Action beim Bau Mehrere Tonnen schwere Treppe schwebt über Emder Festspielhaus
Am Dienstag war es auf der Baustelle des Festspielhauses in Emden spektakulärer. Die Treppen kamen in vier großen Teilen per Kran ins Gebäude. Wir durften uns insgesamt drinnen umschauen.
Emden - Lautlos schwebte das siebeneinhalb Tonnen schwere Treppen-Element über der Baustelle. Die drei Männer unten dirigierten ihren Kollegen in der Kran-Kabine mit ruhigen, routinierten Bewegungen. Langsam stieg das Beton-Baustück über die elf Meter hoch aufragenden Säulen hinweg. Dann wurde sie langsam abgesenkt - in den späteren Foyer-Bereich des Emder Festspielhauses am Wall.
Was und warum
Darum geht es: Mit großen Schritten nähert sich das Festspielhaus am Wall seiner Vollendung.
Vor allem interessant für: Kultur- und Veranstaltungsinteressierte in Emden und Ostfriesland
Deshalb berichten wir: Wir hatten vor kurzem nach dem aktuellen Stand der Arbeiten beim Festspielhaus gefragt. Kerstin Rogge-Mönchmeyer, Leiterin des Betriebs Kulturevents, bot uns dabei an, dass wir uns mal auf der Baustelle umschauen dürfen - insbesondere, da die Treppe in einem Stück eingebaut werden würde. Das Angebot nahmen wir gerne an. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Das neue Foyer wird zweistöckig und deutlich größer als der mehr als 50 Jahre alte Vorgängerbau. Die Treppen sollen zu beiden Seiten zu einer offenen Balustrade im ersten Stock führen. Am Dienstagmorgen brachte das Bauunternehmen Borchers aus Augustfehn die vier Beton-Elemente und steckte sie wie bei einem Lego-Baukasten zur fertigen Treppe zusammen. So beschrieb es Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer vor Ort.
Glasfahrstuhl und Glamour
„Wir haben mit dem Bau gerade noch rechtzeitig angefangen“, sagte sie. Dieser war schon vor Pandemie-Beginn praktisch in trockenen Tüchern und konnte nach einem Abrisskonzert im Juni vergangenen Jahres begonnen werden. Baumaterial konnte wohlweislich schon früh bestellt werden - Dachplatten und Klimaanlagen etwa stehen schon parat. Andere Kultureinrichtungen dürften in den kommenden Jahren wohl nicht von Neubauten träumen, sagte sie. Für Emden und die Region aber soll das Festspielhaus ein kultureller Leuchtturm werden - und ein in allen Bereichen moderner Bau.
Um die griechisch anmutenden Säulen, die bereits stehen, kommt später eine Glasfront. Einen Hitzekoller müsse man aber nicht befürchten. Das Glas sei technisch so geschaffen, dass es den Raum nicht aufheize. Ein Glasfahrstuhl soll neben den Treppen nach oben führen. Ein rot gesprenkelter Teppich werde im Foyer und auf den Treppen bereits für „Glamour“ sorgen. Die Gastronomie-Theke im hinteren Bereich soll neu und „konzentrierter“ gestaltet werden. Zuvor war es ein langer Tresen gewesen, hinter dem die Mitarbeiter nach links und rechts zu den Gästen hechten mussten. Loungemöbel und Stehtische sind angedacht. Historische Hafenansichten in schwarz-weiß sollen im Eingangsbereich aufgehängt werden, so Rogge-Mönchmeyer. Es soll alles insgesamt edel und schick aussehen. Das vorige Foyer war schlecht belüftet, die Decke beengend niedrig. „Ein runtergewirtschaftetes Provinztheater will keiner mehr sehen“, sagte sie.
