Sylt  „Keine Dienstleistung“: Christian Lindner verteidigt Trauung in der Kirche

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 14.07.2022 11:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Brautpaar Christian Lindner und Franca Lehfehldt vor der Kirche auf Sylt: „Es gibt ein Mehr, das über uns beide und unser gemeinsames Leben hinausweist.“ Foto: Marcus Dewanger
Brautpaar Christian Lindner und Franca Lehfehldt vor der Kirche auf Sylt: „Es gibt ein Mehr, das über uns beide und unser gemeinsames Leben hinausweist.“ Foto: Marcus Dewanger
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Das Brautpaar Christian Lindner und Franca Lehfeldt ließ sich auf Sylt kirchlich trauen, obwohl beide aus der Kirche ausgetreten sind. Der Aufschrei unter Protestanten ist groß. Der Bräutigam rechtfertigt sich.

Was Nicht-Mitgliedern der Kirche verwehrt ist, bekamen Finanzminister Christian Lindner und seine Frau Franca Lehfeldt bei ihrer Hochzeit auf Sylt trotzdem: eine kirchliche Trauung. Am Sonnabend gab sich das Promi-Brautpaar in der St. Severin-Kirche in Keitum auf Sylt das „Ja“-Wort .

Während bei den zahlreich gekommenen Schaulustigen vor der Kirche eine friedliche und neugierige Stimmung vorherrschte, wurde in den (sozialen) Medien über Steuerverschwendung und einen unpassenden Zeitpunkt für die Feier ebenso kontrovers diskutiert wie darüber, dass das Paar in der Kirche heiratet, obwohl beide aus der Kirche ausgetreten sind.

Gegenüber dem evangelischen Magazin „Chrismon“ verteidigte der FDP-Chef die kirchliche Trauung: „Bekanntlich habe ich meinen Amtseid auf Gott geschworen. Aus einer Kirche auszutreten, bedeutet nicht, aus jeder Form der Spiritualität auszutreten.“

Lindner hat aber bei seiner Vereidigung zum Bundesminister der Finanzen den Eid mit dem Zusatz „so wahr mir Gott helfe“ geleistet. Mit 18 Jahren trat der Politiker aus der katholischen Kirche aus.

Auf die Frage, was ihm der kirchliche Segen für die Ehe bedeute, antwortete Lindner: „Es gibt ein Mehr, das über uns beide und unser gemeinsames Leben hinausweist. Das in einem Gottesdienst zu bedenken und den Segen zu empfangen, war mir wichtig.“

Vorgeworfen wurde dem Brautpaar auch, ihre Hochzeit auf Kosten der zahlenden Kirchenmitglieder zu feiern. Lindner entgegnete nun: „Irritierend waren für mich Hinweise, man möge bitte eine Rechnung stellen. Wenn zwei Seelen um Segen bitten, sollte man nicht die finanziellen Gegenleistungen thematisieren. Ein Gottesdienst ist eben keine Dienstleistung“.

Liveblog zum Nachlesen: Lindner-Hochzeit auf Sylt: Nach dem Feiermarathon flittert das Paar auf der Insel

Üblich ist es auch in der Nordkirche, dass zumindest einer der beiden Partner Mitglied in der evangelischen Kirche sein muss. Allerdings hat die Synode im November 2020 beschlossen, „ein Kasualgottesdienst kann auch gefeiert werden, wenn Menschen, die nicht Kirchenmitglieder sind, danach fragen“.

Als Kasualien bezeichnet die Evangelische Kirche in Deutschland eigenen Angaben zufolge Gottesdienste, die anlässlich wichtiger Stationen im Leben von Menschen gefeiert werden: Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung.

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