Abschied in unruhiger Zeit  Jutta Lerche-Schaudinn verlässt Grundschule Jennelt

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 13.07.2022 18:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos, rechts im Bild) verabschiedete sich am Mittwoch bei Jutta Lerche-Schaudinn. Im Amt ist diese offiziell noch bis zum Ende des Monats. Foto: Wagenaar
Auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos, rechts im Bild) verabschiedete sich am Mittwoch bei Jutta Lerche-Schaudinn. Im Amt ist diese offiziell noch bis zum Ende des Monats. Foto: Wagenaar
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Die Zukunft der Grundschule Jennelt bleibt in der Schwebe. Jetzt hört noch ihre Rektorin Jutta Lerche-Schaudinn auf. Sie plant jedoch eine Bürgerinitiative.

Jennelt - 13 Jahre lang hat Jutta Lerche-Schaudinn die Grundschule Jennelt geleitet. Gerade in jüngster Zeit geriet diese immer wieder wegen des großen Sanierungsbedarfs und ihrer Zukunftsfähigkeit in den Fokus der Öffentlichkeit. Zumal kürzlich auch noch eine Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben wurde, die die Krummhörner Schulen und Kitas genauer unter die Lupe nehmen soll. Wie ist es für die 63-Jährige, gerade in so einer Zeit das Zepter weiterzureichen? Wie geht es für die Einrichtung und sie persönlich weiter? Darüber haben wir mit ihr am Dienstag anlässlich ihrer Verabschiedung ein Interview geführt.

Was und warum

Darum geht es: 13 Jahre lang war Jutta Lerche-Schaudinn die Rektorin der Grundschule Jennelt. Nun wurde sie offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Vor allem interessant für: Familien mit Kindern, die eine der Krummhörner Grundschulen besuchen

Deshalb berichten wir: Jutta Lerche-Schaudinn hat uns zu ihrer Abschiedsfeier eingeladen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Frau Lerche-Schaudinn, wie ist es für Sie, gerade in diesen Zeiten an der Grundschule Jennelt aufzuhören?

Jutta Lerche-Schaudinn: Es ist für mich ganz ganz schwer und hat mir die ganzen letzten Wochen ganz schön Kopfschmerzen bereitet. Ich hätte den Prozess noch gerne weiterverfolgt, aber ich werde mich weiter engagieren und für den Erhalt der Grundschule Jennelt weiter kämpfen. Anfangs ging es noch um das Thema Sanierung oder Neubau, jetzt geht es um den Erhalt. Ich überlege deswegen, eine Bürgerinitiative zu gründen. Nach 13 Jahren liegt mir die Schule einfach am Herzen.

Haben Sie schon Mitstreiter für die Initiative gesucht?

Lerche-Schaudinn: Das habe ich noch nicht geschafft. Es gab jetzt noch viel zu organisieren – die Zeugnisse, die neuen Stundenpläne. Dazu kommt die Übergabe an den neuen Schulleiter. Ich werde die Initiative aber nach den Sommerferien starten und habe auch schon sehr viel Resonanz bekommen: aus der Elternschaft, aus der SPD und vom Förderverein der Grundschule. Ich habe ja immerhin in den letzten 13 Jahre viele Kontakte aufgebaut. Das werde ich mir zunutzemachen und denke, dass ich eine Menge Leute mobilisieren kann.

Was erwartet Ihren Nachfolger?

