Hamburg Boykottierte Mecklenburg-Vorpommern Wolfs-Studie aus Niedersachsen?
Eine Studie zeigt: Der Wolf wird bald überall in Deutschland heimisch sein. Dass das Raubtier ausstirbt, ist unwahrscheinlich. Initiiert hat die Untersuchung Niedersachsen, andere Bundesländer lieferten Daten – Mecklenburg-Vorpommern nicht. Warum?
Der Unmut war Niedersachsens Umweltminister Olaf Lief (SPD) deutlich anzumerken, als er auf einer Pressekonferenz in Hannover eine Randbemerkung platzierte: Nicht alle angefragten Bundesländer hatten sich an der Studie beteiligt, die die Landesregierung in Niedersachsen in Auftrag gegeben hatte. Dabei ging es nicht einmal um die Finanzierung der Untersuchung, sondern nur um Wolfsdaten, die die anderen Länder rausrücken sollten.
Auf deren Basis wollten die beauftragten Wissenschaftler aus Wien klären: Ist der Wolf tatsächlich noch gefährdet in Deutschland oder gibt es mittlerweile nicht doch genug Wölfe in Deutschland? Das Fazit: Bis 2030 wird das Raubtier in der ganzen Republik heimisch sein. Das erneute Aussterben ist sehr unwahrscheinlich.
Im Zuge der Studie waren im Sommer 2021 genetische Daten zu Wölfen von einzelnen Ländern angefragt worden, heißt es aus dem Umweltministerium in Hannover. Schleswig-Holstein, Berlin, Thüringen und natürlich auch Niedersachsen lieferten. Mecklenburg-Vorpommern erteilte indes keine Freigabe.
Aus dem zuständigen Umweltministerium in Schwerin heißt es zur Begründung: „Es läuft auf Bundesebene eine entsprechende Untersuchung für Deutschland einschließlich einer Populationsgefährdungsanalyse, dieses Vorgehen wird für zielführend erachtet.”
Anders formuliert: Das Ministerium von SPD-Politiker Till Backhaus möchte nichts mit der Studie aus Niedersachsen von SPD-Genosse Olaf Lies zu tun haben. Ein Sprecher von Backhaus will die Ergebnisse konsequenterweise auch nicht bewerten, da sich diese „primär auf Niedersachsen” bezögen.
Hier sind die Probleme bereits jetzt größer als im Nordosten. Die amtliche Wolfsstatistik in Niedersachsen weist für das Jahr 2021 insgesamt 645 nachweislich durch den Wolf gerissene Schafe, Rinder oder Pferde aus. In Mecklenburg-Vorpommern waren es indes knapp 200 tote Nutztiere.
Olaf Lies befürchtet, dass die Probleme nicht nur, aber eben besonders in seinem Bundesland weiter zunehmen. Derzeit seien etwa 350 Wölfe in seinem Bundesland unterwegs, sagte er. 2030 könnten es schon 1200 sein. Folglich sei die Tötung einzelner Tiere in Ordnung, um die Ausbreitung abzubremsen. Der Bund müsse entsprechende Gesetze anpassen.
Das Bundesumweltministerium, auf dessen Untersuchung Backhaus setzt, erteilte dem Ansinnen aus Hannover auf Anfrage unserer Redaktion bereits eine Absage: Der Wolf sei weiterhin streng geschützt. Es sei mit dem EU-Recht nicht vereinbar, einfach einzelne Tiere zu töten.