Hamburg Ackern, oder nicht? Politiker streiten über Umweltauflagen für Getreideanbau
Wegen des Ukraine-Krieges ist das Getreide knapp und teuer. Niedersachsens Agrarministerin Otte-Kinast fordert daher, Umweltauflagen hierzulande zu lockern und mehr Anbau in Deutschland zu ermöglichen.
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast fordert schnelle Entscheidungen zum Getreideanbau in Deutschland. Vor dem digitalen Sondertreffen der Agrarminister aus Bund und Ländern sagte die CDU-Politikerin unserer Redaktion: „Die aktuelle Ernte ist gerade gelaufen. Die Landwirte müssen jetzt wissen, was sie für das kommende Jahr aussäen können.”
Otte-Kinast forderte zudem, auf die geplante Stilllegung von vier Prozent der Ackerfläche in Deutschland zu verzichten. „Da darf es keine Kompromisse geben”, so Otte-Kinast. „Unter den besonderen Bedingungen des Krieges, müssen wir auf den Hunger in der Welt reagieren.“
Vergangene Woche hatte die EU-Kommission den Mitgliedstaaten die Möglichkeit eingeräumt, geplante Umweltauflagen für den Getreideanbau zu lockern. So soll die Getreideproduktion auf dem Kontinent gesteigert und mögliche Ausfälle in Folge des Ukraine-Krieges kompensiert werden.
Bundesagrarminister Cem Özdemir hatte die Ankündigung der Kommission kritisiert. Im Interview mit unserer Redaktion sagte der Grünen-Politiker: „Anstatt selber die Verantwortung für eine nachhaltige Agrarpolitik zu übernehmen, schiebt die EU-Kommission die Mitgliedsstaaten vors Loch.” Die Kommission entziehe sich dem Unmut aus Teilen der Landwirtschaft über Nachhaltigkeitsziele und verlagere die Verantwortung auf die Mitgliedsstaaten.
Özdemir warnte vor allzu großen Erwartungen in der Landwirtschaft: Er könne Umweltauflagen nur dann lockern, wenn er an anderer Stelle verschärfe. Das müsse er nun genau prüfen.
Zudem gebe es „noch deutliche größere Hebel”, um die Verfügbarkeit von Getreide zu steigern: „Auf 14 Prozent der Ackerflächen in Deutschland werden Pflanzen angebaut, die am Ende im Autotank landen. Es gibt gerade keinen guten Grund für Getreide im Tank. Das muss runtergefahren werden.”