Tourismus in Suurhusen  Erst Café-Ausbau und nun Kirchturmtouren?

Dorothee Hoppe
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Von Dorothee Hoppe
| 13.07.2022 12:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Ehepaar ist aus dem Kreis Viersen am Niederrhein nach Ostfriesland gereist, um den schiefsten Turm der Welt zu fotografieren. Foto: Hoppe
Ein Ehepaar ist aus dem Kreis Viersen am Niederrhein nach Ostfriesland gereist, um den schiefsten Turm der Welt zu fotografieren. Foto: Hoppe
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Vor 15 Jahren kam der Kirchturm aus Suurhusen als weltweit schiefster Turm ins Guinness-Buch. Doch warum wurde der Turm bisher nicht mehr für touristische Werbung genutzt und was ändert sich jetzt?

Hinte - Mehrere kleine Grüppchen laufen über den Friedhof an der Kirche in Suurhusen. Das Smartphone oder die Kamera sind gezückt. Doch um die Grabsteine geht es den Touristen dabei nicht, sondern um das, was in der Mitte steht: der schiefste Turm der Welt.

Dieser steht seit 15 Jahren in der Gemeinde Hinte. Beziehungsweise trägt der Kirchturm mit einer Neigung von 5,19 Grad seitdem offiziell diesen Titel. Doch für touristische Werbung wurde das bisher kaum genutzt. Aber warum nicht und was ändert sich jetzt durch das neue Tourismuskonzept?

Touristen würden für eine Kirchturmtour wiederkommen

Vor einigen Monaten wurde im Gemeinderat von Hinte ein neu geplantes Tourismuskonzept vorgestellt. Das Konzept stammt von Studierenden der Hochschule Emden/Leer und beinhaltet Dutzende Ideen, wie Hinte touristisch vorangebracht werden könnte. Eine Idee ist, dass die Kirche in Suurhusen eine noch stärkere Rolle für den Tourismus spielen könnte. Dass dort Reisebusse halten, um sich den schiefsten Kirchturm der Welt anzuschauen, ist keine Seltenheit. Bisher gibt es zwar Führungen durch die Kirche, aber noch keine organisierten Kirchturmtouren, wie es zum Beispiel in der Krummhörn der Fall ist. Doch genau die soll es bald geben.

Seit 15 Jahren steht der Kirchturm in Suurhusen nun schon im Guinness-Buch der Rekorde. Eine Tafel am Turm weißt darauf hin. Foto: Hoppe
Seit 15 Jahren steht der Kirchturm in Suurhusen nun schon im Guinness-Buch der Rekorde. Eine Tafel am Turm weißt darauf hin. Foto: Hoppe

„Also ich wäre dafür“, meint Mike Kowalski. Er kommt aus Reutlingen in Baden-Württemberg und macht mit seiner Frau Urlaub in Ostfriesland. „Der Kirchturm stand auf einer Liste, was man hier gesehen haben muss“, erzählt er und ist bei genauerer Betrachtung des Kirchturms zugleich beeindruckt und belustigt: „Schau mal wie schief der Turm ist, aber die Glocke hängt trotzdem gerade“, sagt er lachend zu seiner Frau. Auch ein Ehepaar aus dem Kreis Viersen in Nordrhein-Westfalen würde für solch eine Kirchturmtour nochmal wiederkommen.

Vorbild könnten Touren in der Krummhörn sein

Sicher sind die Touren aber noch nicht. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir regelmäßig Kirchturmtouren anbieten. Dazu muss es aber vorher unter anderem Gespräche mit den Vertretern aller Kirchen in unserer Gemeinde geben“, erklärt Uwe Redenius, Bürgermeister der Gemeinde Hinte. „Wir wären auf jeden Fall dabei – solange das im Rahmen bleibt“, sagt Pastor Frank Wessels von der Kirche in Suurhusen. Für ihn steht jetzt schon fest, dass die Kirche mögliche Touren nicht weiter bewerben würde. „Bei uns ist so schon viel los. Das Guinness-Buch ist weltweit verbreitet. Wir bedienen alle Anfragen, die kommen. Aber wir sind kein Museum, sondern ein lebendiges Gotteshaus, in dem Messen und Taufen stattfinden und die Angehörigen derer, die hier auf dem Friedhof begraben sind, möchten auch mal in Ruhe am Grab sein. Das setzt dem Tourismus eine Grenze“, stellt er klar. Das weiß auch der Bürgermeister: „Kirchen, wie auch Friedhöfe, sind Orte der Stille. Ich weiß, dass die Suurhuser da einen großen Wert drauf legen – und das zu recht. Jeder Schritt muss abgestimmt werden.“ Außerdem müsse der Rat der Gemeinde entscheiden, was aus dem Tourismuskonzept umgesetzt werden soll.

Der Bäcker gegenüber der Kirche verkauft eine Postkarte und ein Infoblatt zum schiefsten Turm der Welt. Foto: Hoppe
Der Bäcker gegenüber der Kirche verkauft eine Postkarte und ein Infoblatt zum schiefsten Turm der Welt. Foto: Hoppe

Es bleibt also abzuwarten, ob es bald Fahrrad-Touren oder Ähnliches von Kirche zu Kirche gibt, wie es schon in der Krummhörn der Fall ist. „Ein Mal im Jahr gibt es dann Stempel und auch immer etwas zu Essen und zu Trinken. Das ist sehr erfolgreich“, weiß Pastor Wessels. „Bei uns steht das noch in den Startlöchern.“ Seit etwa zwei Wochen gibt es aber immerhin schon Postkarten und ein Infoblatt zum schiefsten Kirchturm der Welt bei dem „Brötchenhuus“ direkt gegenüber zu kaufen. „Das machen wir im Auftrag der Kirche“, sagt Jessica Gerdes, Inhaberin des Cafés. Sie wolle den Touristen auch noch mehr bieten, zum Beispiel Souvenirs oder vielleicht ein Gebäck in Form des Turms. „Das sind alles Ideen, die wir schon festgehalten haben, aber das muss nach und nach umgesetzt werden. Im Herbst machen wir uns Gedanken über die nächste Saison, dann wird das bestimmt kommen“, meint sie. Bislang waren sie mit dem Ausbau des Café-Betriebs beschäftigt. „Ursprünglich waren wir eine normale Bäckerei. Dass wir nachmittags Kaffee und Kuchen anbieten, kam erst durch das Altenheim und auch die vielen Touristen sind dankbar, eine Pause machen zu können“, erzählt die Inhaberin. „Die kommen ja busseweise. In der Saison sind das teilweise drei bis fünf Busse pro Tag. Viele kommen auch mit dem Fahrrad“, weiß Jessica Gerdes. „Die wollen dann natürlich draußen sitzen. Deshalb haben wir das jetzt auf etwa 120 Plätze erweitert.“ Ob es also bald Touren mit Stopp beim Café mit einem Turm-Plätzchen gibt, werden die Suurhusener dann vielleicht in der nächsten Sommersaison sehen.

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