Staatsanwaltschaft fordert harte Strafe  Falscher Polizist soll 235.000 Euro zurückzahlen

Franz-Josef Höffmann
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Von Franz-Josef Höffmann
| 22.07.2022 19:13 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Urteil soll am 8. August verkündet werden. Bild: Pixabay
Das Urteil soll am 8. August verkündet werden. Bild: Pixabay
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In Oldenburg stehen falsche Polizisten vor Gericht – Helfer einer Bande, die hart bestraft werden sollen. Auch der Kopf der Bande wurde inzwischen erwischt.

Wilhelmshaven/Oldenburg - Im Prozess vor dem Oldenburger Landgericht gegen falsche Polizisten hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück für den 23-jährigen Hauptangeklagten aus Nordenham eine Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren gefordert. Außerdem sollen von ihm 235.000 Euro eingezogen werden, um die erlangte Beute zu ersetzen. Ein 24-jähriger Mitangeklagter, der nur an wenigen Fällen des bandenmäßigen Betrugs beteiligt war, soll eine Strafe von elf Monaten auf Bewährung bekommen. Von ihm fordert die Staatsanwaltschaft 46.000 Euro zurück. Für die Bewährung macht die Staatsanwaltschaft 200 Stunden gemeinnützige Arbeit zur Auflage.

Der Hauptangeklagte ist wegen bandenmäßigen Betruges in 53 Fällen angeklagt. Er war Mitglied einer international agierenden Betrügerbande, die im Jahr 2020 von einem Callcenter in der Türkei aus gnadenlos ältere Menschen mit Horrorgeschichten in Angst und Schrecken versetzte. Die Opfer wurden dazu gebracht, ihr gesamtes Vermögen herauszugeben. Die Betrüger, die sich als Polizisten ausgaben, warnten die alten Menschen am Telefon vor Verbrecherbanden, die es auf das Vermögen der Senioren abgesehen hätten. Um Geld und Wertsachen vor den Dieben in Sicherheit zu bringen, sollten die Opfer alles vor die Tür legen. Polizeibeamte würden dann kommen, die Wertsachen abholen und sicher verwahren.

Mehrere 100.000 Euro Schaden

Der 23-jährige Angeklagte gehörte zu diesen Abholern. Als Mitglied der Bande holte er bei den alten Menschen in Nordenham, Varel, Wilhelmshaven, Meppen, Oldenburg und Bremerhaven das bereitgelegte Geld, den Schmuck und die EC-Karten mit Geheimnummern ab. Die Opfer sind teilweise über 80 Jahre alt. Einige verloren Vermögenswerte von bis zu 34.000 Euro. Der insgesamt angerichtete Schaden wird mit mehreren 100.000 Euro beziffert.

Den Opfern war weisgemacht worden, dass ihnen das abgegebene Bargeld mit Zinsen zurückgegeben wird. Außerdem wurden sie unter Druck gesetzt, wenn sie nicht sofort auf die Warnung angesprungen sind. Eine 80-Jährige aus Wilhelmshaven, die bei der Abholung den Dienstausweis des Angeklagten sehen wollte, erhielt sofort einen erneuten Anruf. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie die polizeiliche Ermittlungsarbeit behindere. Davon ließ sie sich einschüchtern.

Bandenchef in Hamburg festgenommen

Die sogenannten Abholer der Beute sind auch in anderen Fällen schon ermittelt worden. Den Bandenköpfen kommt man dagegen nur selten auf die Spur. In diesem Fall ist das jedoch anders. Vor wenigen Wochen konnte in Hamburg einer der Bandenchefs verhaftet werden. Das bestätigte am Freitag die Staatsanwaltschaft Osnabrück.

Gegen den Mann lag ein internationaler Haftbefehl vor. Er war von der Türkei aus nach Hamburg geflogen, wo sofort die Handschellen klickten. Im jetzigen Verfahren haben die Angeklagten den Bandenchef schwer belastet. Ihre Aussagen mussten sie schriftlich niederlegen, um sie später im Prozess gegen ihn nicht widerrufen zu können. Am 8. August sollen im jetzigen Verfahren die Plädoyers der Verteidigung gehört und dann das Urteil verkündet werden.

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