Lerche-Schaudinn: Der ist noch gar nicht in diese ganze Problematik involviert und wenn man neu einsteigt, muss man sich erst einmal orientieren. Nach den Sommerferien soll ein Erstentwurf der Bedarfsanalyse vorliegen und es sind Gespräche mit der beauftragten Projektgruppe Biregio, mit der Schulleitung, mit Lehrern, Elternvertretern und der Gemeinde vorgesehen. Was mir bislang immer gefehlt hat, ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Profil unserer Schule. Schon seit 25 Jahren arbeiten wir integrativ. Dabei ist erst im Jahr 2014 das Konzept der inklusiven Schule eingeführt worden. Uns verbindet eine lange Geschichte in Richtung Inklusion und es wäre jetzt wirklich schade, wenn man diese besondere Schule mit diesem Schwerpunkt aufgeben würde, nur weil irgendwelche Zahlen nicht stimmen. Zumal man auch nicht weiß, wie die Schülerzahlen in zehn, 20, 30 Jahren aussehen werden.

Wie viele Schüler muss Ihrer Meinung nach eine Schule haben?

Lerche-Schaudinn: Ich denke, eine gesunde Zwei- bis Dreizügigkeit ist eine gute Grundschule. So kann man auch mehr anbieten, ob es AGs oder Ganztagsangebote sind. Wenn man 40 oder 50 Schüler hat, ist es hingegen schwierig, ein ausgewogenes, umfangreiches Programm vorzuhalten. So oder so bin ich aber für den Erhalt aller vier Krummhörner Grundschulen.

Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass jeder dieser Standorte erhalten bleibt?

Lerche-Schaudinn: Ich denke, jede Grundschule hat ihr eigenes Profil und für das Leben im Dorf ist es wichtig, dass es sie gibt. Man sagt immer „kurze Wege für kurze Beine“ und das finde ich gerade hier im Ländlichen unglaublich wichtig. Wenn ich mir vorstelle, dass Kinder eine halbe oder Dreiviertelstunde durch die Gegend gekarrt werden, halte ich das für nicht zumutbar. In der Grundstufe sind kleine Systeme zudem fürs Lernen besser, weil man sich kennt. Die generelle Entfremdung und Anonymisierung macht sich eh schon immer breiter in den großen Schulsystemen. Gerade Kinder mit Förderbedarf sind in weiterführenden Schulen teilweise sehr verloren.

Wie geht es Ihrer Meinung nach mit der Bevölkerungsentwicklung in Jennelt weiter?

Lerche-Schaudinn: Es ist gerade erst ein großes Neubaugebiet im Ort entstanden. Darin leben viele junge Leute, die bereits Kinder haben oder sie bekommen wollen. Die haben ganz bewusst den Standort Jennelt gewählt, weil es hier eine Grundschule und einen Kindergarten gibt.

Mal angenommen, die Bevölkerungszahl wächst. Gibt es dann überhaupt genug Lehrkräfte?

Lerche-Schaudinn: Ich habe damals noch in Lüneburg in die große Arbeitslosigkeit hineinstudiert und bin erst mit 35 Jahren verbeamtet worden. Das war ganz anders als heute. Jetzt werden gerade im ländlichen Raum viele Lehrkräfte gesucht, weshalb auch verstärkt auf Quereinsteiger gesetzt wird und Vergünstigungen in Aussicht gestellt werden. Auch in der Krummhörn fehlen viele Lehrer. In Jennelt haben wir zur Zeit noch das Glück, ganz gut versorgt zu sein und sogar nach Loquard abordnen zu müssen.

Ist Ihrer Meinung nach der Unterricht in den vergangenen Jahren schwerer geworden, weil es mehr Kinder mit Förderbedarf gibt?

Lerche-Schaudinn: Schon, ja. Wir haben alleine im kommenden Schuljahr 20 Kinder mit Unterstützungsbedarf – von insgesamt 110. Das sind sehr viele.

Wie geht es für Sie jetzt im Ruhestand weiter?

Lerche-Schaudinn: Auch wenn ich aus Helmstedt stamme, bleibe ich in Uttum wohnen und der Krummhörn treu. Die ist meine neue Heimat geworden. Ich werde viel reisen, in den Garten gehen und meine Hobbys intensivieren und werde sehen, wo ich mich weiter engagieren kann. Vielleicht im Asylkreis oder halt bei der Bürgerinitiative.

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