Bonn/Berlin/Greifswald  Erstmals seit Winter: Gasspeicherstände in Deutschland gesunken

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 14.07.2022 14:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Flamme an einem Gasherd. Foto: Thomas Imo/photothek.net
Die Flamme an einem Gasherd. Foto: Thomas Imo/photothek.net
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Zum ersten Mal seit Monaten sind die Füllstände der deutschen Gasspeicher gesunken. Die wichtigsten Nachrichten und Grafiken zur Gas-Krise.

Trotz Sommerhitze hat Deutschland zum ersten Mal seit dem Winter mehr Gas verbraucht, als es bekommen hat. Die Ostseepipeline Nord Stream 1 wird seit Montag gewartet, weswegen fast kein Gas aus Russland nach Deutschland fließt.

Der Füllstand liegt aktuell bei rund 64,5 Prozent, Tendenz fallend. „Derzeit wird aus den Gasspeichern teilweise marktbedingt ausgespeichert“, heißt es im Lagebericht der Bundesnetzagentur. Das erschwere es, die Speicherziele für den Winter zu erreichen.

Dennoch gebe es trotz weiterhin angespannter Lage aktuell keinen Gasmangel: „Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.“

Die Gasflüsse durch Pipelines aus Russland tendieren aktuell weiter gegen Null. „Alternative Transportrouten wie die Yamal Pipeline oder auch die Ukraine Route stehen zwar zur Verfügung, werden allerdings nicht genutzt, um die auf der Nord Stream 1 wegfallenden Mengen zu kompensieren“, berichtet die Bundesnetzagentur. Gasimporte kommen momentan vor allem aus Norwegen und den Niederlanden.

Die Wiederinbetriebnahme von Nord Stream 1 hängt laut russischer Regierung vor allem vom Verhalten des Westens ab: „Was den Betrieb der Gaspipeline in der Zukunft betrifft, so wird viel von unseren Partnern abhängen - sowohl in Bezug auf die Nachfrage nach Gas als auch in Bezug auf die Verhinderung negativer Auswirkungen unrechtmäßiger restriktiver Maßnahmen“, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, laut Agentur Interfax am Donnerstag. Sacharowa verwies konkret auf den Fall einer Turbine, die in Kanada überholt, dann aber aufgrund westlicher Sanktionen nicht nach Russland zurückgeliefert wurde.

Bis jetzt scheinen alle Aufrufe zum Gassparen kaum etwas gebracht zu haben. Der Gasverbrauch in Deutschland lag im vergangenen Monat nicht bedeutsam unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit.

Der Gaspreis ist laut Bundesnetzagentur noch einmal gestiegen. Für eine Megawattstunde zahlt man auf dem „Day-Ahead“-Markt, wenn also morgen geliefert werden soll, demnach etwa 181,92 Euro. Das sind vier Prozent mehr als gestern. „Die Großhandelspreise sind in Folge der Lieferreduzierung spürbar gestiegen und haben sich zuletzt auf höherem Niveau eingependelt. Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen“, ordnet die Bundesnetzagentur die Lage ein.

Wie Deutschland im Ernstfall über den Winter kommen soll: Die Wartung einer Pipeline interessiert in normalen Zeiten fast niemanden. Das ist in diesem Jahr ganz anders. Ob wieder Gas fließt, ist zu einer Schicksalsfrage geworden.

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