Nach zwei Jahren Diskussion  Emder Bestattungswald soll jetzt schnell beschlossen werden

| | 20.07.2022 11:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
An den Wurzeln von Bäumen bestattet werden: Das ist offenbar der Wunsch vieler. Nach dem Vorbild des Logabirumer Gedächtniswaldes sollen Baumbestattungen auch in Emden möglich werden. Foto: Gedächtniswald Logabirum
An den Wurzeln von Bäumen bestattet werden: Das ist offenbar der Wunsch vieler. Nach dem Vorbild des Logabirumer Gedächtniswaldes sollen Baumbestattungen auch in Emden möglich werden. Foto: Gedächtniswald Logabirum
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Jetzt macht ein Großteil der Emder Politik ernst: Zum nächstmöglichen Zeitpunkt soll ein Gedächtniswald erstellt werden. Der Wunsch in der Bevölkerung sei groß. Die Skepsis der Stadt aber auch.

Emden - Emden bekommt einen Bestattungswald - zumindest wenn es nach dem Willen eines Großteils der Rats-Fraktionen geht. An diesem Mittwochvormittag hat Erich Bolinius (FDP) einen Antrag zur Erstellung eines Gedächtniswaldes im Emder Stadtwald im Namen der Fraktionen FDP, SPD, GfE und Die Fraktion sowie der Gruppe „Grüne feat. Urmel“ bei der Stadtverwaltung eingereicht. Dieser soll auf die Tagesordnung des nächstmöglich zuständigen Ausschusses gesetzt werden.

Stimmen die beantragenden Ratsvertreter einstimmig für die Erstellung eines solchen Areals im Stadtwald, dann haben sie die Mehrheit. Nur die CDU ist in dem Antrag nicht enthalten. Wird die Entscheidung dann auch im Rat entsprechend für den Wald ausfallen, muss die Stadtverwaltung dem Auftrag folgen und zum „nächstmöglichen Zeitpunkt“ einen Gedächtniswald erstellen. Allerdings: „Dabei sollte zunächst geprüft werden, ob die Stadt diesen Wald auch selbst betreiben möchte“, heißt es im Antrag. Dann bitte man um eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Wolle die Stadt nicht selbst aktiv werden, dann schlägt die Politik vor, den Generalbevollmächtigten des Schlosses Gödens, Enno Herlyn, zur Beratung und zu einem Vortrag über seine Pläne im Ausschuss einzuladen. Vom Schloss Gödens aus wird bereits der Gedächtniswald in Leer-Logabirum betrieben.

Stadt hatte sich stets skeptisch gezeigt

Der Wunsch nach einem Wald, in dem Verstorbene naturnah bestattet werden können, sei aus der Bevölkerung gekommen, heißt es im Antrag. Auf Anstoß der FDP wurde das Thema schon vor knapp zwei Jahren in Emden zur Diskussion gestellt. Die Vertreter von Schloss Gödens hatten bereits im Stadtwald Untersuchungen angestellt und einen Bereich gleich zu Beginn von der Herderstraße aus gesehen als geeignet ausgewiesen. Die Flächengröße beträgt etwa zehn Hektar. Es gebe eine gute Anbindung an die Bushaltstelle Herderstraße. Ein Wegenetz sei vorhanden und eine Anlage eines Parkplatzes möglich, so die Politik.

Die Stadtverwaltung hatte sich in den zurückliegenden Diskussionen stets skeptisch gegenüber dem Vorhaben positioniert. Schon jetzt müsse sehr viel Geld in den Erhalt und die Pflege der sieben städtischen Friedhöfe gesteckt werden. Die Unterhaltung eines Gedächtniswaldes käme als Aufgabe noch dazu. Auch sei die Umsetzung schwierig, der Stadtwald nicht geeignet, hieß es von der Verwaltung. Der Boden sei zu feucht, der Wald werde forstwirtschaftlich und für die Naherholung genutzt.

„Linden-Begräbnishain“ gibt es schon in Emden

Als Kompromiss hatte die Stadt auf dem größten öffentlichen Friedhof Tholenswehr Baumbestattungen ermöglicht. Auf einem Bereich des Friedhofs - dem sogenannten Linden-Begräbnishain - kann die Asche von Verstorbenen bei der Wurzeln von Bäumen bestattet werden. An den Baum kommt eine Namenplakette. Das Angebot werde schon sehr gut angenommen, hieß es zuletzt.

Die FDP hatte dagegen mehrfach argumentiert, dass auf dem Friedhof nicht dieselbe Naturnähe und Waldstimmung erweckt werden könne, wie man es sich für diese Bestattungsform wünsche. Die Menschen würden sich bewusst gegen einen Friedhof entscheiden wollen und – wenn in Emden keine entsprechende Möglichkeit gegeben sei – in andere Kommunen ausweichen. Tatsächlich gibt es auch in Aurich und Wittmund das Bestreben, Bestattungen unter Bäumen zu ermöglichen. Außer in Logabirum gibt es auch schon in Lütetsburg ein ausgewiesenes Areal.

Insgesamt geht der Trend seit Jahren zur teilanonymen Bestattung und weg von Sarg und Grabsteinen. Während die Grabstelle jeweils anonym ist, werden die Beigesetzten an einer zentralen Stelle auf Plaketten verewigt. Etwa drei Viertel aller Bestattungen in Emden sind Urnenbeisetzungen. Auf dem Friedhof Tholenswehr wurde 2020 in der Nähe des Haupteingangs eine neue Anlage für die teilanonyme Bestattungsform eingerichtet. 750 Urnen finden hier Platz. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter entscheiden sich Angehörige in 20 bis 25 Prozent für eine Alternative zur herkömmlichen Grabstätte. Dazu gehören etwa Gemeinschaftsgrabstätten, Wald- und Seebestattungen. Die Tendenz sei steigend, heißt es. Der Grund: Diese Bestattungsformen sind günstiger und die Grabpflege fällt weg oder ist weniger intensiv. Viele Hinterbliebene wohnen nicht mehr in der Nähe der Grabstätte ihrer Verwandten.

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