Festspielhaus soll „absolut barrierefrei“ sein
Im neuen „Regieturm“ auf drei Etage läuft die Magie ab. War die Technik zuvor nur in einem kleinen, stickigen Raum gesteuert worden, haben die Mitarbeiter damit viel mehr Platz und Möglichkeiten. Speziell fürs Internationale Filmfest Emden/Norderney würden Projektoren eingebaut und ausgerichtet, so die Kulturevents-Chefin. Ton, Beleuchtung, spezielle Effekte: Alles läuft über den Regieraum. Für hörgeschädigte Menschen soll der Ton speziell über die Hörgeräte laufen können, erklärt sie. Insgesamt soll eine „absolute Barrierefreiheit“ ermöglicht werden.
Der Saal - jetzt noch kahl und regennass - wird ebenfalls komplett anders aussehen als gewohnt. Das Neue Theater war damals mit knapp 680 Sitzplätzen konzipiert worden, um auch als Aula für das Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) genutzt werden zu können. Die Sitze waren sehr eng zusammen gestellt und man hatte kaum Beinfreiheit. Dagegen sprechen heute schon neue Sicherheitsrichtlinien, die Corona-Abstände und die Tatsache, dass das JAG mittlerweile doppelt so viele Schülerinnen und Schüler hat als damals. Jetzt wolle man sich bei den angepeilten 580 Plätzen für möglichst breite Sitze entscheiden und diese weit genug auseinander stellen, so Rogge-Mönchmeyer. Die Ausschreibung für die Stühle läuft derzeit. Die Sitze sollen rot, der Teppich anthrazit-farben sein. Im unteren Parkett-Bereich sollen die Sitzreihen auch ausgebaut werden können, damit man Tische und Stühle aufbauen kann - „wie bei einer Talkshow“, erklärt sie. Sitzplätze für Menschen im Rollstuhl sollen nun auch in den oberen Rängen zur Verfügung stehen.
Foyer kann separat für Feiern gemietet werden
Das Festspielhaus soll insgesamt „multifunktional“ ausgerichtet sein: für Theaterstücke genauso wie für Tagungen, für das Filmfest genauso wie für Musik- oder Comedy-Auftritte. „Wir haben schon so viele Anfragen“, sagt sie. Da das neue Foyer vom Theatersaal abgetrennt werden kann, könnte es auch separat vermietet werden - etwa für Hochzeiten oder andere Feiern.
Als nächsten großen Bauschritt ist geplant, dass das alte Trapezdach über dem Saal komplett runterkommt und das neue aufgebaut wird. Am 8. August ist voraussichtlich Richtfest. Im Keller muss die neue Belüftungsanlage installiert werden, durch die der Saal dann vom Fußboden aus heruntergekühlt werden kann. Zuvor waren im Sommer kaum Veranstaltungen möglich, weil das Theater sich so aufheizte. Im Winter „haben wir die ganze Nachbarschaft mit beheizt“, so Rogge-Mönchmeyer. Jetzt soll alles bestmöglich isoliert und energetisch eingerichtet werden.
Separater Förderantrag für Theater-Vorplatz
Die Kosten belaufen sich insgesamt auf rund 4,7 Millionen Euro, wovon das Land Niedersachsen mehr als die Hälfte übernimmt. Zwei Fördertöpfe werden dafür angezapt: einer zur energetischen Sanierung und einer zur kulturellen Aufwertung. Kerstin Rogge-Mönchmeyer weist daraufhin, dass seit Beantragung der Förderbescheide die Baukosten bislang nicht gestiegen waren. Irgendwann ursprünglich war bei über-den-Daumen-Rechnungen von 3,7 Millionen Euro Kosten allein für die energetische Sanierung gesprochen worden. Bei den konkreten Planungen waren aber beispielsweise Punkte wie der Brandschutz und die Barrierefreiheit teurer zu Buche geschlagen.
Separat soll noch ein Förderantrag für die Außengestaltung des Theater-Vorplatzes gestellt werden. Dort sollen keine Autos mehr parken können, außer auf wenigen Behindertenparkplätzen. Grün, mit Bäumen und schön ausgeleuchtet, stellt es sich die Kulturevents-Chefin vor. Im März kommenden Jahres soll das Festspielhaus eröffnet werden.