammeln sich nach Aussage eines Mitglieds etwa 22 Menschen, die sich von den Planungen überrumpelt fühlen. Ihr zentrales Anliegen: „Wir wollen, dass nicht ein Investor, sondern die Gemeinde Ihlow die Erschließung übernimmt und die Grundstücke verkauft.“ Die Initiative spekuliert so auf niedrigere Kosten für die interessierten Käufer, namentlich genannt werden möchte der Gesprächspartner nicht. Die Forderung, die Erschließung von der Gemeinde durchführen zu lassen, übernahmen auch die Mitglieder des Ortsrates in ihrem Beschluss zum Baugebiet.

Gemeinde hat kein Zugang zur Straße

So einfach lässt sich das Wohnraumproblem in der Gemeinde Ihlow allerdings nicht lösen. Die Gemeinde und die gemeindeeigene Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow mbH (EDI) besitzen anschließend an den geplanten Wohnpark zwar eigene Flächen in der Größe von 4,4 Hektar. Es fehlen allerdings Grundstücke, über die diese Flächen erschlossen werden können. Die wiederum hat der Investor für den Wohnpark bereits gekauft. Über das Grundstück an der Alten Wieke 56 könnten so zunächst der Wohnpark selbst und schließlich auch die Flächen der Gemeinde erschlossen werden. Das hier noch stehende Gebäude soll einer Zufahrt zum neuen Wohnpark weichen, sollte dieser umgesetzt werden.

Die Gemeinde Ihlow befürwortet das Projekt. „Wir haben schließlich noch immer eine Liste mit 271 Vormerkungen für Bauplätze in Ihlowerfehn“, sagt Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos). „Die meisten Interessenten kommen aus der Gemeinde selbst.“ Wohnraum ist knapp, nicht nur hier. Deshalb hatte Ulrichs nicht mit heftigem Gegenwind für dieses Projekt gerechnet. „Die Gemeinde Ihlow hat schon vor mehr als 20 Jahren im Flächennutzungsplan festgelegt, dass hier Wohnbebauung vorgesehen ist“, sagt Ulrichs. Gespräche mit Eigentümern für den Kauf von Flächen für den Anschluss seien bereits vor seiner Amtszeit geführt worden. „Die Gemeinde konnte sich bisher mit den Eigentümern allerdings nicht einigen“, so Ulrichs.

Bauausschuss hat das Thema auf der Tagesordnung

Wie es jetzt weitergeht? „Wir wollen eine offene Diskussion zu dem Thema führen und den Prozess so transparent wie möglich machen“, sagt Ulrichs. Die Diskussion kann bereits am Mittwoch in die nächste Runde gehen. Dann steht der Wohnpark auf der Tagesordnung des Bau- und Umweltausschusses. Er beginnt um 19 Uhr im Bürgerhaus am Ihler Meer. Dann will Ulrichs noch einmal zeigen, wie groß der Bedarf an Wohnraum und Baugrundstücken ist. Ein Kritikpunkt der frisch gegründeten Bürgerinitiative ist unter anderem, dass der Bedarf in der Gemeinde gar nicht so groß sei und sich in der zitierten Liste der Vormerkungen viele Karteileichen befinden. „Das nehmen wir am Mittwoch noch einmal genau unter die Lupe“, verspricht Ulrichs.

Viel Gestaltungraum hat die Gemeinde Ihlow in diesem Fall nicht. „In unserem Interesse liegt natürlich, dass die Baupreise nicht noch weiter steigen“, so Ulrich. Dass die Region auf dieses Projekt verzichten kann, sieht er nicht. „Am Ende muss aber die Politik entscheiden, was sie will und dabei die Bedürfnisse aller im Blick behalten.“ Die Gemeinde selbst würde die eigenen Flächen am liebsten direkt über die Bangsteder Kirchstraße erschließen. Die Flächen dort stehen laut Ulrichs aber nicht zum Verkauf: „Da wollen wir auch niemanden überreden.“

Im ersten Schritt soll in der Sitzung des Bauausschusses am Mittwoch die Bauleitplanung für die insgesamt neun Hektar große Fläche als „allgemeines Wohngebiet“ angeschoben werden. Darin sind die Flächen der Gemeinde und des Investors enthalten. Geplant ist eine Umsetzung in zwei Bauabschnitten – zunächst könnte der Wohnpark gebaut und dann die Gemeindeflächen erschlossen werden. Die Beschlussvorlage umfasst den Plan, die dazu notwendigen Unterlagen von einem Planungsbüro erstellen zu lassen. Der Investor selbst wundert sich über die Gegenwehr. „Wir hören immer wieder, dass Kommunen eigentlich froh darüber sind, die Erschließung nicht selbst durchführen zu müssen“, sagt er. „Solche Aufgaben binden sehr viele Kapazitäten und am Ende bleibt immer das Risiko.“ Auch er bleibt, wie die Vertreter der Bürgerinitiative, lieber erst einmal anonym.

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