Förderung auf dem Land Wie sich kleine Dörfer für die Zukunft rüsten können
Visquard hat eine treibende Kraft für die Dorfentwicklung verloren. Wie blickt ein kleiner Ort wie dieser auf seine Zukunft und wie kommt er an Fördermittel?
Visquard - Jede Kommune freut sich, wenn sie ins Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen wird. Dann können nämlich Bürger Zuschüsse für alles bekommen, was die beteiligten Orte auf die Zukunft vorbereitet. Mit den Programmen ist das jedoch so eine Sache: Die Fördermöglichkeiten sind begrenzt, außerdem müssten viele Kriterien erfüllt werden. Welche sind das? Gibt es noch andere Hilfen? Wie gehen Orte vor, die keine Förderung erhalten? Das wollen wir am Beispiel von Visquard beleuchten.
Dorfladen und besserer Nahverkehr
Was und warum
Darum geht es: wie ein kleines Dorf versucht, für etwas Leben zu sorgen und um die Frage, was für Möglichkeiten die Bewohner haben
Vor allem interessant für: Bewohner von kleinen Orten mit und ohne Dorfentwicklungsprogramm
Deshalb berichten wir: Heike Schmid hat lange versucht, Visquard voranzubringen. Kürzlich zog sie weg und wir wollten wissen, wie es dort weitergeht. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Vor ein paar Monaten verließ jedoch Heike Schmid die Gemeinde und ging in den Ruhestand. Die langjährige Pastorin war eine treibende Kraft hinter dieser und vielen anderen Aktivitäten im Ort. Muss man nun den Kopf hängen lassen?
Visquards Ortsvorsteherin Hedda Oldewurtel bestätigt, dass einige Projekte eingeschlafen sind und so schnell noch nicht reaktiviert werden konnten. Immerhin habe Schmid große Fußstapfen hinterlassen. Es gebe aber zum Beispiel einen gemeinsamen Mittagstisch für Senioren sowie Frühstücke und ein Kinder- und Jugendlichenprogramm unter dem Dach der Kirchengemeinde, das unter dem Namen Arche bekannt ist.
Die Kirche sei der Anlaufpunkt für das Dorfleben, so Oldewurtel. Zudem spielten Vereine und die gute Vernetzung der Bewohner untereinander eine wichtige Rolle. Laut Oldewurtel gibt es aber noch „Luft nach oben“ was die Dorfentwicklung angeht. Ganz dringend müsse man sich zum Beispiel um einen besseren öffentlichen Nahverkehr kümmern sowie den Radweg Richtung Greetsiel sanieren. Der befinde sich in einem „katastrophalen“ Zustand, erklärt die Ortsvorsteherin. Darüber hinaus gebe es keinen Dorfladen. Der wird ihrer Ansicht nach auch wohl ein Wunsch bleiben. Vermutlich würde so ein Geschäft sich nicht rechnen beziehungsweise müssten dafür die Preise der angebotenen Waren vergleichsweise hoch sein.
Förderprogramm hatsich verändert
Anja Thomsen arbeitet beim Amt für regionale Landesentwicklung in Aurich. Das ist unter anderem für die Bewilligung von Teilprojekten aus den Dorfentwicklungsprogrammen zuständig. Ihr zufolge war Visquard zuletzt zwischen 1992 und 2006 Teil eines solchen Programms. Damals seien diese Förderprogramme vor allem dazu genutzt worden, um Straßen auszubessern. Heute gehe es um die Verbesserung der gesamten Infrastruktur, die die Dörfer besser auf die Zukunft vorbereitet. Anstelle von einzelnen Orten fasse man außerdem inzwischen in der Regel drei bis fünf von ihnen zusammen.
Stärken und Schwächen herausfinden
Für die Aufnahme in das Programm müsse man eine ganze Reihe von Kriterien erfüllen. Bewertet werde nach einem Punktesystem. Dabei geht es laut Thomsen zum Beispiel darum, ob bereits ein Leitbild für die Orte existiert, inwieweit die Bevölkerung bei Projekten einbezogen wird, welche Ansätze es für einen besseren Klimaschutz gibt und wie wohlhabend die Kommunen sind. Man müsse selbst reflektieren, was die eigenen Stärken und Schwächen seien und sagen, was man mithilfe des Entwicklungsprogramms erreichen wolle. Das sei nicht so einfach.
Derzeit gebe es in der Krummhörn noch ein „altes“ Dorfentwicklungsprogramm für Pewsum, was in diesem Jahr auslaufe. Dazu kommt das Programm Warfendörfer der Gemeinde Krummhörn, zu dem Canum, Groothusen, Hamswehrum, Jennelt, Upleward, Woltzeten und Woquard gehören – Visquard nicht. Was kann dieses Dorf also tun, um anderweitig an Fördergeld zu kommen?
Laut Thomsen sind die Entwicklungschancen ohne die Teilnahme an dem Programm zwar schwieriger. Es sei aber dennoch möglich, Basisleistungen zu beantragen. Zum Beispiel in Form von Zuschüssen für die Gründung einer Poststation oder eines kleinen Ladens. Oder auch für Jugendtreffs oder für das betreute Wohnen. Auch den geplanten Bau der Seniorenwohnanlage könnte man dafür berücksichtigen. Allerdings müsse jeder Einzelfall geprüft werden.