Hamburg  Weniger Umweltauflagen für Getreideanbau? Cem Özdemir kritisiert EU-Pläne

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 24.07.2022 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Cem Özdemir kritisiert die EU-Kommission: Statt Verantwortung für eine nachhaltige Agrarpolitik zu übernehmen, verschiebe Brüssel nach der Ankündigung, Umweltauflagen für den Getreideanbau zu lockern, die Verantwortung auf die Mitgliedsstaaten. Foto: Imago images/Christian Spicker
Cem Özdemir kritisiert die EU-Kommission: Statt Verantwortung für eine nachhaltige Agrarpolitik zu übernehmen, verschiebe Brüssel nach der Ankündigung, Umweltauflagen für den Getreideanbau zu lockern, die Verantwortung auf die Mitgliedsstaaten. Foto: Imago images/Christian Spicker
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Umweltauflagen lockern, um die Getreideproduktion in Europa zu steigern? Oder in Folge des Ukraine-Krieges sogar gleich ganz auf die geplante Stilllegung von vier Prozent Ackerfläche verzichten? Bundesagrarminister Cem Özdemir kritisiert die Ankündigung der EU-Kommission und macht Alternativvorschläge. Im Fokus: Tank und Trog.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat die Ankündigung der EU-Kommission kritisiert, Umweltauflagen für Landwirte zu lockern, um die Getreideproduktion zu steigern. Unserer Redaktion sagte der Grünen-Politiker, das Angebot aus Brüssel sei mit Vorsicht zu genießen: „Anstatt selber die Verantwortung für eine nachhaltige Agrarpolitik zu übernehmen, schiebt die EU-Kommission die Mitgliedsstaaten vors Loch.”

Die Kommission entziehe sich dem Unmut aus Teilen der Landwirtschaft über Nachhaltigkeitsziele und verlagere die Verantwortung auf die Mitgliedsstaaten. Özdemir warnte nun aber vor allzu großen Erwartungen in der Landwirtschaft: Er könne Umweltauflagen nur dann lockern, wenn er an anderer Stelle verschärfe. Das müsse er nun genau prüfen.

Den vielfach geforderten Komplettverzicht auf die geplante Stilllegung von vier Prozent Ackerfläche sieht Özdemir indes skeptisch. Es gebe „deutlich größere Hebel, die Brüssel aber leider nicht gezogen hat”, so der Bundesminister. Er verwies darauf, dass auf 14 Prozent der Ackerfläche allein in Deutschland Pflanzen angebaut würden, die später in der Biosprit-Produktion verwendet würden. „Es gibt gerade keinen guten Grund für Getreide im Tank. Das muss runtergefahren werden”, forderte Özdemir. Global gesehen könne ein möglicher Ausfall der Ukraine als Getreidelieferant allein dadurch mehrfach kompensiert werden. So hatte sich zuvor bereits der Zentralverband der Geflügelwirtschaft geäußert.

Der zweite Teil der Überlegungen des Agrarministers dürfte dem Verband indes weniger gut gefallen. Özdemir ergänzte: „Reduzieren wir in Deutschland die Tierbestände maßvoll, dann müssen wir nicht mehr auf 60 Prozent der Anbaufläche für Getreide Futtermittel anbauen.” Auch dazu erwarte er Vorschläge von der EU-Kommission, so Özdemir.

Die Statista-Grafik zeigt: Deutschland ist Europas größter Biokraftstoff-Produzent:

Am Freitagabend hatte die EU-Kommission erklärt, Umweltregeln für Landwirte in Europa für 2023 lockern zu wollen, um die Getreideproduktion zu steigern. Dadurch sollen mögliche Engpässe infolge des Ukraine-Krieges ausgeglichen und die hohen Preise an den Weltmärkten gesenkt werden. Über die Umsetzung der Lockerungen muss in den jeweiligen Ländern entschieden werden. Die deutschen Agrarminister sprechen darüber auf einem Sondertreffen am Donnerstag.

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