Tourismus in der Krummhörn  Gemeinde hat Potenzial zur Wassersport-Region

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 18.07.2022 08:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Krummhörn gibt es an den Kanälen viele öffentliche Bootsanleger. Dieses Bild entstand vor einigen Wochen in Visquard, wo an einem Anleger ein kleiner „Dorfplatz“ fertiggestellt worden war. Archivfoto: Wagenaar
In der Krummhörn gibt es an den Kanälen viele öffentliche Bootsanleger. Dieses Bild entstand vor einigen Wochen in Visquard, wo an einem Anleger ein kleiner „Dorfplatz“ fertiggestellt worden war. Archivfoto: Wagenaar
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Ein Leser moniert, dass in der Krummhörn nicht mehr für den Wassersport gemacht wird. Experten bescheinigen der Gemeinde Potenzial. Sogar ein Konzept liegt vor.

Krummhörn - Obwohl es in der Krummhörn viele Bootsanlegestellen gibt und die Gemeinde laut Experten auch ansonsten gute Voraussetzungen hat, ist der Wassersport eine touristische Nische. Das bestätigte die Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel kürzlich unserer Zeitung. Dabei liegt sogar schon ein fertiges Wasserwander-Wegekonzept vor, auch wenn das etwa 20 Jahre alt ist. Das sagen auf Nachfrage Jan van Dyk und Reinhard Behrends vom Ersten Entwässerungsverband Emden. Darüber hinaus habe es mit dem früheren Touristik-Chef in Greetsiel, Ludger Kalkhoff, erste Gespräche über Paddel- und Pedalstationen gegeben, so Kurt Radtke, der als Geschäftsführer der Touristik GmbH „Südliches Ostfriesland“ für die Stationen in der Region zuständig ist.

Was und warum

Darum geht es: In der Krummhörn gibt es zwar viele Bootsanleger, aber wenig touristischen Wassersport. Derzeit fehlt jemand, der die Sache in die Hand nimmt.

Vor allem interessant für: Wassersportler und Bewohner der Krummhörn, die dank besserer Wasserwege auch abseits der größeren Orte vom Tourismus profitieren könnten

Deshalb berichten wir: Kürzlich hatte uns ein Leser geschrieben, dass zu wenig für Bootjefahrer in der Krummhörn gemacht wird. Das haben wir zum Anlass für diesen Artikel genommen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Van Dyk und Behrends schicken ein Titelblatt zu, laut dem die Pewsumer Plankontor-Ingenieurgesellschaft das besagte Konzept im Auftrag der Gemeinde erstellt hat. Darin werden laut den beiden unter anderem Durchfahrtshöhen und -breiten von Brücken und voraussichtliche Kosten für deren Erneuerungen genannt. Darüber hinaus werde bei allem auch der Blick auf die an die Krummhörn angrenzenden Wasserwege geworfen. Mit der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen ist das jedoch so eine Sache.

Viele Brücken sind 50 Jahre und älter

So ist es zwar Aufgabe des Entwässerungsverbands, für einen ordnungsgemäßen Abfluss des Wassers zu den Siel- und Schöpfwerken zu sorgen. Für die Bootjefahrer oder für touristische Themen insgesamt ist man hingegen nicht zuständig – auch wenn die Wassersportler von manchen Maßnahmen des Verbands profitieren können. Alle 20 Jahre – oder nach Bedarf – werde so beispielsweise jedes Stück der Entwässerungskanäle ausgebaggert und dadurch wieder ein Stück tiefer, erklären van Dyk und Behrends.

Auch über das Thema Brückenbau sei man indirekt mit den Interessen der Wassersportler verbunden. Viele der Bauwerke stammten noch aus den 1960er oder 1970er Jahren. Heute seien viele Boote größer beziehungsweise zu groß dafür. Mit diesen Aussagen reagieren van Dyk und Behrends auch auf die E-Mail eines Lesers, die vor einigen Wochen unsere Redaktion erreicht hat. Darin heißt es, dass sich zumindest aus Sicht der Bootjefahrer die Kanäle und Entwässerungsgräben in der Krummhörn in einem „sehr schlechten Zustand“ befinden. Dabei verweist der Leser sowohl auf die Wassertiefen als auch auf den Bewuchs und auf die Brückenhöhen- und breiten.

Vorbild neue Bundesländer

Das Team Wassersport Ostfriesland vertritt als Interessengemeinschaft (IG) nach eigenen Angaben etwa 30 Wassersportvereine in der Region Ostfriesland. Die IG setzt sich für eine bessere Befahrbarkeit der Kanäle sowie für jede andere Verbesserung ein, die den Wassersport betrifft. Geht es nach dessen Sprecher André Grünebast, so könnte man gerade die Gewässer, die dem Ersten Entwässerungsverband Emden unterliegen, touristisch nutzbarer machen – im Einklang mit der Natur. So betont Grünebast beispielsweise, dass dort die Geschwindigkeitsbegrenzung von fünf Stundenkilometern „unbedingt eingehalten“ werden muss.

Als Vorbild für die Förderung des Wassersports nennt der Sprecher die neuen Bundesländer. „Hier wurde und wird auch weiterhin viel investiert und das zahlt sich aus.“ Aber auch in Ostfriesland hoffe man auf Besserung. So verweist Grünebast auf die Ankündigung des SPD-Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff, dass die Region dafür mit neuen Fördermitteln bedacht werden soll. „Gerade die Gebiete nördlich der [Emder] Kesselschleuse sind ein ungeschliffener Diamant und die gilt es besser nutzen zu können.“

Neuen Touristik-Chef im Blick

Was das Thema Paddel und Pedal angeht, so hieß es kürzlich von der Krummhörn-Touristik, dass es schon alle etwa sechs Kilometer eine Station geben müsste, damit solch ein Angebot Sinn mache. Kurt Radtke betont jedoch, dass es viel wichtiger sei, wo diese Standorte liegen. Ebenso müsse regelmäßig Grünzeug entfernt werden, das die Wassersportler behindern könnte.

Radtke bietet im Namen der Touristik GmbH „Südliches Ostfriesland“ Beratung bei der Errichtung, Einrichtung und Vermarktung von Stationen in der Krummhörn an. Er blickt dabei auch auf Benjamin Buserath, der im August als neuer Tourismus-Chef der Krummhörn anfängt. Mit ihm könnte er sich – wie zuvor schon mit Kalkhoff – Gespräche vorstellen. Als wir Radtke kürzlich auf das Thema Paddel und Pedal in der Nachbargemeinde Hinte ansprachen, sagte er, dass die Ausstattung einer klassischen Station etwa 30.000 bis 40.000 Euro koste. Dazu kämen dann noch gegebenenfalls die Baukosten für die Gebäude.

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