Berlin  Nach Ukraine-Reise: Faeser und Heil ernten Kritik für „Sekt-Foto“

Jakob Patzke, Lorena Dreusicke
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Von Jakob Patzke, Lorena Dreusicke
| 26.07.2022 22:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Für dieses Foto gibt es Kritik: Anka Feldhusen, Botschafterin von Deutschland in der Ukraine, Nancy Faeser (SPD), Bundesministerin für Inneres und Heimat, Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew sowie Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales (von links nach rechts). Foto: dpa/Christophe Gateau
Für dieses Foto gibt es Kritik: Anka Feldhusen, Botschafterin von Deutschland in der Ukraine, Nancy Faeser (SPD), Bundesministerin für Inneres und Heimat, Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew sowie Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales (von links nach rechts). Foto: dpa/Christophe Gateau
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Am Montag reisten Innenministerin Nancy Faeser und Arbeitsminister Hubertus Heil in die Ukraine. Während des Besuchs entstand ein Foto, das die beiden SPD-Politiker zusammen mit Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko und einem Kaltgetränk zeigt. In den sozialen Medien entlädt sich nun Kritik – mit Vergleichen zu Armin Laschet.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundessozialminister Hubertus Heil (beide SPD) waren am Montag in die Ukraine gereist. Dort besuchten sie zunächst die vom Krieg zerstörte Stadt Irpin, wo es zu ähnlichen Kriegsverbrechen wie in Butscha gekommen sein soll. Zudem standen Treffen mit zahlreichen ukrainischen Politikern auf dem Plan.

Bei einem Zusammenkommen entstand ein Foto, das Faeser und Heil gemeinsam mit Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sowie der deutschen Botschafterin in der Ukraine, Anka Feldhusen, auf einem Balkon der Residenz der Botschafterin zeigt. In der Hand halten die vier ein Kaltgetränk, ob es sich dabei um Sekt oder ähnliches handelt, ist unklar.

Die Schnappschüsse mit Gläsern sowie die Fotos ohne seien im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens entstanden, teilten das Bundesinnenministerium und das Bundesarbeitsministerium „t-online“ am Mittwoch mit. Auf die Kritik an den Bildern gingen die Ministerien demnach nicht ein.

In den sozialen Netzwerken reagieren viele Nutzer mit Wut und Unverständnis und sprechen von „Kriegstourismus“. „So lässt sich das Grauen des Krieges gleich besser ertragen“, schreibt ein Nutzer auf Twitter. Ein anderer schreibt: „Beim Gläschen Sekt kann man schon mal über den Krieg lachen.“

CDU-Generalsekretär Mario Czaja twitterte: „Mit Champagner in der Hand einen Logenplatz ergattern. Sinnbild für die SPD-Riege der Scholz-Regierung. Bilder haben Wirkung – und die Wirkung dieses Bild spricht Bände“. CDU-Abgeordneter Matthias Hauer findet dagegen: „Die Minister könnten meinetwegen auf dem Balkon kistenweise Champagner trinken.“

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Vor allem aber ziehen die Kritiker Parallelen zum CDU-Politiker und damaligen Kanzlerkandidaten Armin Laschet, der während eines Aufenthalts im Flutgebiet Ahrtal 2021 für ein Lachen heftig kritisiert wurde. „Sollte das Foto real aus dem kriegsgeschüttelten Kiew kommen, worin ist das dann besser, als Lachen eines Armin Laschet nach dem Hochwasser im Westen?“, fragt sich ein Twitter-User.

Der Besuch von Faeser und Heil in der Ukraine hatte bereits im Vorfeld für viel Diskussionen und auch Kritik gesorgt. Dabei steht der Vorwurf im Raum, dass das Land keine Besuche von hochrangigen Politikern benötige, sondern in erster Linie Unterstützung in Form von Waffen.

Wie andere Politiker zuvor reisten Heil und Faeser mit dem Zug über Nacht aus Polen nach Kiew. Im Gepäck hat Faeser - wenn man so will als Symbol für den Willen der Deutschen - die Zusage, sich am Mammutprojekt Wiederaufbau und an der Lieferung von Hilfsgütern zu beteiligen, darunter Stromgeneratoren und eine Drohne zur Luftaufklärung. Denn obwohl ein Ende des russischen Angriffskrieges in der Ukraine nicht ansatzweise absehbar ist, laufen Bemühungen zum Wiederaufbau des Landes.

Deutschland wolle die Zusammenarbeit mit der Ukraine bei der Aufarbeitung russischer Kriegsverbrechen verstärken, sagte Innenministerin Faeser. Dazu solle die schon bestehende Kooperation mit dem Bundeskriminalamt (BKA) ausgeweitet werden.

Arbeitsminister Heil kündigte „administrative Beratung und Hilfe“ an - zum Beispiel für Ukrainer, die durch den Krieg ihre Arbeit verloren haben. „Dieser Krieg ist ja nicht nur eine humanitäre Krise und eine massive militärische Auseinandersetzung, sondern auch eine Kriegswirtschaftskrise“, sagte er. Außerdem wolle Deutschland der Ukraine auf dem Weg in die Europäische Union helfen und „Schritt für Schritt auch beraten bei der Übernahme europäischer Rechtsetzung, beispielsweise in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“.

(mit dpa)

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