Verkehr in Leer  Am Stadtring arbeitet nun ein Roboter

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 21.07.2022 12:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf den Stadtringbrücken arbeitet nun ein Roboter. Foto: Wolters
Auf den Stadtringbrücken arbeitet nun ein Roboter. Foto: Wolters
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Der Zeitplan rund um die Sanierung des Stadtrings in Leer ist mächtig durcheinandergeraten. Jetzt wird aber wieder gearbeitet.

Leer - Die Ruhe am Leeraner Stadtring ist vorbei. Es wird wieder gearbeitet. Die Hauptarbeit übernimmt nun allerdings ein Roboter. Der Einsatz war von Anfang an geplant. Doch, was macht dieser Roboter eigentlich und wie steht es um den Zeitplan?

Was und warum

Darum geht es: Die Arbeiten am Stadtring wurden wieder aufgenommen

Vor allem interessant für: alle, die wissen wollen, ob der Zeitplan gehalten werden kann

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie es am Stadtring weitergeht

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

„Der Roboter fräst nun die Schichten von den Brücken ab. Dabei schirmt er den Bereich gleichzeitig ab“, erklärt Yasin Kilic von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich. Durch das Abschirmen des Bereichs verhindert der Roboter, dass Betonteile von der Brücke fallen. „So sind Menschen und Fahrzeuge unter der Brücke geschützt“, sagt Kilic.

Vorsichtige Arbeit

Zudem gehe der Roboter vorsichtiger und genauer vor als es Menschen könnten. Der Robotereinsatz war zudem schon von Anfang an eingeplant. „Der Roboter wurde auch fristgerecht angeliefert und verrichtet nun seine Arbeit“, sagt Kilic.

Auch zum Zeitplan äußerte sich Kilic: Er geht davon aus, dass der aktuelle Zeitplan eingehalten werden kann. Das bedeutet, bis zum Gallimarkt soll der Stadtring wieder freigegeben werden. Dieser beginnt am 12. Oktober.

Noch einiges zu tun

Erst, wenn der Roboter mit seiner Arbeit fertig ist, kann mit den Aufbauarbeiten der Brücken begonnen werden. Die Schäden an den Brücken über die Fabriciusstraße und die Bahnschienen würden bis Oktober eine teilweise Öffnung nicht zulassen. Heißt: Die Sperrung wird um über drei Monate verlängert. Eigentlich sollte der Stadtring nämlich nur bis Mitte Juni gesperrt werden.

Das musste wegen der Schäden ausgeweitet werden. Bereits im vergangenen Jahr wurde an den Brücken gearbeitet. Von dem Ausmaß der Schäden war man bis vor Kurzem noch überrascht. Bei den Arbeiten seien Stahl- und Betonteile zutage getreten, die teilweise schon korrodiert seien. „Die Straße ist im Abstand von etwa zwei Metern zu den Radwegen bis auf fünf Zentimeter mit Chloriden belastet“, so Markus Dinkela von der Behörde vor einigen Wochen. Das gelte für beide Brücken. „Es gibt Abschnitte, die sind stärker belastet, einige hingegen gar nicht“, so Dinkela.

Zusätzliche Arbeit

Diese beschädigten Bereiche werden jetzt durch den Roboter entfernt und anschließend erneuert. Da diese Arbeiten nicht eingeplant waren, kommt es auch zu der langen Verzögerung. „Die Kosten werden sich ebenfalls erhöhen, da diese Arbeiten nicht vorgesehen waren“, sagt Dinkela. Wie viel teurer es wird, konnte er nicht sagen.

Zu Anfang der Arbeiten hieß es, dass eine wichtige Abdichtschicht gefehlt habe. So sei es auch zu den schweren Schäden gekommen. Später wurde jedoch klar, dass diese Schicht mit abgefräst wurde.

Abdichtung war vorhanden

„Die Abdichtung, die damals aufgebracht wurde, war eine Lage leimfreies Papier und Gussasphalt. Diese Art der Abdichtung wird schon seit langer Zeit nicht mehr angewendet. Eine solche Abdichtung war damals aber fachgerecht. Beim Fräsen wird eine solche Abdichtung aber mit aufgenommen, so dass es aussieht, als wenn keine Abdichtung vorhanden gewesen wäre“, erklärte Frank Buchholz, Leiter der der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, als das Rätsel gelöst werden konnte.

Auch bei den Fachleuten löste das erst einmal Verwirrung aus. Es wurde geäußert, dass das Fehlen der Abdichtung dafür gesorgt habe, dass Streusalzwasser tief in den Beton eindringen konnte und so für die Schäden gesorgt habe. Nun zeigt sich: Es wurde fachgerecht gearbeitet, aber eben nach dem Standard von vor 70 Jahren.

Hohe Kosten

„Die Brücke wurde 1955 gebaut. Die Herstellerfirma existiert seit Anfang der 2000er Jahre nicht mehr. Die Deckschicht der Brücke wurde zwar in der Zwischenzeit erneuert, es gab aber keine Sanierungsmaßnahmen, die bis auf die Schutzschicht reichten“, so Buchholz. Aktuellere Abdichtungen seien nach Fräsarbeiten noch erkennbar, die in den 50er-Jahren benutzen Schichten nicht mehr. Was bleibt, ist so oder so eine lange Sperrung.

Ursprünglich war mit Baukosten in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro gerechnet worden. Diese Rechnung ist nicht mehr zu halten. Die Kosten werden von der Bundesrepublik Deutschland getragen. Was jedoch bleibt, ist die Sperrung der wichtigen Straße. Der Verkehr auf der Hauptstraße, die an der Spier-Kreuzung endet, staut sich teilweise weit. Auch in der Bremer Straße, die jetzt von vielen Autofahrern als Alternativ-Route genutzt wird, ist Geduld gefragt. Hier sind oft Staus bis zur Spier-Kreuzung zu verzeichnen.

Lange Staus

Dass es sich in der Bremer Straße staut, liegt vor allem an den Bahnschranken. Diese sind in Spitzenzeiten bis zu 20 Minuten pro Stunde geschlossen. Die Bahn sieht keine Möglichkeit, die Schließzeiten zu reduzieren, wie eine Sprecherin der Bahn sagte. So wird es bei den langen Staus bleiben.

Der Verkehr wird offiziell für den Zeitraum der Arbeiten über die Bundesstraße 436 (Logaer Hauptstraße), K 62 (Feldstraße), K 2 (Seggeweg, Eisinghausener Straße) und Bundesstraße 70 (Heisfelder Straße) umgeleitet. Radfahrer werden über das Stadtgebiet umgeleitet.

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