Ein Jahr nach der Flutkatastrophe „Wir sind unseren Freunden aus dem Norden so dankbar“

Von Nikola Nording, Hannah Weiden und Geertje Wehry
 | 13.07.2022 17:58 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
15. Juli 2021, Rheinland-Pfalz, Insul: Eine Luftaufnahme des Dorfes Insul zeigt das Ausmaß der Flutzerstörungen am 14. und 15. Juli 2021 an der Ahr. Foto: Boris Roessler/dpa
15. Juli 2021, Rheinland-Pfalz, Insul: Eine Luftaufnahme des Dorfes Insul zeigt das Ausmaß der Flutzerstörungen am 14. und 15. Juli 2021 an der Ahr. Foto: Boris Roessler/dpa
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Monatelanges Warten, Zukunftssorgen und das Trauma der Flutnacht mit mindestens 134 Toten. Das Leben an der Ahr ist ein Jahr nach der Katastrophe noch lange nicht so wie zuvor.

Ostfriesland/Ahrweiler/Stolberg/Bad Münstereifel - Ein Jahr nach der Flutkatastrophe in Bad Neuenahr-Ahrweiler und in weiteren betroffenen Gebieten steckt Opfern und auch Helfern das folgenschwere Ereignis immer noch in den Knochen. Im Gespräch mit unseren Redakteurinnen schildern die Betroffenen vor Ort von anhaltenden Traumata und nach wie vor noch nicht beendeten Aufbauarbeiten.

Aber auch die Dankbarkeit für die Spenden aus Ostfriesland ist groß. „Das hat uns finanziell gerettet, dafür sind wir unseren unbekannten Freunden aus dem Norden wirklich unglaublich dankbar“, sagte ein Mann aus Eschweiler. Insgesamt 305.771,19 Euro gingen auf dem Konto von „Ein Herz für Ostfriesland“ (EHFO) ein. Diese Spendengelder konnten im Oktober übergeben werden, nachdem sich Vertreter von EHFO ein Bild von der Lage vor Ort gemacht hatten.

Diskussion über Katastrophenschutz

Zum Jahrestag der Flutkatastrophe ist unterdessen auch die Diskussion über Katastrophenschutz und politische Verantwortung wieder neu entfacht worden. Der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Ralph Tiesler, hält bestimmte Flächen in Deutschland wegen extremer Wetterereignisse sogar nicht mehr für besiedelbar. „Als Bevölkerungsschützer sage ich, dass manche Flächen aufgrund des Klimawandels und der akuten Bedrohung durch Unwetterkatastrophen und Flutkatastrophen nicht wiederbesiedelt werden sollten. Auch an den Küsten stellt sich diese Frage“, sagte Tiesler den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Und es gibt keinen Ort oder Landstrich in Deutschland, bei dem wir nicht genau hingucken müssen“, machte Tiesler deutlich.

„Fest steht, dass wir in immer unsicheren Zeiten leben. Krisen werden immer häufiger. Corona fesselt uns nun schon mehrere Jahre, der Klimawandel wird in Zukunft noch weitere Herausforderungen an uns stellen und in der Ukraine herrscht Krieg“, stellte der oberste Zivilschützer fest. Tiesler plädierte für ein neues Krisenbewusstsein in der Bevölkerung. „Der Krisenmodus muss jetzt zum allgemeinen Bewusstsein dazugehören, wir müssen lernen, dass die Krise zum Alltag gehört“, sagte Tiesler.

Bevölkerung soll mitmachen

Bessere Vorbereitung, frühere Warnung, effizienteres Handeln und eine gute Krisennachsorge – an diesen vier Leitlinien orientiert sich eine Strategie von Bundesinnenministerin Nancy Faeser für einen leistungsfähigeren Bevölkerungsschutz. Der Plan, den die SPD-Politikerin am Mittwoch gemeinsam mit Tiesler in Berlin vorgestellt hat, setzt dabei nicht nur auf staatliche Stellen. Auch die Bevölkerung soll mitmachen. Dazu will Faeser den Ländern, die im Katastrophenschutz die Verantwortung tragen, vorschlagen, ab 2023 jedes Jahr einen bundesweiten Bevölkerungsschutztag zu organisieren, „um die Bevölkerung stärker für die Themen Eigenresilienz und Selbstschutz zu sensibilisieren“. Das Bundesinnenministerium werde zudem eine Kommunikationsstrategie erarbeiten, „um Handlungssicherheit der Bevölkerung zu erreichen“.

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Das Kabinett hat derweil eine Strategie verabschiedet, die zu einer besseren Vorhersage und Bewältigung von Naturkatastrophen, Gesundheitskrisen sowie anderen Notlagen führen soll. Ziel der sogenannten Resilienzstrategie ist es, „Menschen und ihre Existenzgrundlagen zu schützen sowie die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit des Gemeinwesens gegenüber Katastrophen zu stärken“. An der Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hatten sich auch zahlreiche Spontanhelfer beteiligt, die keiner Organisation angehören. An der Koordination der Hilfe gab es Kritik.

Mit Material von DPA