Platz für 1300 Menschen Landkreis will Auricher Kaserne für Flüchtlinge nutzen
Weil der Zustrom an Vertriebenen im Landkreis Aurich nicht abreißt, möchte die Verwaltung gewappnet sein. Sie hat beantragt, neun Gebäude der Blücherkaserne übernehmen zu können.
Aurich - Der Ukraine-Krieg und seine Folgen beschäftigen den Landkreis seit Monaten. Immer wieder müssen mehr Flüchtlinge aufgenommen werden, als zugewiesen worden sind. Weil die Situation schwer zu kalkulieren ist, möchte der Erste Kreisrat Dr. Frank Puchert so gut wie möglich vorbereitet sein, wie er bei einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch am Montagmittag erklärte.
Am vergangenen Freitag habe man bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin beantragt, neun Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Blücherkaserne in Aurich als Notunterkunft für Vertriebene nutzen zu können. Die Entscheidung steht noch aus. Dort könnten dann 1300 Menschen auf unbestimmte Zeit untergebracht werden. Außerdem hat der Landkreis angefragt, ob die Bima die Kosten für die Herrichtung übernimmt. Nur eine Handvoll Gebäude werde man außen vor lassen, weil sie baulich in keinem guten Zustand oder für die Unterbringung nicht tauglich seien, sagte Marcel Schäfer vom Ordnungsamt.
Mit verschiedenen Organisationen kooperieren
Laut Dr. Frank Puchert hat der Landkreis die Blücherkaserne immer im Auge gehabt. Bereits bei der ersten Flüchtlingswelle im Jahr 2015 sind dort Flüchtlinge untergebracht worden. Aktuell habe man zunächst versucht, das Problem mit Hilfe der fünf bestehenden Unterkünfte in Aurich und Norden zu lösen. Doch die seien mit Platz für 475 Personen „im roten Bereich der Auslastung“. Durch Container wollte man kurz- bis mittelfristig zusätzliche Kapazitäten schaffen.
So sollte unter anderem in einem Bürogebäude in der Mackeriege in Norden Platz für 60 Menschen entstehen. Aus den Worten des Ersten Kreisrats klingt heraus, dass das in seinen Augen nur Flickwerk-Lösungen sind: „Es wäre grob verlässig, die Möglichkeit, die die Kaserne bietet, nicht zu nutzen.“ Er selbst stuft die politische Situation „sehr pessimistisch“ ein. „Wir müssen mit allem rechnen“, sagte Dr. Frank Puchert. Deshalb sei es klug, „vor der Lage Entscheidungen zu treffen“ und nicht in Zugzwang zu geraten. Das sei auch im Interesse der Menschen, die im Landkreis leben: „Wenn wir die Frage der Unterbringung nicht gut hinkriegen, wird das jeder im Kreis auf irgendeine Art merken.“ Die Stadt Aurich, die das Gelände der Blücherkaserne seit Jahren als neuen Stadtteil entwickeln will, sei am Freitag über die Pläne des Landkreises informiert worden.
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Laut Marcel Schäfer könnten die ersten Gebäude bis zum Herbst hergerichtet und bezugsfertig sein. Der Landkreis will dabei mit verschiedenen Organisationen kooperieren, unter anderem mit den Johannitern und der Kreisvolkshochschule Aurich-Norden, die derzeit auch die Integrationsstützpunkte betreibt.